Lebenserfahrung: Ein einziger provokanter, aber harmloser Tweet reicht, und die Medien überschlagen sich europaweit. Du verlierst deinen Job, wirst verhaftet und die Justiz beschäftigt sich deswegen jahrelang bis vor Bundesgericht mit dir.
Du kannst aber auch 1’000 fundierte Blogartikel mit nützlichem Inhalt schreiben, und es interessiert keine Sau.
Fazit: Aufmerksamkeit hat wenig mit dem Informationswert eines Beitrags zu tun. Empörung verkauft sich besser als Wissen. Medien und soziale Netzwerke verstärken diese Entwicklung, weil Empörung Aufmerksamkeit, Klicks und damit Werbeeinnahmen generiert. Hinzu kommt, dass sich die meisten Menschen nicht an Inhalten und Argumenten orientieren. Sie interessieren sich kaum für Hintergründe und den Kontext. Stattdessen achten sie auf den gesellschaftlichen Status und die Autorität einer Person. Selbst wer wenig oder nichts Substanzielles zu sagen hat, erhält aufgrund seines gesellschaftlichen Ansehens mehr Aufmerksamkeit. Menschen mit fundierten Argumenten, aber geringerem Status bleiben dagegen unbeachtet. Entscheidend ist nicht, was jemand sagt, sondern wer es sagt. Zudem suchen viele Menschen bevorzugt nach Bestätigung ihrer eigenen Ansichten und Vorurteile und schliessen sich in Echokammern zusammen.
Diese intellektuelle Bankrotterklärung unserer Gesellschaft führt zu einer Verarmung unserer Dialogkultur.
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