KI-Aktien im Überblick:
Unternehmen und Geschäftsmodelle

Künstliche Intelligenz verändert die Wirtschaft. Doch welche börsenkotierten Unternehmen verdienen mit KI Geld? Hinter dem Begriff «KI-Aktien» stehen sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle: Chipentwickler, Halbleiterhersteller, Betreiber von Rechenzentren, Cloud-Konzerne und Softwareanbieter. Hier finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Unternehmen und ihre Rolle in der KI-Industrie.

Wer in KI-Aktien investieren will, sollte zunächst verstehen, wie die Branche funktioniert. Denn ein Unternehmen, das leistungsfähige Prozessoren verkauft, ist wirtschaftlich anders aufgestellt als ein Cloud-Anbieter, der Rechenleistung vermietet, oder ein Softwarekonzern, der KI-Funktionen in bestehende Produkte integriert. Zudem ist nicht jedes Unternehmen, das künstliche Intelligenz einsetzt, automatisch ein bedeutender Anbieter von KI-Technologie.

Was sind KI-Aktien?

KI-Aktien sind Aktien von Unternehmen, die an der Entwicklung, Bereitstellung oder kommerziellen Nutzung künstlicher Intelligenz beteiligt sind. Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Manche Unternehmen erzielen einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen mit Produkten, die für KI-Systeme benötigt werden. Bei anderen ist KI lediglich ein zusätzlicher Bestandteil eines breiten Geschäftsmodells.

Das ist für Anleger entscheidend: Ein hoher Umsatz eines Technologiekonzerns ist nicht mit einem hohen KI-Umsatz gleichzusetzen. Auch die Tatsache, dass ein Unternehmen Milliarden in KI investiert, bedeutet nicht, dass diese Investitionen rentabel sind.

Die KI-Wertschöpfungskette: Wer liefert was?

Vereinfacht lässt sich die KI-Wirtschaft in mehrere miteinander verbundene Bereiche aufteilen. Chipentwickler entwerfen leistungsfähige Prozessoren, die von spezialisierten Halbleiterherstellern produziert werden. Hersteller von Produktionsanlagen liefern die dafür benötigten Maschinen. Weitere Unternehmen stellen die Stromversorgung und technische Infrastruktur für Rechenzentren bereit. Cloud-Anbieter vermieten Rechenleistung und KI-Dienste. Entwickler von KI-Modellen schaffen die technischen Grundlagen für Anwendungen. Softwareunternehmen verkaufen diese Anwendungen an Geschäftskunden und Privatpersonen.

BereichBörsenkotierte UnternehmenGeschäftsmodell
ChipentwicklungNvidia, AMD, BroadcomEntwicklung und Verkauf von Prozessoren und Spezialchips
HalbleiterfertigungTSMC, Samsung, IntelHerstellung von Halbleitern
Halbleiter-ProduktionsanlagenASML, Applied MaterialsEntwicklung und Verkauf von Maschinen für die Chipproduktion
Cloud und RechenleistungMicrosoft, Amazon, Alphabet, OracleVermietung von Rechenleistung, Plattformen und KI-Diensten
KI-Modelle und digitale PlattformenAlphabet, Meta, MicrosoftEntwicklung und Integration von KI-Modellen in Dienste und Produkte
UnternehmenssoftwarePalantir, SAP, Salesforce, Adobe, ServiceNowSoftwarelizenzen, Abonnemente und KI-gestützte Anwendungen
Elektrifizierung und KühlungABB, Schneider Electric, Vertiv, EatonStromversorgung, Energieverteilung und Kühlung von Rechenzentren
RechenzentrumsbetreiberEquinix, Digital RealtyBereitstellung und Vermietung von Rechenzentrumsflächen und Infrastruktur

Die Einteilung ist nicht trennscharf. Microsoft, Alphabet und Amazon betreiben beispielsweise eigene Rechenzentren, bieten Cloud-Dienste an und entwickeln teilweise eigene KI-Chips. Die einzelnen Stufen sind zudem wirtschaftlich voneinander abhängig.

1. Nvidia, AMD und Broadcom: Die Entwickler von KI-Chips

Nvidia: Prozessoren und ein umfassendes KI-Ökosystem

Nvidia gehört zu den bekanntesten Profiteuren des KI-Booms. Seine Grafikprozessoren (GPUs) eignen sich für die parallele Verarbeitung grosser Datenmengen und werden deshalb zum Training und zum Betrieb vieler KI-Modelle eingesetzt. Nvidia verkauft nicht nur Chips, sondern auch Netzwerktechnik, Systeme und Software. Das Software-Ökosystem rund um CUDA trägt dazu bei, Kunden an die eigene Technologie zu binden.

Das Geschäftsmodell hängt stark von den Investitionen grosser Rechenzentrumsbetreiber ab. Reduzieren diese ihre Ausgaben für Nvidia-Produkte oder setzen sie vermehrt auf eigene Chips, sinkt die Nachfrage nach Nvidia-Produkten.

AMD: Konkurrenz bei Prozessoren und KI-Beschleunigern

Advanced Micro Devices (AMD) entwickelt Prozessoren für PCs und Server sowie KI-Beschleuniger für Rechenzentren. Das Unternehmen konkurriert in mehreren Bereichen mit Intel und Nvidia. AMD profitiert davon, wenn Kunden alternative Lieferanten suchen und ihre Abhängigkeit von einem einzelnen Chiphersteller verringern wollen.

Für Anleger ist entscheidend, wie stark AMD sein Geschäft mit KI-Beschleunigern ausbauen kann und welche Marktanteile das Unternehmen gegenüber etablierten Konkurrenten gewinnt.

Broadcom: Spezialchips und Netzwerktechnik

Broadcom entwickelt unter anderem kundenspezifische Halbleiter und Netzwerktechnik für grosse Rechenzentren. Solche Spezialchips können auf bestimmte Aufgaben zugeschnitten werden. Für grosse Cloud-Konzerne ist das interessant, weil sie dadurch Leistung, Energieverbrauch und Kosten optimieren können.

Broadcom besitzt daneben ein bedeutendes Softwaregeschäft. Die Aktie ist deshalb keine reine Wette auf KI-Chips.

2. TSMC, ASML und Applied Materials: Ohne sie gibt es keine modernen KI-Chips

TSMC: Der Auftragsfertiger

Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) produziert Halbleiter im Auftrag anderer Unternehmen. Viele bekannte Chipentwickler betreiben keine eigenen hochmodernen Fabriken, sondern lassen ihre Entwürfe bei spezialisierten Fertigern herstellen. TSMC profitiert damit von der Nachfrage nach leistungsfähigen Prozessoren, unabhängig davon, welcher Chipentwickler einen konkreten Auftrag gewinnt.

Das Unternehmen muss allerdings enorme Summen in Fertigungsanlagen investieren. Hinzu kommen geopolitische Risiken aufgrund des Standorts Taiwan.

ASML: Maschinen für die Chipproduktion

Der niederländische Konzern ASML liefert Lithografiesysteme, die für die Produktion hochentwickelter Halbleiter benötigt werden. Besonders wichtig ist die EUV-Lithografie, bei der ASML eine aussergewöhnlich starke Marktstellung besitzt.

ASML verdient sein Geld mit Maschinen, Wartung und Dienstleistungen. Das Unternehmen verkauft also nicht selbst KI-Modelle oder die fertigen Prozessoren. Seine Geschäftsentwicklung hängt unter anderem von den Investitionsplänen der Halbleiterhersteller und von Exportbeschränkungen ab.

Applied Materials: Ausrüstung für Halbleiterfabriken

Applied Materials liefert Anlagen und Technologien für verschiedene Schritte der Halbleiterfertigung. Mit dem Ausbau der Produktionskapazitäten steigt auch der Bedarf an solchen Maschinen. Das Geschäft ist jedoch zyklisch: Werden neue Fabriken verschoben oder Investitionen gekürzt, spüren Ausrüster die Folgen.

3. Microsoft, Amazon, Alphabet und Oracle: Rechenleistung als Dienstleistung

KI-Modelle benötigen grosse Rechenkapazitäten. Unternehmen können dafür eigene Infrastruktur aufbauen oder Leistungen bei Cloud-Anbietern beziehen. Diese verkaufen Rechenleistung, Datenspeicherung, Entwicklungsplattformen und zusätzliche KI-Dienste, häufig nach Verbrauch oder über längerfristige Verträge.

Microsoft: Azure, Unternehmenssoftware und Copilot

Microsoft kombiniert das Cloud-Geschäft Azure mit verbreiteter Unternehmenssoftware. KI-Funktionen lassen sich beispielsweise in Microsoft 365, Entwicklerwerkzeuge und Geschäftsanwendungen integrieren. Microsoft verdient an Cloud-Nutzung, Softwareabonnementen und zusätzlichen KI-Funktionen.

Der Vorteil liegt im bestehenden Kundenstamm. Gleichzeitig verursacht der Ausbau der Rechenzentren hohe Kosten. Entscheidend ist, ob zusätzliche Umsätze und Produktivitätsgewinne diese Investitionen rechtfertigen.

Amazon: AWS als KI-Infrastruktur

Amazon Web Services (AWS) stellt Unternehmen Rechenleistung und Plattformdienste zur Verfügung. Dazu gehören auch Angebote für die Entwicklung und den Betrieb von KI-Anwendungen. Amazon entwickelt ausserdem eigene Chips für bestimmte Rechenaufgaben.

Die KI-Infrastruktur ist Teil eines viel breiteren Konzerns, zu dem auch der Onlinehandel, Werbung und weitere Dienstleistungen gehören. Anleger sollten die Entwicklung von AWS deshalb getrennt vom übrigen Amazon-Geschäft betrachten.

Alphabet: Google Cloud, Gemini und das Suchgeschäft

Alphabet entwickelt mit Google eigene KI-Modelle, betreibt Google Cloud und setzt künstliche Intelligenz in zahlreichen Produkten ein. Das Unternehmen verfügt über eigene Rechenzentrumsinfrastruktur und speziell entwickelte Prozessoren.

Für Alphabet bringt KI sowohl Chancen als auch Risiken mit sich: KI verbessert die Google-Produkte und eröffnet neue Umsatzmöglichkeiten im Cloud-Geschäft. Gleichzeitig verändern KI-Antworten die klassische Internetsuche und damit auch das Werbegeschäft, das für Alphabet zentral ist.

Oracle: Datenbanken und Cloud-Infrastruktur

Oracle ist traditionell stark bei Datenbanken und Unternehmenssoftware. Daneben baut der Konzern seine Cloud-Infrastruktur aus und bietet Rechenkapazitäten für anspruchsvolle Anwendungen an. KI schafft zusätzliche Nachfrage nach leistungsfähiger Infrastruktur, erhöht aber auch den Kapitalbedarf.

4. Meta und die Entwickler von KI-Modellen

Meta entwickelt eigene KI-Modelle und integriert KI in Facebook, Instagram, WhatsApp und seine Werbetechnologie. Das Unternehmen kann künstliche Intelligenz nutzen, um Werbung besser auszuspielen, Inhalte zu empfehlen und neue Dienste anzubieten. Die Monetarisierung erfolgt dabei nicht zwingend über den direkten Verkauf eines KI-Modells, sondern auch über die Verbesserung bestehender Geschäftsbereiche.

Zu den bekanntesten Entwicklern von KI-Modellen gehören ausserdem OpenAI und Anthropic. Beide Unternehmen sind nicht an der Börse kotiert. Privatanleger können deshalb nicht direkt in ihre Aktien investieren. Über börsenkotierte Konzerne wie Microsoft und Amazon, die mit diesen Unternehmen zusammenarbeiten und in sie investiert haben, können Anleger jedoch indirekt an deren wirtschaftlichem Erfolg teilhaben.

5. Palantir, SAP, Salesforce, Adobe und ServiceNow: KI im Geschäftsalltag

Eine weitere Gruppe verdient Geld mit Software, die Unternehmen bei konkreten Aufgaben unterstützt. Dabei stehen nicht die Herstellung von Chips oder der Betrieb grosser KI-Modelle im Vordergrund, sondern die Nutzung von Daten und die Automatisierung von Arbeitsabläufen.

Palantir: Datenanalyse und Entscheidungsunterstützung

Palantir bietet Softwareplattformen für die Integration und Analyse komplexer Datenbestände. Zu den Kunden gehören staatliche Stellen und Unternehmen. KI-Funktionen ermöglichen eine schnellere Auswertung von Daten und unterstützen die Automatisierung von Arbeitsabläufen. Das Geschäftsmodell beruht vor allem auf Softwareverträgen und der Einführung der Plattformen bei Kunden.

SAP: KI in der Unternehmensverwaltung

Der deutsche Softwarekonzern SAP ist bei Anwendungen für Finanzen, Personalwesen, Beschaffung und weitere Geschäftsprozesse etabliert. KI-Funktionen unterstützen die Auswertung von Daten, die Erstellung von Prognosen und die Automatisierung wiederkehrender Aufgaben. Der entscheidende Vorteil liegt in der Integration dieser Funktionen in die bestehenden Geschäftsprozesse und der Nutzung vorhandener Kundendaten.

Salesforce: KI im Kundenmanagement

Salesforce verkauft Software für Vertrieb, Kundendienst und Marketing. KI-Funktionen bearbeiten Kundenanfragen, fassen Informationen zusammen und unterstützen Vertriebsmitarbeiter. Die Einnahmen stammen aus Softwareabonnementen und zusätzlichen Dienstleistungen.

Adobe: KI für kreative Anwendungen

Adobe integriert generative KI in Produkte für Bildbearbeitung, Gestaltung und digitale Inhalte. KI-Funktionen steigern den Nutzen bestehender Abonnemente und schaffen zusätzliche Einnahmequellen. Gleichzeitig verschärft KI den Wettbewerb, da neue Anbieter kreative Aufgaben mit einfacheren und günstigeren Werkzeugen erledigen.

ServiceNow: Automatisierung von Arbeitsabläufen

ServiceNow entwickelt Software zur Verwaltung und Automatisierung betrieblicher Prozesse, etwa im IT-Service und Kundendienst. KI-Funktionen klassifizieren Anfragen, bereiten Informationen auf und beschleunigen Arbeitsabläufe. Zusätzliche Einnahmen erzielt ServiceNow durch den Verkauf KI-gestützter Funktionen und Dienstleistungen.

6. Vertiv, Equinix, Digital Realty und Schneider Electric: Die Infrastruktur hinter KI

Die KI-Industrie benötigt nicht nur Prozessoren, sondern auch Gebäude, Stromversorgung, Kühlung und zuverlässige Netzwerke. Dadurch profitieren weitere Unternehmen vom Ausbau der Rechenzentren.

Vertiv liefert unter anderem Stromversorgungs- und Kühllösungen für Rechenzentren. Schneider Electric ist bei elektrischer Ausrüstung, Energiemanagement und Automatisierung tätig. Equinix und Digital Realty sind börsenkotierte amerikanische Immobiliengesellschaften (REITs), die auf Rechenzentren spezialisiert sind. Sie stellen Rechenzentrumsflächen und die dazugehörige Infrastruktur bereit und erzielen Einnahmen aus deren Vermietung sowie ergänzenden Dienstleistungen. Der Ausbau der KI-Infrastruktur erhöht die Nachfrage nach ihren Angeboten.

Diese Unternehmen profitieren nicht ausschliesslich von KI. Auch klassische Cloud-Dienste, Unternehmens-IT und andere digitale Anwendungen benötigen Rechenzentren. Die steigende Leistungsdichte moderner KI-Systeme erhöht allerdings die Anforderungen an Kühlung und Stromversorgung.

7. Welche europäischen und Schweizer Unternehmen spielen eine Rolle?

Die KI-Debatte konzentriert sich häufig auf amerikanische Technologiekonzerne. In der Wertschöpfungskette spielen jedoch auch europäische Unternehmen eine wichtige Rolle. Dazu zählen ASML aus den Niederlanden, SAP und Infineon aus Deutschland sowie Schneider Electric aus Frankreich.

Auch zahlreiche Schweizer Unternehmen profitieren vom KI-Boom. ABB liefert Elektrifizierungs- und Automatisierungstechnik, die unter anderem beim Ausbau von Rechenzentren eingesetzt wird. ABB profitiert damit von den steigenden Investitionen in die KI-Infrastruktur, ist aber keine reine KI-Aktie.

VAT Group, Comet und Inficon sind wichtige Zulieferer der Halbleiterindustrie. VAT entwickelt Vakuumventile für die Chipproduktion, Comet liefert Hochfrequenztechnologie für Halbleiterfertigungsanlagen und Inficon bietet Mess- und Kontrolltechnik für industrielle Produktionsprozesse. Die steigende Nachfrage nach leistungsfähigen KI-Chips erhöht den Bedarf an entsprechenden Fertigungstechnologien.

Belimo entwickelt Komponenten zur Regelung von Heizungs-, Lüftungs- und Kühlsystemen, während Huber+Suhner Verbindungstechnik für die Datenübertragung anbietet. Beide Unternehmen sind damit auch am Markt für Rechenzentrumsinfrastruktur beteiligt.

Logitech entwickelt Computerzubehör und Konferenztechnik mit integrierten KI-Funktionen. Dazu gehören intelligente Kameras, Headsets und Eingabegeräte. Das Unternehmen profitiert von der zunehmenden Nutzung künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz und integriert KI in seine bestehenden Produktlinien.

Im Softwarebereich sind SoftwareOne und Temenos tätig. SoftwareOne bietet Cloud-, Daten- und KI-Dienstleistungen für Unternehmen an, während Temenos künstliche Intelligenz in seine Bankensoftware integriert.

8. Wer verdient am KI-Boom – und wer bezahlt dafür?

Die verschiedenen Geschäftsmodelle sind miteinander verbunden, verfolgen aber nicht dieselben Interessen. Grosse Cloud-Konzerne investieren in Rechenzentren und kaufen dafür Chips, Netzwerktechnik und Infrastruktur. Für die Zulieferer entstehen daraus Umsätze. Die Betreiber müssen dagegen zunächst hohe Investitionen finanzieren und anschliessend genügend zahlende Kunden gewinnen.

Ein Beispiel ist das Verhältnis zwischen Nvidia und seinen Grosskunden: Cloud-Konzerne kaufen Nvidia-Technologie, entwickeln gleichzeitig aber auch eigene Chips. Damit senken sie ihre Kosten und verringern ihre Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten. Für Nvidia bedeutet dies einen zunehmenden Wettbewerbsdruck.

Auch Softwareanbieter stehen vor der Herausforderung, mit ihren KI-Funktionen zusätzliche Einnahmen und Gewinne zu erzielen. Technisch beeindruckende Anwendungen allein garantieren keinen wirtschaftlichen Erfolg.

9. Welche Risiken bestehen bei KI-Aktien?

  • Hohe Investitionskosten: Rechenzentren, Chips und Energieversorgung erfordern grosse Kapitalbeträge. Die erwarteten Erträge müssen diese Ausgaben rechtfertigen.
  • Technologischer Wettbewerb: Neue Chips, KI-Modelle und Software erhöhen den Wettbewerbsdruck und gefährden bestehende Wettbewerbsvorteile.
  • Abhängigkeit von Grosskunden: Manche Zulieferer hängen stark von den Investitionsentscheidungen weniger grosser Konzerne ab.
  • Geopolitische Risiken: Exportkontrollen, Handelskonflikte und die Konzentration wichtiger Produktionskapazitäten in Taiwan können Lieferketten beeinträchtigen.
  • Energiebedarf: Der Ausbau der Rechenzentren stellt hohe Anforderungen an Stromnetze und Kühlung.
  • Bewertungsrisiko: Auch ein erfolgreiches Unternehmen ist eine schlechte Aktienanlage, wenn der Kaufpreis bereits unrealistisch hohe zukünftige Gewinne voraussetzt.

10. Wie lassen sich KI-Aktien sinnvoll vergleichen?

Für einen Vergleich genügt es nicht, die Kursentwicklung oder die Bekanntheit eines Unternehmens zu betrachten. Entscheidend sind der Anteil des KI-Geschäfts am Umsatz, die Profitabilität, der Kapitalbedarf für weiteres Wachstum und die Wettbewerbssituation.

Auch Kennzahlen wie Umsatzwachstum, operative Marge, freier Cashflow, Verschuldung und Aktienbewertung sind wichtig. Bei stark diversifizierten Konzernen muss zudem zwischen dem KI-Geschäft und anderen Geschäftsbereichen unterschieden werden. Viele Unternehmen veröffentlichen keinen separat ausgewiesenen KI-Umsatz. Solche Zahlen dürfen daher nicht einfach aus dem Gesamtumsatz abgeleitet werden.

Eine Alternative zu Einzelaktien sind börsengehandelte Fonds (ETFs) mit KI-Schwerpunkt. Allerdings unterscheiden sich diese erheblich in ihrer Zusammensetzung. Ein ETF mit dem Begriff «Artificial Intelligence» im Namen ist nicht automatisch breit diversifiziert. Häufig konzentrieren sich solche Fonds auf wenige grosse Technologiekonzerne.

Fazit: KI-Aktien sind keine einheitliche Anlage

Der KI-Boom schafft Geschäftsmöglichkeiten entlang einer ganzen industriellen Wertschöpfungskette. Nvidia und AMD entwickeln leistungsfähige Prozessoren, TSMC fertigt Chips, ASML liefert Produktionsmaschinen, Microsoft und Amazon stellen Rechenleistung bereit, während Palantir, SAP und Adobe KI in konkrete Softwareanwendungen integrieren. Weitere Unternehmen verdienen am Bau und Betrieb der notwendigen Infrastruktur.

Entscheidend für Anleger ist jedoch nicht allein der technologische Fortschritt, sondern auch, ob die Unternehmen damit nachhaltig Gewinne erzielen und ihre Aktien angemessen bewertet sind.

Weiterführende Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlageempfehlung dar.

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