Über sentimentale und clevere Aktionäre

Von Alexander Müller veröffentlicht am 14. April 2010 | 1.546 mal gesehen

Rudolf WeberLiebe Leser, sind Ihnen die lustigen Typen, die sich an Generalversammlungen ans Rednerpult stürzen um dort ihren Senf zum Besten zu geben auch schon aufgefallen? Auch wenn diese Leute mit ihren Voten kaum etwas bewirken, es wäre direkt langweilig ohne sie. Sie haben einen gewissen Unterhaltungswert. An der heutigen GV der UBS konnte man gleich mehrere dieser lustigen Gesellen sehen. Sie ärgerten sich über hohe Boni und beklagten sich über entgangene Dividenden. Doch was sind das eigentlich für Leute? Es sind sentimentale Anleger.

Man kann zwischen sentimentalen und wirtschaftlich orientierten Aktionären unterscheiden.

Charakteristik des sentimentalen Aktionärs:
Er kauft eine Aktie weil er sich aus sentimentalen Gründen mit dem Unternehmen verbunden fühlt oder ihm das Unternehmen irgendwie gefällt. Manchmal rahmt er die Aktie bei sich zuhause ein und hängt sie an die Wand. Er ist glücklich wenn er einmal pro Jahr eine Dividende ausbezahlt bekommt und an der Generalversammlung teilnehmen kann. Dort darf er Kaffee und Gipfeli essen und seinen Senf zum Besten geben. Dieser Typ ist wertkonservativ und relativ unflexibel. Wenn er einmal eine Aktie kauft, hält er sie über Jahre. Kursgewinne sind ihm nicht so wichtig, da er seine Aktie dermassen liebt, dass er sie nicht zu verkaufen gedenkt. Er ärgert sich über Manager, die mit ihren hohen Salären und Vergütungen den Gewinn des Unternehmens schmälern.

Charakteristik des wirtschaftlich orientierten Aktionärs:

Das ist ein Anleger, der aus wirtschaftlichen Überlegungen Aktien eines Unternehmens erwirbt. Er ist primär auf Kursgewinne aus und kauft daher Aktien, von denen er hofft, dass ihr Kurs ansteigt. Kursgewinne fallen oft höher aus als Dividenden und sind zudem nicht steuerbar. Der wirtschaftlich orientierte Anleger ist flexibel und hält seine Aktien in der Regel nur solange bis er seine Kursgewinne realisiert. Er ist an Managern interessiert, die wissen, wie sie den Aktienkurs kurzfristig steigern können. So kann er die Aktie, die er günstig gekauft hat später zu einem höheren Preis verkaufen und später eventuell wieder zu einem günstigeren Preis kaufen usw. Damit Manager mitmachen, brauchen sie einen Anreiz. Diesen gibt man ihnen in Form von Optionen, deren Basiswert die Aktie des Unternehmens ist, in das man investiert hat. Nun ist das Management ebenfalls an höheren Aktienkursen interessiert, da es bei steigenden Kursen ebenfalls reicher wird. Dieser Aktionär hat nichts gegen hohe Boni und Vergütungen für Manager, solange diese dafür sorgen, dass der Aktienkurs steigt.

Natürlich gibt es noch andere Anlegertypen und Investoren, auf die ich jedoch hier nicht weiter eingehe.

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