Wie funktioniert die Proporzwahl?

Von Alexander Müller veröffentlicht am 31. Mai 2011 | 8.555 mal gesehen

In Kantonen mit mehreren Nationalratssitzen werden die Wahlen nach dem Proporzwahlverfahren durchgeführt. Der Wähler hat so viele Stimmen wie sein Kanton Nationalratssitze hat. Die Anzahl der Nationalratssitze pro Kanton werden nach einem Verteilungsverfahren entsprechend der Wohn-bevölkerung eines Kantons zugeteilt. Dabei werden die Einwohner der Schweiz durch die 200 zu verteilenden Nationalratssitze geteilt und anschliessend entsprechend der Anzahl Einwohner pro Kanton den jeweiligen Kantonen zugeteilt. Wobei jeder Kanton mindestens einen Nationalratssitz erhält.

Die Wähler erhalten mehrere vorgedruckte Wahlzettel auf denen sich die von den Parteien vorgeschlagenen Kandidatenlisten befinden sowie einen leeren Wahlzettel auf dem kein Name steht. Es gibt auch Listenverbindungen verschiedener Parteien oder zwischen verschiedener Listen einer Partei.  Mit Listenverbindungen steigt wegen der besseren Ausnutzung von Reststimmen die Chance auf einen zusätzlichen gemeinsamen Sitz.

 Die Wähler haben bei der Wahl fünf Möglichkeiten:

1. Sie nehmen den Stimmzettel mit der Kandidatenliste, der von Ihnen bevorzugten Partei und stecken diesen unverändert in das dafür vorgesehene Stimmkuvert.

2. Sie streichen auf einer vorgedruckten Liste den Namen eines oder mehrerer Kandidaten, die Sie nicht wählen wollen. Die Liste muss aber mindestens noch einen Namen eines Kandidaten enthalten.

3. Sie können panaschieren. Dazu nehmen Sie eine vorgedruckte Liste und streichen Kandidaten, die Sie nicht wählen wollen durch und ersetzen diese durch Kandidaten einer anderen Liste.

4. Sie können kumulieren. Dazu nehmen Sie eine vorgedruckte Liste und streichen Kandidaten, die Sie nicht wählen wollen durch und schreiben einen Namen, der bereits einmal auf der Liste steht ein zweites Mal hin. Damit erhöhen Sie die Wahlchancen des Kandidaten, dessen Namen Sie ein zweites Mal auf die Liste schreiben. Aber Achtung, auf einigen Listen sind einzelne Namen bereits zweimal aufgeführt. Diese können Sie nicht ein drittes Mal hinschreiben! Achten Sie auch darauf, dass Sie die Namen der Kandidaten jeweils komplett ausschreiben. Abkürzungen und Hinweise mit Gänsefüsschen etc. sind ungültig!

5. Sie haben die Möglichkeit anstelle eines vorgedruckten Wahlzettels, auf dem die von den Parteien vorgeschlagenen Listen stehen, einen leeren Stimmzettel auszufüllen. Diesen können Sie mit den Kandidaten Ihrer Wahl ausfüllen. Dabei müssen Sie allerdings beachten, dass Sie lediglich aus den Kandidaten auswählen können, die auf anderen Listen stehen. Zudem können Sie nur so viele Kandidaten auf die Liste schreiben wie ihr Kanton Nationalratssitze hat.

Nach der Wahl werden die Wählerstimmen, die eine Partei erhalten hat ausgezählt um die Parteistärke zu ermitteln. Je mehr Stimmen eine Partei erhalten hat, desto stärker ist sie. Nach der Auszählung werden die Nationalratssitze eines Kantons proportional zu den Wählerstimmen, die eine Partei in diesem Kanton erhalten hat, den Parteien zugeteilt.

Direkte Bundesratswahlen: Proporzsystem ist besser

Von Alexander Müller veröffentlicht am 30. Juni 2009 | 7.378 mal gesehen

Angesichts des geringen Ansehens der Bundesräte und den Ränkespielchen der Bundesparlamentarier bei Bundesratswahlen, wird im Volk der Ruf nach direkten Bundesratswahlen immer lauter. Man kann davon ausgehen, dass direkt demokratisch legitimierte Bundesräte besser im Volk verankert sein dürften als es gegenwärtig bei den von den Volksvertretern gewählten Bundesräten der Fall ist. Man sollte sich allerdings darüber Gedanken machen wie man bei direkten Bundesratswahlen eine Amerikanisierung der Wahlen vermeiden könnte und zugleich sicherstellen könnte, dass die wichtigsten Kräfte des Landes gemäss ihrem Wähleranteil im Bundesrat vertreten sind (arithmetische Konkordanz).

Aufgrund dieser Überlegung (Amerikanisierung vermeiden und Konkordanz wahren) kommt aus meiner Sicht bei einer direkten Bundesratswahl nur eine Proporzwahl (Verhältniswahl) in Frage. Denn bei einer Majorzwahl müsste zum einen mit einer Amerikanisierung des Wahlsystems gerechnet werden und zum anderen könnte eine Einbindung der politischen Kräfte entsprechend ihrer Wählerstärke im Bundesrat (arithmetische Konkordanz) nicht gewährleistet werden. Direkte Bundesratswahlen: Proporzsystem ist besser weiterlesen

Direkte Bundesratswahlen

Von Alexander Müller veröffentlicht am 11. April 2009 | 3.389 mal gesehen

Direkte Bundesratswahlen sind machbar. Sogar das Konkordanzsystem könnte trotz direkter Bundesratswahlen weiterhin beibehalten werden.

Die Bundesräte müssten via Proporzwahl (Parteistärke steht im Vordergrund) gewählt werden. Das würde wie folgt funktionieren:

Bei den Gesamterneuerungswahlen von National- und Ständerat (findet wie die Bundesratswahlen alle vier Jahre statt) müssten die Parteien neben den National- und Ständerratskandidaten auch ihre Bundesratskandidaten aufstellen.

Die Bundesratskandidaten würden dann nach einem ausgeklügelten System (ähnlich wie beim Nationalrat) entsprechend der Stärke ihrer Partei in den Bundesrat einziehen. Das heisst man schaut zuerst anhand der Parteistärke wieviele Kandidaten die jeweilige Partei zu gut hat und dann bekommt von dieser Partei jener Bundesratskandidat, der die meisten Stimmen erhalten hat den Sitz im Bundesrat. Wenn die Partei zwei Sitze zu gut hat, bekommt der Kandidat, der am zweitmeisten Stimmen erhalten hat den zweiten Sitz usw.

Sinnvoll wäre noch eine 13% Klausel, die besagt, dass Parteien mit einem Wähleranteil von weniger als 13% keinen Anspruch auf einen Bundesratssitz haben. Somit würden die 7 Bundesratssitze unter den Parteien mit mehr als 13% Wähleranteil verteilt. Direkte Bundesratswahlen weiterlesen