Google verliert für unabhängige Websites an Bedeutung

Google dominiert den Suchmaschinenmarkt und entscheidet mit seinen Algorithmen massgeblich darüber, welche Informationen im Internet sichtbar werden. Seit den Ranking-Änderungen ab 2023 haben insbesondere kleinere Websites und unabhängige Publikationen an Sichtbarkeit verloren. Etablierte Medien, Behörden und grosse Plattformen dominieren zahlreiche Suchergebnisse.

Das betrifft nicht nur Website-Betreiber, sondern auch die Nutzer. Wie vielfältig ist das Informationsangebot einer Suchmaschine noch, wenn unabhängige Stimmen zunehmend aus dem Blickfeld verschwinden? Eine Informationsmonokultur beeinträchtigt die politische Meinungsbildung und damit die Demokratie.

Googles Ranking-Änderungen seit 2023

Mit dem Helpful Content Update vom September 2023 wollte Google Inhalte zurückdrängen, die hauptsächlich für Suchmaschinen statt für Leser erstellt werden. Ein sinnvoller Ansatz. Im März 2024 integrierte Google dieses System in seine zentralen Rankingsysteme. Bei der Platzierung der Suchergebnisse berücksichtigt Google jedoch neben der Qualität einzelner Inhalte auch die Reputation, Verlinkungen und Autorität einer Website.

Davon profitieren etablierte Medienhäuser und grosse Plattformen mit starken Netzwerken. Sie zitieren und verlinken sich gegenseitig und stärken damit ihre digitale Präsenz. Unabhängige Publikationen verfügen selten über vergleichbare Netzwerke. Eine hohe Domain-Reputation ist jedoch kein Beweis für hochwertige Inhalte.

Googles Rankingsysteme berücksichtigen sowohl seitenbezogene als auch websiteweite Autoritätssignale. Dadurch werden etablierte Anbieter begünstigt und die Konzentration der Sichtbarkeit verstärkt. Das fördert den medialen Mainstream zulasten unabhängiger Publikationen und der Informationsvielfalt.

Informationsangebote verlieren Besucher von Suchmaschinen

Internationale Untersuchungen zeigen, wie stark sich die Google-Suche verändert hat. Besonders betroffen sind Informationsangebote mit langfristig relevanten Inhalten sowie Websites, deren Besucher hauptsächlich über Suchmaschinen kommen.

QuelleDatengrundlageErgebnis
Define Media Group (2026)64 Websites mit unterschiedlichen Inhalten42 % weniger organische Suchklicks
Ahrefs (2026)300’000 untersuchte Suchbegriffe58 % niedrigere Klickrate auf Position 1 bei Suchanfragen mit KI-Antworten
Ahrefs (2025)55,8 Millionen KI-Antworten28,9 % aller Quellenverweise entfallen auf nur 50 Domains

Die Ergebnisse verdeutlichen zwei Entwicklungen: KI-generierte Antworten verringern die Zahl der Klicks auf externe Websites, während sich die Quellenverweise innerhalb dieser Antworten auf wenige Domains konzentrieren.

Für unabhängige Publikationen, die ausführliche Hintergrundanalysen, historische Recherchen und langfristig relevante Inhalte veröffentlichen, ist diese Entwicklung besonders problematisch. Sie sind darauf angewiesen, dass ihre Beiträge über Suchmaschinen gefunden werden.

Google dominiert den Schweizer Suchmaschinenmarkt

In der Schweiz besitzt Google weiterhin eine dominierende Marktstellung, verliert jedoch Marktanteile. Angesichts der Benachteiligung kleinerer und unabhängiger Publikationen durch Googles Rankingkriterien ist diese Entwicklung zu begrüssen. Während Google 2024 noch 88,9 % des Suchmaschinenmarktes kontrollierte, waren es gemäss StatCounter im September 2026 nur noch 80,19 %. Bing steigerte seinen Marktanteil im gleichen Zeitraum von 7,13 % auf 12,11 %.

SuchmaschineMarktanteil Schweiz, September 2026
Google80,19 %
Bing12,11 %
Yahoo2,56 %
DuckDuckGo1,73 %
Ecosia1,26 %

Google erreicht trotzdem noch einen mehr als sechsmal so hohen Marktanteil wie Bing. Für Website-Betreiber scheint es deshalb zunächst selbstverständlich, ihre Suchmaschinenoptimierung hauptsächlich auf Google auszurichten.

Doch für Website-Betreiber ist nicht der Marktanteil einer Suchmaschine entscheidend, sondern die Zahl der Besucher, die sie tatsächlich vermittelt. Deshalb lohnt es sich, die Suchmaschinenoptimierung stärker auf die Suchmaschinen auszurichten, die der eigenen Website die meisten Besucher bringen.

DailyTalk.ch: Bing liefert mehr Besucher als Google

Ein konkretes Beispiel liefert die Besucherstatistik meines unabhängigen Blogs DailyTalk.ch. Die aktuelle Monatsstatistik weist insgesamt 102 Aufrufe über Suchmaschinen aus. Dabei ergibt sich eine bemerkenswerte Verteilung:

Aktuelle Monatsstatistik

SuchmaschineAufrufeAnteil
Bing4443,1 %
Google2726,5 %
DuckDuckGo1716,7 %
Übrige Suchmaschinen1413,7 %
Total102100 %

Obwohl Google in der Schweiz einen Marktanteil von 80,19 % besitzt und Bing lediglich 12,11 % erreicht, vermittelt Bing meinem Blog deutlich mehr Besucher als Google. Mit 44 gegenüber 27 Aufrufen liegt Bing rund 63 % vor dem Marktführer.

Die Entwicklung deckt sich mit meinen Beobachtungen: Meine Artikel erreichen bei Bing bessere Platzierungen als bei Google, insbesondere bei historischen und gesellschaftspolitischen Themen.

Suchmaschinenaufrufe im Dreijahresvergleich

Auch langfristig spielt Bing für DailyTalk.ch eine bemerkenswert grosse Rolle. In den vergangenen drei Jahren wurden insgesamt 2’280 Suchmaschinenaufrufe registriert:

SuchmaschineAufrufeAnteil
Google1’21353,2 %
Bing66129,0 %
DuckDuckGo1797,9 %
Ecosia1014,4 %
Übrige Suchmaschinen1265,5 %
Total2’280100 %

Im Dreijahresvergleich vermittelte Bing bereits mehr als die Hälfte der Google-Aufrufe – trotz seines wesentlich geringeren Marktanteils. Die aktuelle Monatsstatistik zeigt nun eine weitere Verschiebung: Bing hat Google als wichtigste Suchmaschinen-Besucherquelle für DailyTalk.ch überholt.

Die Zahlen verdeutlichen: Die grösste Suchmaschine ist für eine einzelne Website nicht zwangsläufig die wichtigste Besucherquelle. Entscheidend ist, welche Suchmaschine die eigenen Inhalte tatsächlich sichtbar macht.

Wer entscheidet darüber, welche Informationen sichtbar werden?

Die gesellschaftliche Tragweite dieser Entwicklung wird häufig unterschätzt. Suchmaschinen sind längst nicht mehr bloss technische Hilfsmittel, um Dokumente im Internet zu finden. Sie übernehmen eine zentrale Funktion bei der Verteilung öffentlicher Aufmerksamkeit.

Wer bei Google auf der ersten Ergebnisseite erscheint, hat wesentlich bessere Chancen, gelesen zu werden. Wer dagegen weit hinten positioniert ist, bleibt für einen grossen Teil der Nutzer praktisch unsichtbar.

Dadurch beeinflussen die Rankingsysteme mittelbar, welche Veröffentlichungen Aufmerksamkeit erhalten, welche Argumente wahrgenommen werden und welche Informationsquellen sich dauerhaft etablieren können.

Die Lösung für Website-Betreiber liegt nicht in staatlichen Eingriffen oder zusätzlichen gesetzlichen Vorschriften, sondern im Wettbewerb. Wenn Google unabhängige Publikationen bei der Platzierung seiner Suchergebnisse benachteiligt, sollten Content-Anbieter darauf reagieren und ihre Suchmaschinenoptimierung verstärkt auf alternative Suchmaschinen ausrichten. Aufmerksame Nutzer werden feststellen, dass die verschiedenen Suchmaschinen unterschiedliche Ergebnisse liefern, und jene bevorzugen, die ihnen die besseren Resultate bieten. Davon profitieren sowohl die Website-Betreiber als auch die alternativen Suchmaschinen und die Nutzer, die an einer grösseren Informationsvielfalt interessiert sind.

Eine offene Informationsgesellschaft lebt nicht ausschliesslich von grossen Medienunternehmen, staatlichen Informationsportalen und etablierten Institutionen. Sie benötigt auch unabhängige Autoren, spezialisierte Blogs und kleinere Publikationen, die eigene Recherchen durchführen, andere Schwerpunkte setzen oder bestehende Darstellungen kritisch hinterfragen.

Sollten Website-Betreiber stärker auf Bing setzen?

Die Besucherzahlen von DailyTalk.ch zeigen, weshalb eine breitere Suchmaschinenstrategie sinnvoll ist. Bing liefert meinem Blog inzwischen mehr Besucher als Google, obwohl sein Marktanteil wesentlich geringer ist. Gleichzeitig gewinnt Bing in der Schweiz Marktanteile. Zudem greifen Suchmaschinen wie DuckDuckGo, Yahoo und Ecosia ganz oder teilweise auf die Suchtechnologie von Bing zurück und erhöhen damit dessen Bedeutung für die Sichtbarkeit von Websites. Für mich steht deshalb fest: Eine gute Suchmaschinenstrategie muss auch Bing berücksichtigen.

Fazit:

Marktmacht ist nicht gleich Relevanz, Bekanntheit ist nicht gleich Qualität und Bing sollte nicht unterschätzt werden.

Quellen und weiterführende Literatur

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