Trumps Dieseldeal mit Putin: Wahlkampf zulasten der Ukraine

Donald Trump will mit russischem Diesel die Treibstoffpreise senken und fordert einen neuen Präsidenten für die Ukraine. Dahinter steht ein amerikanischer Präsident unter innenpolitischem Druck. Doch ob Putin genügend liefern kann, ist offen. Die geopolitischen Zugeständnisse an Russland sind bereits greifbar.

Am 9. Oktober 2026 kündigte Donald Trump nach einem Gespräch mit Wladimir Putin zusätzliche russische Diesellieferungen an. Einen Tag später erklärte er, die Ukraine brauche einen neuen Präsidenten, der einen Deal abschliessen könne. Zugleich verlangte er ein Ende ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien.

Diese Entscheidungen gehören politisch zusammen: Trump sucht Entlastung bei den Energiepreisen. Putin erhält neue Absatzmöglichkeiten. Selenskyj soll eine militärische Strategie aufgeben, die Russlands Treibstoffversorgung und Exportmöglichkeiten unter Druck setzt.

Die Midterms setzen Trump unter Druck

Der Hintergrund dieser Strategie ist offensichtlich. Am 3. November wählen die Amerikaner den Kongress. Für Trumps Republikaner sind die Lebenshaltungskosten ein erhebliches Problem. In einer am 9. Oktober veröffentlichten Reuters/Ipsos-Umfrage machten 78 Prozent der Befragten Trumps Politik für steigende Preise mitverantwortlich. Selbst unter Republikanern sagten 57 Prozent, die Kosten stiegen schneller als ihre Einkommen.

Diesel betrifft dabei weit mehr als Autofahrer. Landwirtschaft und Transportwirtschaft benötigen den Treibstoff. Höhere Transportkosten können sich zudem in den Preisen anderer Güter niederschlagen.

Ein Präsident, der sinkende Preise versprochen hat, braucht kurz vor der Wahl sichtbare Ergebnisse. Mit dem Dieseldeal will er die Treibstoffpreise drücken und die Wahlchancen seiner Republikaner verbessern. Sein kurzfristiges innenpolitisches Interesse bestimmt damit seinen Kurs gegenüber Russland und der Ukraine.

Der Iran-Krieg hat das Energieproblem verschärft

Trump schiebt die Verantwortung für hohe Dieselpreise der Ukraine und ihren Raffinerieangriffen zu. Dabei hat er mit seinem eigenen Krieg gegen den Iran die Energiekrise erheblich verschärft. Am 28. Februar 2026 griffen die USA auf seinen Befehl gemeinsam mit Israel den Iran an. Der Krieg hat die Energieversorgung im Nahen Osten und wichtige Transportwege erheblich gestört und damit die Treibstoffpreise nach oben getrieben.

Nach Reuters-Angaben vom 9. Oktober lagen die amerikanischen Dieselpreise rund 70 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn. Jetzt versucht Trump, die wirtschaftlichen Folgen seiner missglückten Aussenpolitik mit russischem Diesel abzufedern. Dafür kehrt er seinen Sanktionskurs innerhalb weniger Wochen um.

Erst am 18. September unterzeichnete Trump ein Gesetz zur Verschärfung der Sanktionen gegen Russland. Nur drei Wochen später lockert seine Regierung die Beschränkungen für russischen Diesel. Sein erratischer Kurs hat damit konkrete Folgen: Um den Preisdruck vor den Midterms zu mindern, verschafft er dem Angreifer wirtschaftliche Entlastung und setzt die angegriffene Ukraine unter Druck. Solche Kurswechsel untergraben das Vertrauen der Verbündeten in amerikanische Zusagen.

Was Putin liefern soll

Trump kündigte zunächst mehr als 300’000 Tonnen Diesel an, im November weitere 500’000 Tonnen und anschliessend eine Million Tonnen. Darüber hinaus stellte er zusätzliche Lieferungen in Aussicht, abhängig vom Zustand der russischen Raffinerien.

Die ersten drei angekündigten Lieferungen ergeben zusammen rund 1,8 Millionen Tonnen. Gemessen am US-Verbrauch im Vierwochendurchschnitt bis zum 2. Oktober 2026 entspricht das rechnerisch nur etwa dreieinhalb Tagen Bedarf an Diesel und anderen Destillatkraftstoffen. Zudem sollen die Mengen über mehrere Monate auf den amerikanischen und weltweiten Markt gelangen. Sie können die Versorgung etwas entlasten, sind aber keine belastbare Grundlage für Trumps Versprechen einer schnellen und massiven Preissenkung.

Die amerikanische Sanktionsbehörde OFAC erteilte dafür am 9. Oktober eine befristete Genehmigung. Sie erlaubt bestimmte Geschäfte im Zusammenhang mit Verkauf, Lieferung und Einfuhr russischen Diesels bis zum 7. April 2027. Es handelt sich um eine konkrete Ausnahme für Diesel, nicht um die vollständige Aufhebung sämtlicher Russland-Sanktionen.

Kann Russland überhaupt genug liefern?

Russland braucht Diesel auch für seine eigene Kriegsmaschine: für Militärfahrzeuge, Transporte und Generatoren. Gleichzeitig beeinträchtigen ukrainische Angriffe auf Raffinerien die Produktion. Um die Versorgung im eigenen Land zu sichern, verhängte Russland selbst einen Exportstopp. Am 10. Oktober erlaubte die Regierung zunächst wieder die Ausfuhr von 500’000 Tonnen. Ukrainska Pravda berichtete darüber unter Berufung auf die russische Regierungsmitteilung.

Eine Exportfreigabe ist jedoch noch keine Lieferung. Verträge müssen abgeschlossen, Schiffe beladen und die Mengen zu ihren Abnehmern transportiert werden. Vorhandene Lagerbestände können eine erste Lieferung ermöglichen, ohne dass Russland dieselbe Menge dauerhaft zusätzlich produzieren kann.

Entscheidend ist deshalb, wie viel nach der Versorgung von Militär, Wirtschaft und Bevölkerung tatsächlich für zusätzliche Exporte übrig bleibt. Der eigene Exportstopp zeigt, dass Russland seine Lieferfähigkeit selbst eingeschränkt hat. Trumps Ankündigung beseitigt weder beschädigte Raffinerien noch den russischen Eigenbedarf.

Sinkende Börsenpreise sind noch keine Entlastung an der Zapfsäule

Zusätzliches Angebot kann einen angespannten Markt entlasten. Für eine dauerhafte Preissenkung müssen die Mengen aber gross genug sein und über einen ausreichend langen Zeitraum fliessen. Werden bestehende Lieferungen lediglich zu anderen Käufern umgeleitet, wächst das weltweite Angebot kaum.

Trump hofft darauf, dass die blosse Ankündigung eines Deals die Preise bewegt. Auf ähnliche Weise hat er schon Kurse von Kryptowährungen bewegt. Händler reagieren auf erwartete Lieferungen, bevor der erste Tanker ankommt. Einen dauerhaften Nutzen für amerikanische Verbraucher gibt es damit noch nicht.

Es ist unwahrscheinlich, dass Trumps Verrat an der Ukraine mit diesem russischen Blutdeal die US-Dieselpreise nachhaltig senkt. Putin erhält wirtschaftliche Entlastung, während die Ukraine unter Druck gerät. Ein dauerhafter Nutzen für amerikanische Verbraucher ist dagegen nicht absehbar.

Trump fordert einen Führungswechsel in Kiew

Am 10. Oktober sagte Trump laut Reuters, es sei Zeit für einen neuen ukrainischen Präsidenten. Seine Äusserung zielte auf die Ablösung Selenskyjs. Zugleich kritisierte er die ukrainischen Angriffe auf russische Energieanlagen.

Trump sieht in diesen Angriffen ein Hindernis für sein Versprechen sinkender Dieselpreise vor den Midterms. Doch seine Forderung nach einem Führungswechsel ergibt zeitlich keinen Sinn: Zwischen dem 12. Oktober und den amerikanischen Wahlen am 3. November liegen gerade einmal drei Wochen. Unter dem geltenden Kriegsrecht sind Wahlen in der Ukraine zudem untersagt. Selenskyj hat dafür eine vollständige Waffenruhe von mindestens 60 Tagen verlangt.

Selbst eine Wahl würde Trump keinen gefügigen Präsidenten garantieren. Selenskyj könnte wiedergewählt werden. Ebenso könnte ein Nachfolger den bisherigen Verteidigungskurs fortsetzen. Die ukrainischen Interessen verschwinden nicht mit einem Wechsel an der Staatsspitze.

Die Forderung wirkt deshalb eher wie eine persönliche Strafaktion gegen einen Präsidenten, der Trump wiederholt widersprochen hat. Sie lässt sich als Ausdruck seiner narzisstischen Kränkbarkeit lesen: Wer seinen Vorstellungen nicht folgt, soll weichen. Eine schlüssige Strategie für niedrigere Dieselpreise oder ein Ende des Kriegs ist darin nicht erkennbar.

Das ist eine Einmischung in die politische Selbstbestimmung eines angegriffenen Landes. Wer die Ukraine führt, entscheiden die Ukrainer. Trump fordert Selenskyjs Ablösung, während die entscheidende Frage unbeantwortet bleibt: Welche überprüfbaren Zugeständnisse macht Russland?

Die Ukraine soll nach Trumps Vorstellung auf einen Hebel verzichten, der dem Angreifer wirtschaftlich und logistisch schadet. Damit verschiebt sich der Druck von Moskau nach Kiew.

Waffenruhe nicht bestätigt

Am 11. Oktober behauptete Trump, Russland und die Ukraine hätten einer sofortigen «Energie-Waffenruhe» zugestimmt. Auch das Weisse Haus verbreitete diese Behauptung auf X. Dahinter dürfte Trumps Verzweiflung vor den Midterms stehen: Er versucht, mit Ankündigungen den Dieselpreis zu beeinflussen. Laut Reuters gab es aber zunächst keine entsprechende Bestätigung aus Moskau. Selenskyj wartete auf Einzelheiten. Die Nachrichtenagentur berichtete zudem unter Berufung auf eine informierte Quelle über amerikanische Drohungen, Geheimdiensthilfe und die Beschaffung amerikanischer Waffen für die Ukraine einzuschränken.

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump eine Einigung als abgeschlossen darstellt, ohne dass sie von beiden Seiten bestätigt wird. Bereits am 14. September hatte er eine Energie-Waffenruhe verkündet. Eine entsprechende Vereinbarung wurde damals nicht bestätigt, und die Angriffe gingen weiter. Das beschädigt die Glaubwürdigkeit seiner Ankündigungen.

Am 12. Oktober berichtete Associated Press über weitere russische Angriffe auf Energieanlagen. Selenskyj erklärte sich zu einem Verzicht auf Raffinerieangriffe bereit, wenn Russland seinerseits die Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung beendet.

Eine gegenseitige Einstellung solcher Angriffe könnte Menschen vor Strom- und Heizungsausfällen schützen. Dafür braucht es klare Regeln, einen vereinbarten Beginn und eine überprüfbare Umsetzung. Einseitige Zurückhaltung der Ukraine wäre etwas anderes: Sie würde russische Raffinerien entlasten, ohne ukrainische Kraftwerke zuverlässig zu schützen.

Was das für Europa und die Schweiz bedeutet

Deutschland erklärte am 10. Oktober, an den Russland-Sanktionen festzuhalten und mit europäischen Partnern an weiteren Massnahmen zu arbeiten. Auch die Unterstützung für die Ukraine bleibe bestehen. Das berichtete Reuters.

Der Konflikt zeigt eine strategische Schwäche Europas: Solange zentrale militärische Fähigkeiten von Washington abhängen, kann amerikanischer innenpolitischer Druck unmittelbar auf die europäische Sicherheit durchschlagen. Mehr eigene Verteidigungsproduktion, Aufklärung und Luftverteidigung würden Europas Handlungsspielraum erweitern.

Auch die Schweiz ist betroffen. Sie liegt innerhalb des europäischen Sicherheitsraums und ist wirtschaftlich eng mit ihren Nachbarn verbunden. Eine schwächere Ukraine, neue russische Einnahmen und unzuverlässige amerikanische Zusagen lassen sich nicht durch Neutralität ausblenden.

Trump verspricht seinen Wählern billigeren Diesel. Putin erhält dafür neue wirtschaftliche Möglichkeiten, während die Ukraine unter zusätzlichen Druck gerät. Ob der Treibstoffdeal sein Preisversprechen erfüllt, ist fraglich. Sicherheitspolitisch schwächt Trumps Deal den Westen und erhöht die Risiken für Europas Sicherheit.

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