Die Schweiz ist aufgrund ihrer politischen Stabilität, ihrer starken Währung und ihrer international erfolgreichen Unternehmen ein interessanter Aktienmarkt. Auch für Anleger, die Wert auf regelmässige Ausschüttungen legen, bietet die Schweizer Börse einige Besonderheiten. Vor allem Banken, Versicherungen, Pharmaunternehmen und Telekomkonzerne weisen attraktive Dividendenrenditen auf.
Eine hohe Dividendenrendite allein macht allerdings noch keine gute Dividendenaktie. Gerade Dividendenrenditen von sieben, acht oder mehr Prozent können sowohl auf eine interessante Unterbewertung als auch auf erhöhte Risiken hinweisen. Entscheidend ist, ob diese Ausschüttungen auch langfristig verdient und finanziert werden können.
Ebenso wichtig ist die Entwicklung des Aktienkurses. Eine hohe Dividendenrendite nützt wenig, wenn sie durch Kursverluste mehr als aufgezehrt wird. Gerade bei zyklischen Aktien spielt der Einstiegszeitpunkt eine wichtige Rolle. Eine hohe Dividendenrendite kann hier jedoch auch eine Kaufchance signalisieren, wenn der Kurs bereits stark gefallen ist und sich die Bewertung einem attraktiven Niveau nähert. Entscheidend ist deshalb, ob der Kursrückgang überwiegend zyklische Ursachen hat oder ob dahinter auch strukturelle Probleme des Unternehmens oder der Branche stehen. Eine Aktie mit sieben Prozent Dividendenrendite, deren Kurs gleichzeitig um 20 Prozent fällt, ist für den Anleger unter dem Strich kein gutes Geschäft. Entscheidend ist deshalb die Gesamtrendite aus Kursentwicklung und Ausschüttungen sowie das weitere Kurspotenzial.
Warum die Schweiz für Dividendenanleger interessant ist
Der Schweizer Aktienmarkt weist einige strukturelle Besonderheiten auf, die ihn für einkommensorientierte Anleger interessant machen. Auffällig ist insbesondere das hohe Gewicht von Finanzunternehmen. Versicherer wie Zurich Insurance, Swiss Re oder Swiss Life gehören seit Jahren zu den bedeutendsten Ausschüttern des Schweizer Marktes. Hinzu kommen Banken wie Cembra oder Valiant.
Auch ausserhalb des Finanzsektors finden sich etablierte Dividendenzahler. Novartis und Roche verfügen über jahrzehntelange Ausschüttungstraditionen. Nestlé gehört ebenfalls zu den Unternehmen, die ihre Dividende über sehr lange Zeit zumindest stabil gehalten oder erhöht haben. Swisscom wiederum ist ein klassischer defensiver Cashflow-Titel mit hoher Ausschüttung.
Interessant ist dabei nicht nur die absolute Höhe der Dividende. Schweizer Unternehmen verfolgen teilweise ausgesprochen aktionärsfreundliche Kapitalrückführungspolitiken und kombinieren Dividenden mit Aktienrückkäufen oder Ausschüttungen aus Kapitaleinlagereserven.
Versicherungen: Das Rückgrat des Schweizer Dividendenmarktes
Besonders auffällig ist die Stellung der Versicherungen. Ihre Geschäftsmodelle können – bei ausreichender Kapitalisierung und vernünftigem Risikomanagement – hohe und relativ stabile Mittelzuflüsse ermöglichen. Entsprechend gehören einige Schweizer Versicherer seit Jahren zu den attraktivsten Dividendenwerten.
Bei Versicherungsaktien spielt das Zinsumfeld eine wichtige Rolle. Versicherer legen einen grossen Teil ihrer Prämieneinnahmen in festverzinslichen Anlagen an. Höhere Zinsen können deshalb langfristig zu höheren Anlageerträgen führen, gleichzeitig aber den Marktwert bereits gehaltener Anleihen belasten. Wie stark sich Zinsänderungen auswirken, hängt vom Geschäftsmodell, der Laufzeitenstruktur der Anlagen und Verpflichtungen sowie vom Anteil des Anlageergebnisses am Gewinn ab. Lebensversicherer reagieren dabei teilweise anders auf Zinsänderungen als Sach- oder Rückversicherer.
Zurich Insurance
Zurich gehört zu den bekanntesten Beispielen. Für das Geschäftsjahr 2025 wurde eine Dividende von CHF 30.00 je Aktie ausgeschüttet. Im Jahr 2016 waren es noch CHF 17.00. Das Unternehmen verfolgt eine Ausschüttungspolitik mit einer Zielquote von rund 75 Prozent des den Aktionären zurechenbaren Reingewinns und strebt grundsätzlich mindestens die Dividende des Vorjahres an.
Bei einem Aktienkurs von CHF 597 Anfang September 2026 entspricht die zuletzt ausgeschüttete Dividende einer historischen Rendite von rund fünf Prozent. Damit liefert Zurich eine für einen grossen Qualitätskonzern bemerkenswert hohe laufende Ausschüttung.
Swiss Life
Auch Swiss Life hat ihre Dividende in den vergangenen Jahren stark erhöht. Für das Geschäftsjahr 2025 wurden CHF 36.50 je Aktie ausgeschüttet. Noch 2012 betrug die Ausschüttung CHF 4.50. Besonders auffällig ist somit nicht nur die aktuelle Dividende, sondern die langfristige Entwicklung.
Swiss Life zeigt exemplarisch, warum bei Dividendenaktien nicht nur die aktuelle Rendite betrachtet werden sollte. Unternehmen, die ihre Ausschüttung über Jahre aus steigenden Erträgen erhöhen können, können langfristig interessanter sein als Aktien mit einer kurzfristig besonders hohen Rendite.
Swiss Re
Swiss Re gehört ebenfalls zu den klassischen Schweizer Dividendentiteln. Für das Geschäftsjahr 2025 genehmigten die Aktionäre eine ordentliche Dividende von USD 8.00 je Aktie, die in Schweizer Franken ausbezahlt wurde.
Bei Rückversicherern ist allerdings stärker als bei manchen anderen Geschäftsmodellen zu berücksichtigen, dass Naturkatastrophen, Grossschäden und Kapitalmarktentwicklungen die Ergebnisse von Jahr zu Jahr beeinflussen können.
Auch Schweizer Banken sind interessante Ausschütter
Bei den Banken ist die Situation ähnlich. Hohe Kapitalanforderungen begrenzen zwar die frei verfügbaren Mittel, gut kapitalisierte Institute können überschüssiges Kapital jedoch über Dividenden oder Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurückgeben.
Wie bei Versicherern spielt auch bei Bankaktien die Zinsentwicklung eine wichtige Rolle. Veränderungen des Zinsniveaus wirken sich auf das Zinsengeschäft und damit auf die Ertragslage der Banken aus. Allerdings profitieren nicht alle Banken gleichermassen von steigenden oder fallenden Zinsen. Entscheidend sind unter anderem das Geschäftsmodell, die Struktur der Bilanz, die Refinanzierungskosten, die Zinsmargen im Kreditgeschäft und die Zusammensetzung der Erträge. Eine klassische Geschäfts- oder Regionalbank ist wesentlich stärker vom Zinsgeschäft abhängig als beispielsweise Swissquote, deren Erträge stark durch Handelsaktivität, Gebühren und das Verhalten der Anleger beeinflusst werden. Eine attraktive Dividendenrendite sollte deshalb immer auch vor dem Hintergrund des jeweiligen Geschäftsmodells und Zinsumfelds beurteilt werden.
Cembra
Cembra erhöhte die ordentliche Dividende für 2025 auf CHF 4.60 je Aktie. Zusätzlich wurde eine Sonderdividende von CHF 1.00 ausgeschüttet. Insgesamt erhielten die Aktionäre damit CHF 5.60 je Aktie.
Bemerkenswert ist auch die langfristige Entwicklung: Die ordentliche Dividende stieg seit 2013 von CHF 2.85 auf CHF 4.60. Cembra erklärte zudem, für 2026 mindestens CHF 4.60 ausschütten und die Dividende anschliessend auf Basis eines nachhaltigen Gewinnwachstums weiter erhöhen zu wollen.
Valiant
Valiant erhöhte die Dividende für 2025 auf CHF 6.00 je Aktie. Gleichzeitig startete die Bank im Juni 2026 ein Aktienrückkaufprogramm über maximal CHF 75 Millionen, das bis 2029 laufen soll.
Damit zeigt Valiant einen weiteren wichtigen Punkt: Für Aktionäre zählt nicht nur die Dividende. Aktienrückkäufe können ebenfalls einen wesentlichen Bestandteil der Kapitalrückführung darstellen.
Pharma und Konsum: Weniger Rendite, dafür lange Ausschüttungstradition
Nicht alle interessanten Schweizer Dividendenaktien weisen besonders hohe Renditen auf. Unternehmen wie Novartis, Roche und Nestlé zeichnen sich vielmehr durch eine lange Ausschüttungshistorie aus.
Kursrückgänge können bei solchen Aktien interessante Einstiegsfenster eröffnen, weil dadurch die Dividendenrendite auf den Einstiegskurs steigt. Entscheidend ist jedoch die Ursache des Kursrückgangs. Beruht dieser vor allem auf kurzfristigen Enttäuschungen, negativen Schlagzeilen oder einer vorübergehenden Überreaktion des Marktes, kann sich eine Kaufchance ergeben. Stehen dagegen strukturelle Probleme des Unternehmens oder der Branche dahinter, kann die höhere Dividendenrendite auch ein Warnsignal sein.
Novartis
Novartis erhöhte 2026 die Dividende für das Geschäftsjahr 2025 auf CHF 3.70 je Aktie. Es handelte sich bereits um die 29. Dividendenerhöhung in Folge.
Gerade solche langfristigen Serien sind für Dividendenanleger interessant. Eine heute etwas niedrigere Rendite kann langfristig attraktiver sein, wenn die Ausschüttung kontinuierlich wächst.
Roche
Roche geht noch weiter. Für das Geschäftsjahr 2025 wurde die Dividende auf CHF 9.80 erhöht. Damit erhöhte Roche die Dividende bereits zum 39. Mal in Folge.
Solche Ausschüttungshistorien sind am Schweizer Markt ein wichtiger Qualitätsfaktor. Sie garantieren zwar keine zukünftigen Erhöhungen, zeigen aber, welchen Stellenwert eine stabile Dividendenpolitik bei den Unternehmen besitzt.
Nestlé
Nestlé erhöhte die Dividende für 2025 auf CHF 3.10 je Aktie. Nach Angaben des Unternehmens wurde die Dividende in Schweizer Franken seit 66 Jahren entweder erhöht oder zumindest nicht gesenkt.
Das Beispiel Nestlé zeigt gleichzeitig, dass Dividendenqualität nicht mit maximaler Rendite gleichzusetzen ist. Bei defensiven Unternehmen bezahlen Anleger häufig einen höheren Preis für Stabilität und erhalten deshalb eine niedrigere Anfangsrendite.
Telekommunikation: Hohe Cashflows und attraktive Ausschüttungen
Swisscom
Swisscom zahlte für 2025 eine Dividende von CHF 26 je Aktie. Das entspricht einer deutlichen Erhöhung gegenüber den zuvor über viele Jahre ausbezahlten CHF 22.
Für 2026 stellt Swisscom bei Erreichen der Unternehmensziele bereits eine weitere Erhöhung auf CHF 27 je Aktie in Aussicht.
Telekommunikationsunternehmen verfügen aufgrund ihrer Abo-Modelle häufig über relativ planbare Einnahmen, müssen gleichzeitig aber erhebliche Investitionen in ihre Netzinfrastruktur finanzieren. Entscheidend für die Nachhaltigkeit der Dividende ist deshalb die Entwicklung des Free Cashflows.
Sunrise: Hohe Ausschüttung mit steuerlicher Besonderheit
Besonders interessant ist derzeit Sunrise. Für das Geschäftsjahr 2025 beschlossen die Aktionäre eine Ausschüttung von CHF 3.42 je A-Aktie.
Das Besondere daran: Die Ausschüttung erfolgt vollständig aus Reserven aus ausländischen Kapitaleinlagen und wird nach Angaben von Sunrise für Schweizer Steuerzwecke als Rückzahlung qualifizierender Kapitaleinlagen behandelt.
Für in der Schweiz wohnhafte Privataktionäre, die ihre Aktien im Privatvermögen halten, ist das besonders interessant: Eine solche qualifizierende Rückzahlung von Kapitaleinlagereserven unterliegt grundsätzlich weder der schweizerischen Einkommenssteuer noch der Verrechnungssteuer. Damit kann eine Ausschüttung aus Kapitaleinlagereserven netto erheblich attraktiver sein als eine gleich hohe gewöhnliche Dividende.
Eine gewöhnliche Schweizer Dividende unterliegt zunächst der Verrechnungssteuer von 35 Prozent. Schweizer Steuerpflichtige können diese bei ordnungsgemässer Deklaration zwar grundsätzlich zurückfordern, die Dividende selbst bleibt jedoch steuerbares Einkommen. Bei einer qualifizierenden Rückzahlung von Kapitaleinlagereserven fällt dieser Einkommenssteuer-Effekt für Privatanleger grundsätzlich weg.
Gerade bei Sunrise sollte deshalb nicht nur auf die nominelle Ausschüttungsrendite geschaut werden. Entscheidend ist auch, wie die Ausschüttung erfolgt.
Partners Group: Vom Wachstumswert zur Dividendenaktie?
Ein besonders interessanter Sonderfall ist Partners Group. Das Unternehmen wurde traditionell eher als wachstumsorientierter Vermögensverwalter für Privatmärkte betrachtet als als klassische Hochdividendenaktie.
Für 2025 erhöhte Partners Group die Dividende jedoch um zehn Prozent auf CHF 46 je Aktie. Gleichzeitig ist der Aktienkurs 2026 deutlich gefallen.
Dadurch ist die Dividendenrendite stark gestiegen. Bei Kursen deutlich unter früheren Höchstständen bewegt sie sich inzwischen in einer Grössenordnung, die man eher von klassischen Dividendenwerten kennt.
Genau hier zeigt sich aber das Grundproblem hoher Dividendenrenditen: Der Nenner ist der Aktienkurs. Fällt dieser stark, steigt die Rendite automatisch, selbst wenn das Unternehmen keinen Rappen mehr ausschüttet.
Bei Partners Group ist deshalb entscheidend, weshalb der Markt die Aktie tiefer bewertet. Das Unternehmen verzeichnete 2025 zwar einen Gewinnanstieg auf CHF 1.26 Milliarden und erhöhte die Dividende. Im ersten Halbjahr 2026 belasteten jedoch schwächere Performance Fees und Unsicherheit über das Umfeld für Privatmarktanlagen den Aktienkurs.
Für Dividendenanleger ist Partners Group deshalb interessant, aber keineswegs mit einem defensiven Versicherer wie Zurich gleichzusetzen. Die hohe Rendite ist zum Teil eine Folge der deutlich gefallenen Bewertung.
Mobilezone: Über sieben Prozent Rendite – Chance oder Warnsignal?
Auch Mobilezone gehört inzwischen zu den auffälligen Schweizer Hochdividendenwerten. Für 2025 wurde erneut eine Dividende von CHF 0.90 je Aktie beschlossen.
Bei Aktienkursen im Bereich von ungefähr CHF 13 ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von rund sieben Prozent.
Das ist attraktiv – gleichzeitig darf die Ursache der hohen Rendite nicht ignoriert werden. Der Aktienkurs ist deutlich gefallen, und insbesondere die Entwicklung des Deutschlandgeschäfts sowie die Wachstumsaussichten des Unternehmens werden vom Markt kritisch beurteilt.
Gerade bei Mobilezone stellt sich deshalb exemplarisch die Frage:
Ist eine Dividendenrendite von sieben Prozent ein Schnäppchen – oder entschädigt sie den Anleger lediglich für ein erhöhtes Geschäftsrisiko?
Eine nachhaltige hohe Rendite wäre interessant. Sollte jedoch der Gewinn langfristig unter Druck geraten, könnte irgendwann auch die Ausschüttungspolitik infrage gestellt werden.
Oerlikon: Warum zweistellige Dividendenrenditen täuschen können
Oerlikon ist ein gutes Beispiel dafür, weshalb historische Dividendenrenditen mit Vorsicht interpretiert werden müssen.
Für 2025 zahlte Oerlikon insgesamt CHF 0.85 je Aktie. Diese Ausschüttung bestand jedoch nur zu CHF 0.20 aus der ordentlichen Dividende. Weitere CHF 0.65 waren eine einmalige Sonderdividende aus einem Teil der Erlöse des Verkaufs von Barmag.
Wer einfach CHF 0.85 durch den aktuellen Aktienkurs teilt, erhält eine spektakulär hohe Dividendenrendite. Diese wäre aber irreführend, wenn daraus eine dauerhaft zu erwartende Ausschüttung abgeleitet würde.
Für die Beurteilung von Oerlikon ist deshalb zunächst die ordentliche Dividende von CHF 0.20 relevant. Eine Sonderdividende ist ein zusätzlicher Ertrag, aber keine automatisch wiederkehrende Einnahme.
Eine hohe Dividendenrendite kann auch ein Warnsignal sein
Das Grundprinzip lässt sich mit einem einfachen Beispiel zeigen.
Ein Unternehmen zahlt CHF 5 Dividende. Bei einem Aktienkurs von CHF 100 beträgt die Dividendenrendite fünf Prozent. Fällt der Kurs auf CHF 60, steigt die Rendite auf 8.3 Prozent – obwohl sich an der Ausschüttung nichts verändert hat.
Der Anleger muss deshalb herausfinden, weshalb der Aktienkurs gefallen ist.
Handelt es sich lediglich um eine vorübergehende Unterbewertung, kann eine hohe Dividendenrendite eine interessante Gelegenheit darstellen. Erwartet der Markt hingegen sinkende Gewinne, strukturelle Probleme oder eine zukünftige Dividendenkürzung, kann die hohe Rendite zur sogenannten Dividendenfalle werden.
Worauf Anleger bei Dividendenaktien achten sollten
Bei der Beurteilung einer Dividendenaktie sind mehrere Faktoren wichtiger als die aktuelle Rendite allein:
- Entwicklung des Gewinns: Eine Dividende sollte langfristig aus den Erträgen des Unternehmens finanziert werden können. Wichtig ist deshalb, wie sich der Gewinn beziehungsweise der Gewinn je Aktie (EPS) über mehrere Jahre entwickelt.
- Free Cashflow: Buchgewinne reichen nicht aus, wenn kein entsprechender Mittelzufluss vorhanden ist. Entscheidend ist, ob der Free Cashflow die Dividendenzahlungen nachhaltig deckt. Wichtige Kennzahlen sind die Free-Cashflow-Rendite sowie die Ausschüttungsquote gemessen am Free Cashflow.
- Ausschüttungsquote: Je höher der Anteil des Gewinns, der ausgeschüttet wird, desto kleiner ist grundsätzlich der Puffer bei einem Ergebnisrückgang.
- Eigenkapital und Verschuldung: Eine solide Bilanz erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eine Dividende auch in schwierigeren Jahren aufrechterhalten werden kann. Die Eigenkapitalquote und der Verschuldungsgrad sollten dabei immer im Branchenvergleich betrachtet werden. Bei Banken und Versicherungen sind zusätzlich die jeweiligen regulatorischen Kapitalquoten entscheidend.
- Dividendenhistorie: Langfristig stabile oder steigende Ausschüttungen sind ein Hinweis auf eine aktionärsfreundliche Kapitalpolitik.
- Geschäftsmodell: Eine Rendite von fünf Prozent kann bei einem Versicherer etwas völlig anderes bedeuten als bei einem stark zyklischen Industrieunternehmen.
- Bewertung: Auch ein hervorragendes Unternehmen kann zu einem zu hohen Aktienkurs eine schlechte Investition sein. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zeigt, wie hoch eine Aktie im Verhältnis zu ihrem Gewinn bewertet ist. Besonders bei einem möglichen Einstieg sollte das aktuelle KGV mit der eigenen historischen Bewertung und mit vergleichbaren Unternehmen verglichen werden.
Dividende, Aktienrückkauf oder Kapitalrückzahlung?
Für Aktionäre zählt letztlich die gesamte Kapitalrückführung.
Die klassische Dividende ist nur eine Möglichkeit. Unternehmen können überschüssiges Kapital auch über Aktienrückkäufe oder Rückzahlungen von Kapitaleinlagereserven an ihre Eigentümer zurückgeben.
Aktienrückkäufe reduzieren – sofern die zurückgekauften Aktien vernichtet werden – die Anzahl ausstehender Aktien. Dadurch verteilt sich der zukünftige Gewinn auf weniger Aktien.
Kapitalrückzahlungen wiederum können für Schweizer Privatanleger steuerlich besonders attraktiv sein. Qualifizierende Ausschüttungen aus Kapitaleinlagereserven sind grundsätzlich nicht als Einkommen steuerbar und unterliegen auch nicht der schweizerischen Verrechnungssteuer.
Das aktuelle Beispiel Sunrise zeigt deshalb sehr anschaulich, warum die reine Dividendenrendite nicht immer die ganze Geschichte erzählt.
Die Schweiz bietet mehr als nur hohe Dividendenrenditen
Die Schweiz verfügt über grosse und gut kapitalisierte Versicherer, profitable Banken, weltweit führende Pharma- und Konsumunternehmen sowie Telekomgesellschaften mit hohen Cashflows. Hinzu kommen Unternehmen wie Partners Group, Mobilezone oder Oerlikon, bei denen aussergewöhnliche Ausschüttungssituationen entstehen können.
Damit können Anleger zwischen unterschiedlichen Ansätzen wählen: hohe laufende Rendite, langfristiges Dividendenwachstum, defensive Ausschüttungen oder Value-Situationen nach deutlichen Kursrückgängen.
Fazit: Die höchste Dividendenrendite ist nicht automatisch die beste
Für mich ist eine hohe Dividendenrendite ein wichtiges Kriterium. Entscheidend ist jedoch das Gesamtbild aus Ausschüttung, Ertragskraft, Bilanzqualität, Bewertung und Kurspotenzial.
Eine nachhaltige Rendite von vier oder fünf Prozent kann attraktiver sein als acht Prozent, wenn bei der höheren Ausschüttung eine Kürzung droht. Umgekehrt können Kursrückgänge bei grundsätzlich gesunden Unternehmen interessante Einstiegsmöglichkeiten schaffen und die zukünftige Rendite deutlich erhöhen.
Genau diese Mischung macht den Schweizer Dividendenmarkt interessant: etablierte Finanzwerte mit hohen Ausschüttungen, defensive Qualitätsunternehmen mit jahrzehntelanger Dividendenhistorie und einzelne Aktien, bei denen hohe Renditen Chancen, aber auch erhöhte Risiken anzeigen.
Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Aktienanlagen sind mit Risiken verbunden. Kurse, Dividenden und steuerliche Rahmenbedingungen können sich verändern. Die steuerliche Behandlung hängt zudem von der individuellen Situation des Anlegers ab.
Quellen
- Zurich Insurance – Dividenden
- Swiss Life – Dividendenhistorie
- Swiss Re – Generalversammlung 2026
- Cembra – Dividenden
- Valiant – Generalversammlung 2026
- Novartis – Generalversammlung 2026
- Roche – Generalversammlung 2026
- Nestlé – Generalversammlung 2026
- Swisscom – Generalversammlung 2026
- Partners Group – Generalversammlung 2026
- mobilezone – Investor Relations
- Oerlikon – Jahresergebnis 2025
- Sunrise – Investor Relations
- Eidgenössische Steuerverwaltung – Verrechnungssteuer und Kapitaleinlagereserven
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