Gasmangellage: Wie sicher ist die Gasversorgung der Schweiz?

Die europäischen Gasspeicher sind vor Beginn der Heizperiode deutlich schlechter gefüllt als in den Vorjahren. Gleichzeitig beeinträchtigt der Iran-Krieg den Transport von Flüssiggas durch die Strasse von Hormus. Die Schweiz verfügt zwar über Erdgasvorkommen, fördert aber seit 1994 kein eigenes Erdgas mehr und besitzt keine grossen Gasspeicher. Eine Mangellage steht nicht unmittelbar bevor. Doch die vollständige Abhängigkeit vom Ausland macht die Schweiz verwundbar.

Europa geht mit ungewöhnlich tiefen Gasreserven in den Winter 2026/27. Mitte September waren die Gasspeicher der Europäischen Union zu rund 67 Prozent gefüllt. Das ist der tiefste Stand zu dieser Jahreszeit seit 15 Jahren. Branchenvertreter rechnen damit, dass der Füllstand bis Anfang November lediglich etwa 75 Prozent erreichen wird.

Damit fehlt Europa ein Teil jenes Sicherheitspolsters, das Verbrauchsspitzen und Lieferausfälle während eines kalten Winters auffangen soll. Niedrige Speicherstände bedeuten zwar noch nicht, dass Haushalte nicht mehr heizen können: Über Pipelines und Flüssiggas-Terminals gelangt weiterhin Gas nach Europa. Je kleiner die Reserven jedoch sind, desto stärker ist Europa auf ununterbrochene Importe angewiesen – und desto empfindlicher reagiert der Markt auf Kälte, Lieferausfälle und geopolitische Krisen.

Für die Schweiz ist diese Entwicklung besonders wichtig. Sie verfügt zwar über kleine Speicher zum kurzfristigen Ausgleich, aber über keine grossen saisonalen Gasspeicher, in denen Gas vom Sommer für den Winter eingelagert werden kann. Ihren gesamten Erdgasbedarf deckt sie durch Importe. Die Frage nach der Gasversorgung ist deshalb nicht nur energiepolitisch, sondern vor allem geopolitisch.

Die nächste Gaskrise beginnt in der Strasse von Hormus

Die europäische Gaskrise des Jahres 2022 entstand durch Russlands Angriff auf die Ukraine und den weitgehenden Ausfall russischer Pipeline-Lieferungen. Europa reagierte mit neuen LNG-Terminals, zusätzlichen Importen aus Norwegen und den USA sowie einem sinkenden Gasverbrauch. Dadurch ist der Kontinent heute breiter aufgestellt als vor vier Jahren.

Die Abhängigkeit wurde jedoch nicht beseitigt, sondern teilweise verlagert. Statt russischem Pipeline-Gas benötigt Europa mehr verflüssigtes Erdgas aus Übersee. Dieses LNG muss mit Spezialschiffen zu europäischen Terminals transportiert werden. Damit gewinnen Seewege, Häfen und strategische Meerengen an Bedeutung.

Die Strasse von Hormus ist dabei ein entscheidender Engpass. Durch sie werden grosse Mengen Öl und LNG aus den Golfstaaten transportiert. Der Iran-Krieg und die Blockade der Meerenge haben insbesondere die Ausfuhren Katars und der Vereinigten Arabischen Emirate getroffen. Nach Angaben von Shell fielen dadurch 2026 bislang 36 Millionen Tonnen LNG aus. Gleichzeitig konkurrieren Europa und Asien um die verbleibenden Lieferungen aus den USA und anderen Exportländern. Neue Produktionskapazitäten in anderen Regionen begrenzten den weltweiten Nettoausfall allerdings auf rund fünf Millionen Tonnen.

Die Folge ist ein globaler Verteilungskampf. Bei einem milden Winter reicht das verfügbare Gas voraussichtlich aus. Bei einem kalten Winter in Europa und Nordostasien steigt die Nachfrage jedoch gleichzeitig auf beiden Kontinenten. LNG-Tanker fahren dann dorthin, wo Käufer den höchsten Preis bezahlen. Versorgungssicherheit wird zur Frage der Kaufkraft.

Europa hat zu wenig Gas eingelagert

Die tiefen Speicherstände sind nicht allein das Ergebnis fehlender Lieferungen. Auch die Preisstruktur bremste die Befüllung. Kurzfristig verfügbares Gas war zeitweise teurer als Gas für spätere Liefertermine. Für Händler bestand deshalb wenig Anreiz, teures Gas einzukaufen, einzulagern und später günstiger zu verkaufen.

Die Europäische Union hatte ihre Speicherregeln zuvor flexibilisiert. Das Ziel von 90 Prozent muss nicht mehr zwingend am 1. November erreicht werden, sondern innerhalb eines Zeitfensters zwischen dem 1. Oktober und dem 1. Dezember. Bei schwierigen Marktbedingungen dürfen Staaten zudem vom Ziel abweichen. Diese Flexibilität soll verhindern, dass starre Vorgaben die Preise zusätzlich hochtreiben. Zugleich nimmt die EU damit in Kauf, dass Europa mit geringeren Reserven in den Winter geht.

Noch im Frühjahr ging die Europäische Kommission davon aus, dass ein Speicherstand von 80 Prozent erreichbar sei. Davon ist die EU inzwischen weit entfernt. Der Mitte September gemessene Speicherstand von 67 Prozent bedeutet noch keine Mangellage. Er lässt aber weniger Spielraum für einen kalten Winter oder weitere Lieferausfälle.

Die Schweiz besitzt keine eigenen grossen Gasspeicher

Die Schweiz verfügt zwar über Erdgasvorkommen, fördert heute aber kein eigenes Erdgas mehr. Einzig in Finsterwald im Entlebuch wurde zwischen 1985 und 1994 Erdgas gewonnen. Die bisher entdeckten Vorkommen gelten aber als zu klein für einen wirtschaftlichen Abbau. Gleichzeitig besitzt die Schweiz keine grossen saisonalen Gasspeicher. Ihren heutigen Erdgasbedarf deckt sie deshalb vollständig durch Importe. Schweizer Versorger beschaffen das Gas auf den Handelsplätzen der umliegenden EU-Staaten.

Das Schweizer Netz ist eng mit dem europäischen Transportsystem verbunden. Eine zentrale Rolle spielt die Transitgasleitung zwischen Deutschland und Italien. Sie lässt sich in beide Richtungen betreiben. Der wichtigste Einspeisepunkt liegt in Wallbach an der deutschen Grenze. Gas kann zudem über Frankreich und Italien in die Schweiz gelangen.

Diese Einbindung ist eine Stärke und eine Schwäche zugleich. Die Schweiz kann Gas über mehrere Routen beziehen und profitiert vom grossen europäischen Markt. Sie besitzt jedoch keine eigenständige Versorgung. Werden Gaslieferungen in den Nachbarstaaten knapp oder Transportkapazitäten blockiert, trifft dies auch die Schweiz.

Jeder vierte Haushalt heizt mit Gas

Gas ist für die Schweiz nicht der wichtigste Energieträger, bleibt aber für Haushalte, Industrie und Gewerbe unverzichtbar. Gemäss der Gebäude- und Wohnungsstatistik 2025 werden 17 Prozent der Wohngebäude mit Gas beheizt. Auf Haushaltsebene beträgt der Anteil 25 Prozent. Damit lebt jeder vierte Schweizer Haushalt in einem gasbeheizten Gebäude.

Der Unterschied erklärt sich durch die starke Verbreitung von Gasheizungen in Mehrfamilienhäusern und Städten. In städtischen Gemeinden werden 29 Prozent der Gebäude mit Gas beheizt, in ländlichen Gemeinden lediglich 4 Prozent. Eine Gasmangellage träfe deshalb besonders die dicht besiedelten Gebiete.

Insgesamt werden weiterhin 50 Prozent der Schweizer Wohngebäude mit Öl oder Gas beheizt. Wärmepumpen erreichen inzwischen 25 Prozent. Der Umbau des Gebäudeparks schreitet voran, doch die fossile Abhängigkeit bleibt gross.

Schweizer Gasreserven liegen im Ausland

Weil eigene saisonale Speicher fehlen, verpflichtet der Bund die fünf regionalen Gasnetzbetreiber, Speicherkapazitäten im Ausland zu sichern. Die vorgeschriebene Reserve entspricht mindestens 15 Prozent des durchschnittlichen schweizerischen Jahresverbrauchs. Das Ziel muss zwischen dem 1. Oktober und dem 1. Dezember erreicht werden.

Diese Reserve verbessert die Versorgungssicherheit, beseitigt das Risiko aber nicht. Eingelagertes Gas nützt der Schweiz nur, wenn es im Krisenfall auch transportiert werden kann. Leitungen, Grenzübergänge und die Entscheidungen der Staaten, in denen sich die Speicher befinden, bleiben entscheidend.

Für den Winter 2026/27 hat die Gaswirtschaft deshalb eine zusätzliche Option gesichert. Mit der sogenannten ITA.SWAPtion.26 kann die Schweiz bei Bedarf Gas nutzen, das aus Frankreich über das elsässische Oltingue durch die Schweizer Transitgasleitung nach Italien fliesst. Die Option entspricht ungefähr einem Zehntel des Schweizer Winterverbrauchs. Sie wäre besonders wichtig, falls die Einfuhr aus Deutschland über Wallbach eingeschränkt wird.

Der Bund betont ausdrücklich, dass diese Vorsorge keine unmittelbar bevorstehende Mangellage signalisiert. Sie zeigt jedoch, dass die Behörden die Abhängigkeit von einzelnen Importwegen als reales Risiko betrachten.

Was bringt das Solidaritätsabkommen mit Deutschland und Italien?

Seit dem 22. Mai 2026 ist das Gas-Solidaritätsabkommen zwischen der Schweiz, Deutschland und Italien in Kraft. Gerät eines der drei Länder in eine schwere Mangellage, kann es die beiden anderen um Gaslieferungen für geschützte Verbraucher ersuchen.

Für die Schweiz ist das wichtig, weil sie nicht Mitglied der Europäischen Union ist und deshalb nicht in alle europäischen Solidaritätsmechanismen eingebunden ist. Das Abkommen schafft einen rechtlichen Rahmen für gegenseitige Hilfe.

Eine Liefergarantie ist es trotzdem nicht. Die Schweiz darf erst um Unterstützung ersuchen, nachdem sie sämtliche zumutbaren Massnahmen im Inland ausgeschöpft hat. Zudem müssen Deutschland und Italien in einer Krise zuerst ihre eigene Versorgung beurteilen. Solidarität verteilt das vorhandene Gas. Sie schafft kein zusätzliches Gas.

Was geschieht bei einer Mangellage?

Der Bundesrat hat 2026 ein überarbeitetes Bewirtschaftungskonzept vorgelegt. Es sieht mehrere Stufen vor:

  1. Betreiber von Zweistoffanlagen müssten von Gas auf Heizöl umschalten.
  2. Bestimmte Gasverwendungen könnten eingeschränkt oder verboten werden.
  3. Gewerbe und Industrie würden kontingentiert.
  4. Bei Gas für Raumwärme und Warmwasser könnte der Bund eine maximal zulässige Temperatur festlegen.

Privathaushalte, Spitäler und Notdienste gelten als geschützte Verbraucher. Geschützt bedeutet jedoch nicht, dass sie uneingeschränkt weiterheizen dürften. Auch Haushalte könnten über Temperaturvorgaben zum Sparen verpflichtet werden. Gasbetriebene Fernwärmenetze wären ebenfalls von Beschränkungen betroffen.

Die wirtschaftlichen Folgen träfen zuerst Unternehmen. Eine Kontingentierung zwingt Betriebe, ihre Produktion zu reduzieren oder vorübergehend einzustellen. Besonders gefährdet sind Branchen, die Gas für Brennöfen, Prozesswärme, die Dampferzeugung oder Trocknungsanlagen benötigen und nicht kurzfristig auf einen anderen Energieträger umstellen können. Dazu gehören Teile der Glas-, Keramik-, Metall-, Chemie-, Pharma-, Papier- und Lebensmittelindustrie. Eine Gasmangellage wäre deshalb nicht nur ein Problem für Heizungen, sondern auch für Arbeitsplätze, Lieferketten und die Konjunktur.

Gas bestimmt auch den Strompreis

Die Folgen reichen über den Gasmarkt hinaus. Gaskraftwerke decken in Europa Verbrauchsspitzen und springen ein, wenn Wind- und Solarstrom fehlen. Steigende Gaspreise erhöhen deshalb auch die Strompreise. Die Schweiz ist im Winter regelmässig auf Stromimporte angewiesen und spürt diese Entwicklung ebenfalls.

Für den kommenden Winter gibt es einen wichtigen stabilisierenden Faktor: Die französischen Kernkraftwerke weisen derzeit eine hohe Verfügbarkeit auf. Frankreich kann dadurch mehr Strom exportieren und benötigt weniger Gas zur Stromproduktion. Auch die zusätzlichen europäischen LNG-Terminals verbessern die Ausgangslage gegenüber 2022.

Das Risiko einer gleichzeitigen Gas- und Stromkrise ist deshalb geringer als während der Energiekrise vor vier Jahren. Verschwunden ist es nicht. Ein kalter, windarmer Winter mit wenig Solarproduktion würde den Gasverbrauch der europäischen Kraftwerke erhöhen und die Speicher schneller leeren.

Droht der Schweiz nun eine Gasmangellage?

Eine Mangellage lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Die tiefen europäischen Speicherstände allein reichen dafür nicht aus. Massgebend sind vier Faktoren:

  • die Temperaturen während des Winters;
  • die Dauer der Behinderungen in der Strasse von Hormus;
  • die Nachfrage nach LNG in Asien;
  • die Verfügbarkeit der europäischen Kernkraftwerke und erneuerbaren Stromproduktion.

Bei einem normalen oder milden Winter dürfte Gas verfügbar bleiben. Die Preise werden aber hoch und volatil bleiben. Ein kalter Winter erhöht den Verbrauch und zwingt Europa, zusätzliches LNG zu hohen Preisen einzukaufen. Treffen Kälte, ausfallende LNG-Lieferungen und eine hohe asiatische Nachfrage zusammen, werden Kontingentierungen für Industrie und Gewerbe realistisch.

Das wahrscheinlichere kurzfristige Risiko ist deshalb keine vollständig unterbrochene Versorgung der Haushalte, sondern eine neue Preiswelle. Diese verteuert Gas, Strom, industrielle Produktion und zahlreiche Güter. Eine physische Mangellage droht erst bei mehreren gleichzeitigen Belastungen.

Welche Lösungen hat die Schweiz?

Die Schweiz muss zwei unterschiedliche Aufgaben lösen. Kurzfristig braucht sie genügend Gas und sichere Transportwege für die bestehenden Heizungen und Industriebetriebe. Langfristig muss sie den Gasverbrauch senken, ohne dadurch eine neue Versorgungslücke beim Strom zu schaffen. Eigene Gasspeicher und Wärmepumpen sind deshalb keine Gegensätze. Sie wirken auf unterschiedlichen Zeithorizonten.

Reserven im Ausland und mehrere Importwege sichern

Für die nächsten Winter bleiben ausländische Speicher unverzichtbar. Die vorgeschriebene Reserve von 15 Prozent des Jahresverbrauchs, die zusätzliche Bezugsoption über Frankreich und das Solidaritätsabkommen mit Deutschland und Italien sind die schnellsten verfügbaren Absicherungen.

Die Schweiz sollte sich dabei nicht zu stark auf den deutschen Einspeisepunkt Wallbach verlassen. Bezugswege über Frankreich und Italien vermindern dieses Klumpenrisiko. Auch langfristige Lieferverträge können die Preis- und Versorgungsrisiken reduzieren. Vollständige Unabhängigkeit schaffen sie nicht.

Eigene Gasspeicher als Absicherung

Ein grosser saisonaler Speicher auf Schweizer Gebiet würde einen Teil der strategischen Gasreserve ins Inland verlagern. Im Krisenfall könnte die Schweiz auf einen Vorrat zurückgreifen, der nicht zuerst eine Landesgrenze passieren müsste. Ein einziger zentraler Speicher würde allerdings ein Klumpenrisiko schaffen: Ein militärischer Angriff, Sabotageakt, Cyberangriff oder technischer Ausfall könnte den Zugriff auf einen erheblichen Teil der Reserve unterbrechen. Widerstandsfähiger wäre eine Kombination aus mehreren saisonalen Gasspeichern an verschiedenen, geografisch voneinander getrennten Standorten in der Schweiz, Reserven im Ausland und unterschiedlichen Importwegen. Der Bundesrat prüft deshalb seit 2022 Speichermöglichkeiten für Erdgas, Biogas und Wasserstoff.

Die geologischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen sind jedoch schwierig. Der Schweiz fehlen ausgeförderte Erdgasfelder und bekannte grosse Salzkavernen, wie sie andere europäische Staaten für saisonale Speicher nutzen. Die bestehenden Kugel- und Röhrenspeicher decken zusammen nur ungefähr einen halben durchschnittlichen Verbrauchstag.

Als technische Möglichkeit werden ausgekleidete Felskavernen untersucht. Ein bekanntes Projekt sieht bis zu vier Kavernen mit einer Kapazität von insgesamt 1,48 Terawattstunden vor. Das entsprach gut vier Prozent des Schweizer Gasverbrauchs von 2020. Zum Vergleich: Die heute vorgeschriebene Reserve im Ausland umfasst rund sechs Terawattstunden.

Ein eigener Speicher würde die Versorgungssicherheit erhöhen, aber viel kosten, jahrelange Planung erfordern und nur einen Teil des Winterbedarfs decken. Vor einem Bau muss deshalb geklärt werden, wie viel Gas die Schweiz langfristig überhaupt noch benötigt. Ein kostspieliger Erdgas-Speicher wäre eine Fehlinvestition, wenn der Gasverbrauch im Gebäudebereich stark sinkt. Eine spätere Nutzung für Biogas oder Wasserstoff müsste bereits bei der Planung berücksichtigt werden.

Gasheizungen durch Wärmepumpen ersetzen

Wärmepumpen senken die Abhängigkeit von importiertem Gas direkt. Nach Angaben des Bundesamtes für Energie erzeugt eine Wärmepumpe aus ungefähr 25 Prozent Antriebsenergie und 75 Prozent Umweltwärme die benötigte Heizwärme. Sie braucht damit wesentlich weniger zugeführte Energie als eine Gas- oder Ölheizung.

Der Ausbau löst das Versorgungsproblem aber nur zusammen mit einer gesicherten Stromproduktion. Wärmepumpen benötigen den meisten Strom an kalten Tagen. Gleichzeitig sinkt ihre Effizienz bei tiefen Aussentemperaturen und hohen Vorlauftemperaturen. Schlecht gedämmte Altbauten mit kleinen Heizkörpern benötigen deshalb zuerst eine genaue Prüfung und teilweise eine energetische Sanierung.

Der Ersatz einer Gasheizung durch eine Wärmepumpe beseitigt die Gasabhängigkeit des Gebäudes. Ohne zusätzlichen Winterstrom verlagert er einen Teil des Risikos jedoch vom Gasnetz ins Stromnetz.

Der zusätzliche Winterstrom muss gleichzeitig bereitgestellt werden

Photovoltaik produziert im Winter deutlich weniger Strom als im Sommer. Nach Berechnungen der Eidgenössischen Elektrizitätskommission entfallen bei Anlagen im Mittelland nur rund 27 Prozent der Jahresproduktion auf das Winterhalbjahr. Alpine Solaranlagen liefern einen höheren Winteranteil, können den zusätzlichen Bedarf aber nicht allein decken.

Auch die Speicherseen sind keine unbegrenzte Batterie. Sie sammeln Wasser vor allem im Sommer und Herbst und produzieren damit im Winter Strom. Deshalb sinken ihre Pegelstände während des Winterhalbjahrs und erreichen ihren Tiefpunkt meist im Frühjahr. Gerade diese saisonale Nutzung ist ihre Aufgabe. In langen Kälteperioden nimmt der verbleibende Puffer jedoch ab.

Wer Gasheizungen grossflächig durch Wärmepumpen ersetzt, muss deshalb gleichzeitig die Winterversorgung stärken. Dazu gehören:

  • der Weiterbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke, solange sie sicher betrieben werden können;
  • zusätzliche Wasserkraft und eine ausreichend grosse Wasserkraftreserve;
  • alpine Photovoltaik mit höherem Winterertrag;
  • Windkraft, deren Produktion stärker im Winter anfällt;
  • der Ausbau der Stromnetze und Speicher;
  • Gebäudedämmung und effizient eingestellte Wärmepumpen;
  • verlässliche Stromimporte aus den Nachbarstaaten.

Frankreichs Kernkraftwerke sind für die Schweiz besonders wichtig, weil sie im Winter grosse Mengen Strom liefern. Wer Gasheizungen durch Wärmepumpen ersetzt, muss zwingend dafür sorgen, dass im Winter genügend Strom produziert wird. Andernfalls wird die Abhängigkeit von Gasimporten teilweise durch eine stärkere Abhängigkeit von Stromimporten ersetzt.

Fernwärme, Abwärme und Holz ergänzen die Wärmepumpen

Nicht jedes Gebäude eignet sich gleich gut für eine Wärmepumpe. In dicht bebauten Gebieten können Fernwärmenetze, Kehrichtverbrennungsanlagen, industrielle Abwärme, Seewasser oder Geothermie einen Teil der Gasheizungen ersetzen. Holz- und Pelletheizungen sind vor allem dort sinnvoll, wo lokale Brennstoffe verfügbar sind. Das nachhaltige Holzpotenzial ist jedoch begrenzt und reicht nicht als flächendeckender Ersatz für Öl und Gas.

Die beste Lösung hängt vom Gebäude und vom Standort ab. Entscheidend ist nicht eine einzige bevorzugte Technologie, sondern eine Wärmeversorgung, die auf mehrere heimische Energiequellen abgestützt ist.

Fazit

Die Schweiz hat ihre Gasvorsorge seit 2022 verbessert. Sie hält Reserven im Ausland, sichert zusätzliche Bezugsoptionen, überwacht die Versorgung und verfügt über ein Solidaritätsabkommen mit Deutschland und Italien. Diese Massnahmen erhöhen die Widerstandsfähigkeit. Von Unabhängigkeit kann dennoch keine Rede sein.

Die Schweiz fördert kein eigenes Erdgas, besitzt keine grossen saisonalen Gasspeicher und bleibt auf europäische Handelsplätze sowie ausländische Transportwege angewiesen. Ihre Versorgung hängt damit von Kriegen im Nahen Osten, der Energiepolitik der Europäischen Union, der Nachfrage asiatischer Grossverbraucher und der Kooperationsbereitschaft der Nachbarstaaten ab.

Ein Speicherstand von 67 Prozent bedeutet noch keine Mangellage, verringert aber das Sicherheitspolster. Ein milder Winter dürfte beherrschbar bleiben. Ein kalter Winter in Verbindung mit anhaltenden Lieferausfällen würde Gas und Strom massiv verteuern und könnte zu Einschränkungen für Industrie und Gewerbe führen.

Die geopolitische Lehre ist eindeutig: Kurzfristig braucht die Schweiz ausreichende Gasreserven im Ausland und verschiedene Bezugswege. Mittel- und langfristig sollte sie den Aufbau saisonaler Gasspeicher an geografisch getrennten Standorten prüfen und gleichzeitig ihren Gasverbrauch senken. Der Ersatz von Gasheizungen durch Wärmepumpen reduziert die Importabhängigkeit jedoch nur dann, wenn genügend Winterstrom produziert und das Stromnetz ausgebaut wird. Dazu müssen Kernkraft, Wasserkraft, Photovoltaik, Windenergie und Stromspeicher gemeinsam betrachtet werden. Andernfalls ersetzt die Schweiz einen Teil ihrer Gasabhängigkeit durch eine stärkere Stromimportabhängigkeit.

Quellen

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