Zyklische Schweizer Aktien: Chancen und Risiken im Konjunkturzyklus

Zyklische Aktien stammen von Unternehmen, deren Geschäftsentwicklung besonders stark von der Wirtschaftslage abhängt. Steigt die Nachfrage, investieren Unternehmen mehr, der Welthandel nimmt zu und die Konsumenten geben mehr Geld für nicht lebensnotwendige Güter aus. Davon können zyklische Unternehmen überdurchschnittlich profitieren. In einem wirtschaftlichen Abschwung kehrt sich dieser Effekt um.

Der Schweizer Aktienmarkt ist zwar für zahlreiche defensive Schwergewichte wie Nestlé, Novartis und Roche bekannt. Gleichzeitig finden Anleger an der Schweizer Börse eine breite Auswahl an zyklischen Aktien. Dazu gehören Industrieunternehmen, Baustoffhersteller, Halbleiterzulieferer, Logistikkonzerne, Personaldienstleister sowie Hersteller von Uhren und Luxusgütern.

Zyklische Aktien bieten in einem wirtschaftlichen Aufschwung beträchtliche Chancen. Ihre Gewinne und Aktienkurse können allerdings stärker schwanken als diejenigen von defensiven Schweizer Aktien. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Qualität eines Unternehmens, sondern auch, in welcher Phase des Konjunkturzyklus sich seine Absatzmärkte befinden.

Was sind zyklische Aktien?

Als zyklisch werden Aktien von Unternehmen bezeichnet, deren Umsätze und Gewinne deutlich auf Veränderungen der wirtschaftlichen Aktivität reagieren. Ihre Produkte oder Dienstleistungen werden vor allem dann stärker nachgefragt, wenn Unternehmen investieren, die Bautätigkeit zunimmt, der Welthandel wächst und die Konsumenten über ausreichend verfügbares Einkommen verfügen.

Schwächt sich die Konjunktur ab, können Unternehmen Investitionen verschieben, Lagerbestände reduzieren und weniger Personal einstellen. Konsumenten verzichten möglicherweise auf eine neue Uhr, eine grössere Reise oder andere nicht zwingend notwendige Anschaffungen. Für die betroffenen Unternehmen kann bereits ein vergleichsweise kleiner Umsatzrückgang zu einem deutlich stärkeren Gewinneinbruch führen.

Der Grund dafür sind häufig hohe Fixkosten. Fabriken, Maschinen, Personal und Vertriebsstrukturen verursachen auch dann Kosten, wenn weniger produziert oder verkauft wird. Steigt die Auslastung, wächst der Gewinn deshalb oft überproportional. Sinkt die Auslastung, wirkt derselbe Mechanismus in die entgegengesetzte Richtung.

Wie funktioniert der Konjunkturzyklus?

Die Wirtschaft entwickelt sich nicht gleichmässig, sondern durchläuft unterschiedliche Phasen. Die einzelnen Zyklen unterscheiden sich in ihrer Dauer und Stärke und lassen sich nie exakt vorhersagen. Vereinfacht kann zwischen vier Phasen unterschieden werden:

  • Aufschwung: Nachfrage, Produktion und Investitionen nehmen zu. Unternehmen stellen mehr Personal ein, und zyklische Aktien werden häufig stärker nachgefragt.
  • Hochkonjunktur: Kapazitäten sind gut ausgelastet, Auftragsbücher gefüllt und Gewinne hoch. Gleichzeitig können Inflation, steigende Zinsen und Engpässe die weitere Entwicklung bremsen.
  • Abschwung: Auftragseingänge gehen zurück, Investitionen werden verschoben und Unternehmen bauen Lagerbestände ab. Die Gewinnerwartungen zyklischer Unternehmen sinken.
  • Rezession oder Tiefpunkt: Umsätze und Gewinne stehen unter Druck. Gleichzeitig beginnen die Börsen oft bereits, eine spätere wirtschaftliche Erholung vorwegzunehmen. Das ist oft ein guter Zeitpunkt, um in zyklische Aktien zu investieren – vorausgesetzt, die Probleme des betreffenden Unternehmens sind tatsächlich konjunktureller und nicht struktureller Natur.

Aktienkurse reagieren in der Regel früher als die veröffentlichten Wirtschaftsdaten. Wenn Statistiken den Beginn eines Aufschwungs bestätigen, können die Kurse vieler zyklischer Aktien bereits deutlich gestiegen sein. Umgekehrt fallen solche Aktien häufig, bevor sich eine Rezession vollständig in den Unternehmenszahlen zeigt.

Frühzyklische und spätzyklische Aktien

Nicht alle zyklischen Unternehmen reagieren gleichzeitig auf eine Veränderung der Wirtschaftslage. Deshalb wird zwischen frühzyklischen und spätzyklischen Aktien unterschieden.

Frühzyklische Unternehmen spüren Veränderungen häufig relativ schnell. Dazu können Personaldienstleister, Logistikunternehmen oder Hersteller von besonders konjunkturabhängigen Konsumgütern gehören. Wenn Unternehmen mit einer Erholung rechnen, benötigen sie möglicherweise zuerst zusätzliche temporäre Arbeitskräfte. Auch Bestellungen, Transporte und Auftragseingänge können früh anziehen.

Spätzyklische Unternehmen reagieren tendenziell mit Verzögerung. Grössere Bau- und Infrastrukturprojekte benötigen eine lange Planungs- und Bewilligungsphase. Die Nachfrage nach Baustoffen oder baunahen Produkten kann deshalb erst später im Aufschwung ihren Höhepunkt erreichen.

Diese Einteilung ist allerdings nicht starr. Ein weltweit tätiges Unternehmen kann gleichzeitig von unterschiedlichen regionalen Konjunkturzyklen, langfristigen Investitionsprogrammen und branchenspezifischen Entwicklungen beeinflusst werden.

Welche Schweizer Branchen sind besonders zyklisch?

Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie

Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie gehört zu den klassischen zyklischen Wirtschaftsbereichen der Schweiz. Ihre Unternehmen liefern Maschinen, Komponenten, Automatisierungstechnik und Produktionslösungen an andere Unternehmen. Steigt deren Auslastung und Investitionsbereitschaft, nimmt die Nachfrage nach neuen Anlagen und Technologien zu.

In einem Abschwung werden solche Investitionen häufig aufgeschoben. Bestehende Maschinen können länger genutzt und Erweiterungsprojekte verschoben werden. Auftragseingang und Auftragsbestand sind deshalb bei Industrieunternehmen besonders wichtige Kennzahlen.

Bauwirtschaft und baunahe Unternehmen

Die Bauwirtschaft wird unter anderem durch Zinsen, Immobiliennachfrage, staatliche Infrastrukturinvestitionen und die allgemeine Wirtschaftslage beeinflusst. Eine starke Bautätigkeit erhöht die Nachfrage nach Zement, Bauchemie, Rohrleitungssystemen, Aufzügen und weiteren Produkten.

Die Zyklizität kann innerhalb eines Unternehmens unterschiedlich ausgeprägt sein. Neubauten reagieren stärker auf die Konjunktur als Renovationen oder Wartungsarbeiten. Unternehmen mit einem bedeutenden Servicegeschäft verfügen deshalb häufig über stabilere Einnahmen als reine Hersteller von Produkten für den Neubau.

Halbleiterzulieferindustrie

Die Halbleiterindustrie ist für ausgeprägte Investitionszyklen bekannt. Bei einer hohen Nachfrage nach Chips bauen die Hersteller ihre Produktionskapazitäten aus. Davon profitieren Zulieferer von Maschinen, Vakuumventilen und anderen spezialisierten Komponenten.

Entstehen Überkapazitäten oder schwächt sich die Nachfrage ab, können Investitionsbudgets jedoch rasch gekürzt werden. Die Umsätze und Auftragseingänge der Zulieferer schwanken deshalb teilweise erheblich. Langfristige Wachstumstrends wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz beseitigen diese Zyklen nicht zwangsläufig.

Transport und Logistik

Logistikunternehmen sind eng mit dem Welthandel verbunden. Werden mehr Güter produziert und international gehandelt, steigt auch das Transportvolumen. In einer wirtschaftlichen Abschwächung sinkt die Nachfrage nach Luft- und Seefracht dagegen.

Neben den transportierten Mengen spielen die Frachtraten eine wichtige Rolle. Kapazitätsengpässe, Lieferkettenprobleme oder geopolitische Ereignisse führen zu starken Schwankungen. Hohe Frachtraten steigern die Erträge vorübergehend, sind aber nicht von Dauer.

Uhren- und Luxusgüterindustrie

Uhren, Schmuck und andere Luxusgüter gehören nicht zum lebensnotwendigen Konsum. Ihre Nachfrage hängt unter anderem vom Konsumklima, der Vermögensentwicklung, dem Tourismus und der wirtschaftlichen Lage wichtiger Absatzmärkte ab. Für Schweizer Anbieter sind insbesondere China, die USA, Europa und asiatische Märkte von Bedeutung.

Die Hersteller sind allerdings nicht alle gleich stark betroffen. Sehr exklusive Marken mit knapper Produktion und wohlhabender Kundschaft sind widerstandsfähiger als Anbieter in mittleren Preissegmenten. Auch die geografische Verteilung, Markenstärke und Abhängigkeit vom Detailhandel beeinflussen die Zyklizität.

Rolex ist ein bekanntes Beispiel aus der Schweizer Luxusuhrenindustrie, kann aber nicht als Aktie gekauft werden. Das Unternehmen ist nicht börsenkotiert. Börsenkotierte Schweizer Unternehmen in diesem Bereich sind Richemont und die Swatch Group.

Personaldienstleistungen

Personaldienstleister reagieren früh auf Veränderungen am Arbeitsmarkt. Bei steigender Nachfrage stellen Unternehmen zunächst vermehrt temporäre Arbeitskräfte ein, bevor sie dauerhafte Stellen schaffen. Kühlt sich die Wirtschaft ab, werden temporäre Stellen rasch reduziert.

Die Entwicklung der geleisteten Arbeitsstunden, die Nachfrage nach temporärem Personal und die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen liefern deshalb Hinweise auf die weitere Geschäftsentwicklung.

Beispiele für zyklische Schweizer Aktien

Die folgende Tabelle zeigt börsenkotierte Schweizer Unternehmen aus den zuvor beschriebenen zyklischen Branchen. Die Einordnung ist qualitativ zu verstehen. Konjunkturabhängigkeit lässt sich nicht auf eine unveränderliche Kennzahl reduzieren, und einzelne Geschäftsbereiche können stabiler sein als andere.

UnternehmenBrancheWovon hängt das Geschäft besonders ab?Zyklizität
ABBMaschinen-, Elektro- und MetallindustrieIndustrieinvestitionen, Elektrifizierung und Automationhoch
OerlikonMaschinen-, Elektro- und MetallindustrieInvestitionen und Produktion in der Luftfahrt-, Automobil-, Energie- und Halbleiterindustriehoch
Georg FischerMaschinen-, Elektro- und MetallindustrieIndustrieproduktion, Automobilindustrie und Bautätigkeithoch
HolcimBauwirtschaft und baunahe UnternehmenHochbau, Tiefbau und Infrastrukturinvestitionenhoch
SikaBauwirtschaft und baunahe UnternehmenNeubauten, Renovationen und Infrastrukturprojektemittel bis hoch
SchindlerBauwirtschaft und baunahe UnternehmenNeubautätigkeit; Wartung und Service wirken stabilisierendmittel
VAT GroupHalbleiterzulieferindustrieInvestitionen der Halbleiterhersteller in Produktionskapazitätensehr hoch
Kühne+NagelTransport und LogistikWelthandel, Transportvolumen und Frachtratenhoch
RichemontUhren- und LuxusgüterindustrieKonsumklima, Vermögensentwicklung und Nachfrage in wichtigen Absatzmärktenmittel bis hoch
Swatch GroupUhren- und LuxusgüterindustrieKonsumklima, Tourismus, Wechselkurse und Nachfrage aus Asienhoch
AdeccoPersonaldienstleistungenArbeitsmarkt und Nachfrage nach temporären Arbeitskräftenhoch

Die Tabelle ist keine Rangliste. Eine hohe Zyklizität bedeutet weder automatisch eine hohe Rendite noch eine schlechte Unternehmensqualität. Sie zeigt lediglich, dass Umsatz und Gewinn besonders empfindlich auf Veränderungen des wirtschaftlichen oder branchenspezifischen Umfelds reagieren können.

Zyklische und defensive Aktien im Vergleich

Zyklische Aktien bilden den Gegenpol zu defensiven Aktien. Die Übergänge sind jedoch fliessend. Ein Unternehmen kann zyklische und defensive Geschäftsbereiche miteinander verbinden.

MerkmalZyklische AktienDefensive Aktien
Nachfragestark von der Wirtschaftslage abhängigvergleichsweise stabil
Umsatz und Gewinnkönnen erheblich schwankenentwickeln sich häufig beständiger
Im Aufschwungoft überdurchschnittliches Gewinnwachstummeist geringere zusätzliche Dynamik
Im Abschwungstarke Gewinn- und Kursrückgängevergleichsweise stabile Umsätze und Gewinne
Typische Schweizer BranchenIndustrie, Bau, Halbleiterzulieferer, Logistik, Uhren und PersonaldienstleistungenNahrungsmittel, Pharma und Telekommunikation
Bewertungkann am Gewinnhoch täuschend günstig erscheinenfür höhere Stabilität wird häufig eine Bewertungsprämie bezahlt
Wichtige FaktorenKonjunktur, Auftragseingang, Auslastung und InvestitionenMarktstellung, Margen, Preissetzungsmacht und stetige Nachfrage

Warum ein tiefes KGV bei zyklischen Aktien täuschen kann

Bei der Bewertung zyklischer Aktien ist besondere Vorsicht geboten. Ein tiefes Kurs-Gewinn-Verhältnis erscheint auf den ersten Blick attraktiv, kann aber genau am Höhepunkt des Zyklus auftreten.

Wenn Fabriken voll ausgelastet sind, die Nachfrage hoch ist und das Unternehmen Rekordgewinne erzielt, fällt das KGV rechnerisch niedrig aus. Der Aktienkurs wird dabei durch einen aussergewöhnlich hohen Jahresgewinn geteilt. Beginnt sich die Konjunktur abzuschwächen, kann der Gewinn deutlich sinken. Die vermeintlich günstige Aktie war dann möglicherweise teurer, als sie aussah.

Am Tiefpunkt des Zyklus kann das Gegenteil gelten. Der Aktienkurs ist gefallen, doch der Gewinn ist noch stärker eingebrochen oder vorübergehend ganz verschwunden. Das KGV ist dann sehr hoch oder gar nicht sinnvoll berechenbar. Trotzdem kann das Unternehmen vor einer Erholung stehen.

Bei zyklischen Unternehmen sollten Anleger deshalb nicht nur das Ergebnis eines einzelnen Jahres betrachten. Aussagekräftiger ist die durchschnittliche, um Sondereffekte bereinigte Ertragskraft über einen vollständigen Konjunkturzyklus. Wichtig sind ausserdem die Margen während verschiedener Konjunkturphasen, der freie Cashflow und die Verschuldung.

Welche Kennzahlen sind bei zyklischen Aktien wichtig?

Neben den klassischen Bewertungskennzahlen verdienen bei zyklischen Unternehmen weitere Faktoren besondere Aufmerksamkeit:

  • Auftragseingang: Er zeigt, wie viele neue Bestellungen ein Unternehmen erhält und kann eine Veränderung der Nachfrage früh sichtbar machen.
  • Auftragsbestand: Ein hoher Bestand kann eine vorübergehende Abschwächung abfedern, garantiert aber keine dauerhafte Auslastung.
  • Organisches Wachstum: Es zeigt, wie sich das bestehende Geschäft ohne den Einfluss von Übernahmen, Verkäufen und teilweise Wechselkursen entwickelt.
  • Operative Marge: Sie verdeutlicht, wie stark steigende oder fallende Umsätze auf die Profitabilität durchschlagen.
  • Freier Cashflow: Ein ausgewiesener Gewinn ist wenig wert, wenn daraus langfristig kein ausreichender Geldzufluss entsteht.
  • Verschuldung: Hohe Schulden können während eines Abschwungs problematisch werden, besonders wenn gleichzeitig Zinsen und Refinanzierungskosten steigen.
  • Lagerbestände: Steigende Lager können auf eine nachlassende Nachfrage oder Überproduktion hindeuten.
  • Regionale Abhängigkeiten: Schweizer Unternehmen sind häufig international tätig und deshalb nicht nur von der Schweizer Konjunktur abhängig.

Auch Wechselkurse spielen eine wichtige Rolle. Viele Schweizer Unternehmen erzielen einen grossen Teil ihrer Einnahmen in Euro, US-Dollar oder asiatischen Währungen, weisen ihre Ergebnisse aber in Schweizer Franken aus. Ein starker Franken kann die umgerechneten Umsätze und Gewinne belasten, selbst wenn die Nachfrage im Ausland stabil bleibt.

Welche Chancen bieten zyklische Schweizer Aktien?

In einer wirtschaftlichen Erholung profitieren zyklische Unternehmen überproportional. Die steigende Nachfrage verbessert die Auslastung bestehender Kapazitäten. Zusätzliche Umsätze bewirken dadurch einen überdurchschnittlichen Gewinnanstieg.

Nach einem starken Abschwung ergeben sich häufig attraktive Bewertungen. Entscheidend ist, dass das Unternehmen finanziell solide aufgestellt ist und der Rückgang konjunkturelle statt strukturelle Ursachen hat.

Zyklische Unternehmen profitieren zudem von langfristigen Wachstumstrends. ABB etwa von Elektrifizierung, Automation und dem durch künstliche Intelligenz beschleunigten Ausbau von Rechenzentren, Sika von Sanierungen und Infrastrukturinvestitionen und VAT Group vom steigenden Bedarf an Halbleitern. Diese Entwicklungen stützen das Wachstum über mehrere Konjunkturzyklen, beseitigen die konjunkturellen Schwankungen jedoch nicht.

Welche Risiken bestehen?

Die grösste Schwierigkeit liegt im richtigen Timing. Konjunkturzyklen lassen sich erst im Nachhinein eindeutig bestimmen. Aktienmärkte nehmen erwartete Entwicklungen vorweg, weshalb ein Einstieg nach bestätigten Rekordzahlen bereits spät ist.

Hinzu kommt die Gefahr, einen strukturellen Niedergang mit einem vorübergehenden Konjunkturtief zu verwechseln. Verändert eine neue Technologie dauerhaft den Markt, verliert ein Unternehmen Marktanteile oder gerät eine Branche langfristig unter Druck, führt eine wirtschaftliche Erholung nicht automatisch zu früheren Gewinnen zurück.

Weitere Risiken sind:

  • starke Schwankungen von Umsatz, Gewinn und Aktienkurs;
  • Überkapazitäten nach einer Phase hoher Investitionen;
  • steigende Rohstoff-, Energie- oder Finanzierungskosten;
  • Abhängigkeit von einzelnen Ländern oder Kundengruppen;
  • Währungsrisiken aufgrund des starken Schweizer Frankens;
  • Dividendenkürzungen während eines längeren Abschwungs;
  • Übernahmen am Höhepunkt des Zyklus zu überhöhten Preisen.

Sind zyklische Aktien auch Dividendenaktien?

Auch zyklische Unternehmen zahlen attraktive Dividenden. Eine hohe Dividendenrendite bedeutet jedoch nicht, dass die Ausschüttung langfristig gesichert ist. Sinkt der Gewinn in einem Abschwung deutlich, steigt das Risiko einer Dividendenkürzung.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn die hohe Dividendenrendite hauptsächlich durch einen starken Kursrückgang entstanden ist. Anleger sollten die Dividende je Aktie mit dem Gewinn je Aktie – den Earnings per Share (EPS) – vergleichen. Daraus ergibt sich die Ausschüttungsquote. Je grösser der ausgeschüttete Anteil des Gewinns ist, desto kleiner ist der finanzielle Spielraum bei einem Gewinneinbruch.

Bei zyklischen Unternehmen sollte die Ausschüttungsquote über mehrere Jahre und verschiedene Konjunkturphasen betrachtet werden. Wichtig sind ausserdem die Deckung der Dividende durch den freien Cashflow, die Nettoverschuldung im Verhältnis zum EBITDA sowie die Frage, ob das Unternehmen seine Ausschüttung während früherer Abschwünge halten konnte.

Ausführlicher behandelt der Artikel Dividendenaktien: Warum die Schweiz für Dividendenanleger interessant ist die Chancen und Risiken hoher Ausschüttungen.

Fazit: Bei zyklischen Aktien zählt der gesamte Zyklus

Zyklische Schweizer Aktien ermöglichen Anlegern, an einer wirtschaftlichen Erholung, steigenden Investitionen und einem wachsenden Welthandel teilzunehmen. Unternehmen wie ABB, Holcim, Sika, VAT Group, Kühne+Nagel, Richemont, Swatch Group oder Adecco reagieren jedoch auf unterschiedliche Konjunktur- und Branchenzyklen.

Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob ein Unternehmen grundsätzlich hochwertig ist. Anleger müssen auch beurteilen, wie stark seine Gewinne schwanken, wie solide die Bilanz ist und ob der Aktienkurs bereits eine Erholung vorwegnimmt.

Ein tiefes KGV kann am Höhepunkt des Zyklus täuschen, während eine scheinbar teure Aktie am Tiefpunkt möglicherweise bereits vor einer Erholung steht. Wer zyklische Aktien beurteilt, sollte daher nicht nur ein einzelnes Geschäftsjahr betrachten, sondern möglichst die Entwicklung von Umsatz, Gewinn, Margen, Cashflow und Verschuldung über einen gesamten Konjunkturzyklus.

Zyklische und defensive Aktien müssen sich dabei nicht gegenseitig ausschliessen. In einem breit aufgestellten Portfolio können defensive Unternehmen für Stabilität sorgen, während ausgewählte zyklische Aktien zusätzliches Kurspotenzial in wirtschaftlichen Erholungsphasen bieten.

Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf einzelner Wertpapiere dar. Aktienanlagen sind mit Risiken verbunden und können zu Verlusten führen.

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