Exchange Traded Funds (ETFs) sind börsengehandelte Fonds, die sich für den langfristigen Vermögensaufbau eignen. Mit ihnen können Privatanleger bereits mit kleinen Beträgen in Hunderte oder Tausende Unternehmen investieren. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Risikostreuung. Wie breit ein ETF diversifiziert ist, hängt von seiner Anlagestrategie, den enthaltenen Wertpapieren und deren Gewichtung ab.
Was ist ein ETF?
Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der meistens die Wertentwicklung eines bestimmten Börsenindex nachbildet. Anders als bei aktiv verwalteten Anlagefonds entscheidet dabei normalerweise kein Fondsmanager, welche Aktien besonders aussichtsreich sind. Stattdessen folgt der ETF den Regeln des zugrunde liegenden Index.
Beispielsweise investiert ein ETF auf den Swiss Market Index (SMI) in die 20 grössten und liquidesten Aktien des Schweizer Aktienmarktes. Ein ETF auf den MSCI World bildet dagegen die Wertentwicklung grosser und mittelgrosser Unternehmen aus zahlreichen Industrieländern ab.
ETFs werden wie Aktien an der Börse gehandelt. Sie ermöglichen Anlegern einen einfachen und kostengünstigen Zugang zu unterschiedlichen Märkten und Anlageklassen.
Risikodiversifikation mit ETFs
Wer sein Kapital zu gleichen Teilen auf zehn verschiedene Aktien verteilt, trägt ein hohes unternehmensspezifisches Risiko. Geht eines dieser Unternehmen in Konkurs und verliert die Aktie ihren gesamten Wert, beträgt der Verlust des Portfolios allein dadurch 10 Prozent.
Ein breit diversifizierter ETF verteilt das Kapital dagegen auf Hunderte oder Tausende Unternehmen. Der vollständige Wertverlust einer einzelnen Aktie hat dadurch wesentlich geringere Auswirkungen auf das gesamte Portfolio.
Ein weiterer Vorteil ist, dass das Fondsvermögen rechtlich vom Vermögen des Fondsanbieters getrennt ist. Geht der Fondsanbieter in Konkurs, fällt das Fondsvermögen nicht in dessen Konkursmasse.
Entscheidend für die Risikostreuung ist jedoch nicht allein die Anzahl der enthaltenen Aktien, sondern auch deren Gewichtung sowie die Verteilung auf verschiedene Länder und Branchen.
Ein ETF auf den Schweizer SMI enthält beispielsweise 20 Aktien. Die drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis machen aber zusammen rund die Hälfte des Index aus. Eine breite Risikostreuung über verschiedene Unternehmen und Branchen ist damit nicht gegeben. Ein weltweit investierender Aktien-ETF bietet dagegen eine wesentlich breitere geografische und unternehmensbezogene Risikostreuung.
Die Diversifikation reduziert das unternehmensspezifische Risiko, nicht aber das allgemeine Aktienmarktrisiko. Bei einem Börsencrash verlieren auch breit diversifizierte Aktien-ETFs erheblich an Wert.
MSCI World: Das US-Übergewicht
Der MSCI World gehört zu den bekanntesten Aktienindizes. Sein Name ist allerdings irreführend, denn er umfasst nicht den gesamten Weltaktienmarkt. Der Index berücksichtigt ausschliesslich entwickelte Aktienmärkte. Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien fehlen.
Hinzu kommt die starke Gewichtung amerikanischer Unternehmen. Der US-Anteil lag 2026 zeitweise bei über 70 Prozent. Das liegt daran, dass die Unternehmen im Index nach ihrer frei handelbaren Marktkapitalisierung gewichtet werden. Besonders grosse amerikanische Technologiekonzerne wie Nvidia, Apple und Microsoft haben dadurch erheblichen Einfluss auf die Indexentwicklung.
Wer eine breitere geografische Risikostreuung sucht, sollte andere Weltindizes berücksichtigen oder mehrere ETFs miteinander kombinieren.
| Index | Abgedeckte Aktienmärkte |
|---|---|
| MSCI World | Grosse und mittelgrosse Unternehmen aus Industrieländern |
| MSCI ACWI | Industrie- und Schwellenländer |
| FTSE All-World | Industrie- und Schwellenländer |
| MSCI ACWI IMI | Industrie- und Schwellenländer einschliesslich kleinerer Unternehmen |
Der MSCI ACWI (All Country World Index) und der FTSE All-World berücksichtigen zusätzlich Schwellenländer. Allerdings sind auch dort amerikanische Aktien stark gewichtet.
Der MSCI ACWI IMI (Investable Market Index) geht einen Schritt weiter und berücksichtigt zusätzlich kleinere börsenkotierte Unternehmen, sogenannte Small Caps.
Mehrere ETFs miteinander kombinieren
Anleger müssen sich nicht auf einen einzigen ETF beschränken. Mit einer Kombination verschiedener ETFs können sie die Zusammensetzung ihres Portfolios gezielt steuern.
Eine Möglichkeit besteht darin, einen ETF auf den MSCI World mit einem ETF auf den MSCI Emerging Markets zu kombinieren.
Eine beispielsweise häufig verwendete Aufteilung lautet:
- 70 Prozent MSCI World
- 30 Prozent MSCI Emerging Markets
Damit werden Schwellenländer stärker gewichtet, als dies bei einem MSCI ACWI entsprechend der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung der Fall wäre.
Der deutsche Finanzexperte Gerd Kommer hat mit seinem Weltportfolio-Konzept einen Ansatz entwickelt, der auf eine möglichst breite Diversifikation setzt. Dabei berücksichtigt er neben Industrie- und Schwellenländern auch kleinere Unternehmen und weitere Anlageklassen.
Eine Kombination mehrerer ETFs ermöglicht eine individuelle Gewichtung. Sie erfordert allerdings auch etwas mehr Aufwand. Durch unterschiedliche Kursentwicklungen verändern sich die ursprünglich festgelegten Anteile. Deshalb sollten Anleger die Gewichtung ihres Portfolios regelmässig überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Dieser Vorgang wird als Rebalancing bezeichnet.
Mehr ETFs bedeuten nicht zwangsläufig eine bessere Diversifikation. Verschiedene ETFs können dieselben Aktien enthalten oder dieselben Märkte abdecken, wodurch sich bestehende Konzentrationen im Portfolio verstärken. Wer beispielsweise ETFs auf den MSCI World, den S&P 500 und den Nasdaq-100 kombiniert, erhöht die Konzentration auf grosse amerikanische Technologieunternehmen. Eine solche Überschneidung verbessert die Risikostreuung nicht.
Physische und synthetische ETFs: Was ist der Unterschied?
Bei der Auswahl eines ETFs spielt auch die sogenannte Replikationsmethode eine Rolle. Sie beschreibt, wie der Fonds die Wertentwicklung seines Referenzindex nachbildet.
Physische ETFs investieren direkt in die Aktien oder anderen Wertpapiere des zugrunde liegenden Index. Bei der physischen Replikation gibt es zwei Methoden:
- Vollständige Replikation: Der ETF kauft sämtliche Aktien des zugrunde liegenden Index entsprechend ihrer Gewichtung.
- Optimiertes Sampling: Der ETF kauft eine repräsentative Auswahl der Aktien, um die Wertentwicklung des Index möglichst genau und kostengünstig nachzubilden.
Synthetische ETFs bilden die Indexentwicklung dagegen mithilfe eines Finanzderivats nach, meistens eines sogenannten Swaps. Dabei verpflichtet sich eine Gegenpartei, beispielsweise eine Bank, dem ETF die vereinbarte Indexrendite zu liefern.
Synthetische ETFs können bestimmte Märkte besonders effizient abbilden. Allerdings entsteht durch den Swap ein zusätzliches Gegenparteirisiko, das durch regulatorische Vorgaben und Sicherheiten begrenzt wird.
Für Privatanleger sind physische ETFs häufig einfacher zu verstehen. Synthetische ETFs sind aber nicht grundsätzlich schlechter. Entscheidend sind die tatsächlichen Kosten, die Genauigkeit der Indexnachbildung und die damit verbundenen Risiken.
Worauf sollte man beim ETF-Factsheet achten?
Vor dem Kauf eines ETFs lohnt sich ein Blick auf das Factsheet des Fondsanbieters. Dieses Dokument enthält die wichtigsten Angaben zur Zusammensetzung und Funktionsweise des ETFs.
Besonders wichtig sind folgende Kennzahlen:
| Kennzahl | Worauf Anleger achten sollten |
|---|---|
| Referenzindex | Welchen Markt bildet der ETF ab? |
| Ländergewichtung | Wie stark sind einzelne Länder vertreten? |
| Branchengewichtung | Gibt es eine Konzentration auf bestimmte Branchen? |
| Grösste Positionen | Welchen Anteil haben die wichtigsten Einzelaktien? |
| Total Expense Ratio (TER) | Wie hoch sind die ausgewiesenen jährlichen Fondskosten? |
| Tracking Difference | Wie stark weicht die Rendite des ETFs von der Rendite seines Referenzindex ab? |
| Replikationsmethode | Bildet der ETF den Index physisch oder synthetisch nach? |
| Fondsdomizil | In welchem Land ist der Fonds rechtlich ansässig? |
| Ertragsverwendung | Werden Dividenden ausgeschüttet oder wiederangelegt? |
| Fondsvolumen | Wie gross ist das verwaltete Fondsvermögen? |
| Währungsabsicherung | Werden Wechselkursrisiken abgesichert? |
Besonders aufschlussreich sind die Länder- und Branchengewichtungen sowie die zehn grössten Positionen. Sie zeigen, ob ein ETF tatsächlich breit diversifiziert ist oder ob wenige Unternehmen einen erheblichen Anteil am Fondsvermögen ausmachen.
Auch die Kosten verdienen Aufmerksamkeit. Die Gesamtkostenquote TER (Total Expense Ratio) gibt die laufenden Fondskosten an. Daneben können weitere Kosten entstehen, beispielsweise für den Börsenhandel, die Währungsumrechnung oder durch die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs.
Ein weiterer wichtiger Wert ist die Tracking Difference. Sie zeigt, wie stark die tatsächliche Wertentwicklung eines ETFs über einen bestimmten Zeitraum von seinem Referenzindex abweicht.
Die wichtigsten Kennzahlen finden Anleger im Factsheet des ETFs. Ergänzende Informationen enthalten das Basisinformationsblatt, der Jahresbericht und die Website des Fondsanbieters.
Ausschüttende oder thesaurierende ETFs?
ETFs unterscheiden sich auch darin, wie sie mit den Erträgen aus Dividenden und Zinsen umgehen.
Ausschüttende ETFs zahlen die entsprechenden Erträge regelmässig an ihre Anleger aus.
Thesaurierende ETFs legen die Erträge dagegen automatisch wieder im Fonds an. Dadurch erhöht sich der Wert des Fondsvermögens, ohne dass Anleger die ausgeschütteten Beträge selbst reinvestieren müssen. Die wiederangelegten Erträge erwirtschaften ihrerseits weitere Erträge, wodurch ein Zinseszinseffekt entsteht.
Für Schweizer Privatanleger sind Kursgewinne aus ETFs grundsätzlich steuerfrei, sofern sie nicht als gewerbsmässige Wertschriftenhändler eingestuft werden. Dividenden und Zinserträge unterliegen dagegen der Einkommenssteuer. Dies gilt sowohl für ausschüttende als auch für thesaurierende ETFs. Bei ausländischen ETFs spielen zudem das Fondsdomizil und mögliche Quellensteuern eine Rolle.
Die steuerlich massgebenden Erträge und Vermögenswerte vieler ETFs lassen sich über die ICTax-Datenbank der Eidgenössischen Steuerverwaltung ermitteln.
Auch Währungsrisiken beachten
Wer in einen weltweit investierenden Aktien-ETF ohne Währungsabsicherung investiert, trägt Wechselkursrisiken. Steigt beispielsweise der Schweizer Franken gegenüber dem US-Dollar, schmälert dies die in Franken gemessene Rendite amerikanischer Aktien.
Dabei ist zwischen der Handelswährung und den tatsächlichen Währungsrisiken zu unterscheiden. Ein in Schweizer Franken gehandelter ETF ist nicht automatisch gegen Wechselkursschwankungen abgesichert. Entscheidend sind die zugrunde liegenden Anlagen und eine allfällige Währungsabsicherung.
Fazit: Entscheidend ist die Risikostreuung
ETFs ermöglichen Privatanlegern einen einfachen und kostengünstigen Zugang zu den internationalen Finanzmärkten. Ihr grösster Vorteil liegt in der breiten Risikostreuung über verschiedene Unternehmen, Branchen und Länder.
Entscheidend für die Diversifikation ist die Zusammensetzung des Portfolios. Anleger sollten deshalb bei der ETF-Auswahl insbesondere auf den zugrunde liegenden Index, die Länder- und Branchengewichtung sowie die Kosten achten. Durch die gezielte Kombination verschiedener ETFs lässt sich die Risikostreuung weiter verbessern.
Quellen und weiterführende Informationen
- MSCI – Developed Markets Indexes
- MSCI – Aktienindizes im Überblick
- Gerd Kommer – ETFs und Weltportfolio
- justETF – Replikationsmethoden von ETFs
- Eidgenössische Steuerverwaltung – ICTax
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