Ist Erdogan handgreiflich geworden?

Von Alexander Müller veröffentlicht am 15. Mai 2014 | 2.035 mal gesehen

Der religiös-konservative türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist derzeit auf Abwegen. Zunächst sorgte er mit einer kaltblütigen Aussage für Ärger und inzwischen wurde er offenbar sogar handgreiflich.

Bei einem Besuch in der betroffenen Region musste Erdogan vorübergehend in einen Supermarkt flüchten. Dort soll er dem folgenden Video zufolge handgreiflich geworden sein. Einem deutschen Medienbericht zufolge soll er eine Demonstrantin geschlagen haben.

Erdogan, ist bereits in der Vergangenheit durch sein hartes Vorgehen gegen Demonstranten aufgefallen. Anstatt bei Katastrophen den Buhmann zu spielen sollte er als Regierungschef besser für höhere Sicherheitsstandards im türkischen Bergbau sorgen.

Warum sich Türken gegen Erdogan wehren

Von Alexander Müller veröffentlicht am 17. Juni 2013 | 3.626 mal gesehen

Ursprünglich ging es um eine Demonstration gegen die Abholzung von Bäumen im Gezi-Park in Istanbul, die einem gigantischen Bauprojekt für ein Einkaufszentrum weichen sollten. Nachdem die Polizei gewaltsam das Lager der Demonstranten auflöste, kam es zu Protesten  gegen das Vorgehen der Polizei und das Regime des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Dieser führt die Türkei in einem autoritären Stil, mit religiös-konservativen Zügen. Dagegen wehrt sich nun insbesondere die junge, urbane und säkulare Bevölkerung. Der folgende Filmbericht zeigt weshalb weltliche und liberale Türken gegen das autoritäre Regime von Erdogan protestieren.

Wie ich zudem aus anderen Nachrichtensendungen ersehen konnte, wehren sich einige Leute auch gegen die Islamisierung, die unter der Regierung von Erdogan vorangetrieben wurde. Eine Frau und ein Mann äusserten sich in einer deutschen Nachrichtensendung dahingehend, dass sie es satt hätten, von Erdogan vorgeschrieben zu erhalten wie viele Kinder sie zu bekommen hätten, wie sie zu verhüten hätten und wie sie zu leben hätten. Andere wehren sich gegen ein von Erdogan eingeführtes Kussverbot in der Öffentlichkeit.

Erdogan versammelte derweil seine Anhänger um sich um Stärke zu demonstrieren. Mich erinnerten die Bilder dieser Pro-Erdogan-Versammlung an Pro-Gaddafi-Versammlungen in Tripolis. Mit einem Unterschied, Gaddafis Leute hatten grüne Fahnen, Erdogans Leute haben rote Fahnen.

Nach meiner Einschätzung haben die Türkei und zahlreiche Staaten im Nahen Osten und im Norden Afrikas einen enormen Nachholbedarf in Sachen Menschenrechte. In Europa gibt es mindestens seit der Aufklärung einen Prozess, der zur Säkularisierung und Demokratisierung der Staaten und zur Entwicklung von Menschenrechten beiträgt. Der Geist der Aufklärung beschränkte sich bisher jedoch weitgehend auf Europa und von Europäern dominierte Gebiete wie Amerika und Australien. Beim Rest der Welt besteht nach wie vor ein grosser Nachholbedarf. Die Globalisierung und der technologische Fortschritt, wie z.B. das Internet, wird den Druck auf autoritäre und totalitäre Regime weiter erhöhen.

PS: Atatürk soll übrigens Agnostiker gewesen sein, wie ich. 😉

Erdogan: Türkischer Nationalismus in Deutschland

Von Alexander Müller veröffentlicht am 1. März 2011 | 2.339 mal gesehen

Unser Ministerpräsident ist in Deutschland Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sorgt mit einer Aussage, die er bei einer Rede vor 11‘000 Zuhörern in Düsseldorf gehalten hat für Ärger. Er will, dass die Kinder von türkischen Migranten zuerst Türkisch und erst danach Deutsch lernen. Türken sollen nicht in der deutschen Gesellschaft aufgehen. Sie sollen sich nicht mit den Deutschen assimilieren. Sie sollen Deutschland türkischer machen. Gleichzeitig warnt er vor einer wachsenden Ausländer-feindlichkeit und Islamophobie in Deutschland. Islamophobie ist Erdogan zufolge «ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit». Das tönt für mich wie «Islamkritiker sind Ketzer».

Angesichts solcher Aussagen muss man sich über eine wachsende Skepsis gegenüber türkischen Einwanderern nicht wundern. Zumal Parallelgesellschaften in Gegenden wie Berlin Kreuzberg längst Realität sind. Dort leben seit Jahrzehnten Leute, die kaum ein Wort Deutsch können. Da hilft es auch nicht, dass Erdogan seine Aussage anschliessend in einem Interview mit Peter Klöppel von RTL relativierte. Dort meinte er, dass türkische Kinder erst ihre Muttersprache richtig beherrschen müssten ehe sie eine Fremdsprache richtig lernen können. Doch ist das bei türkisch stämmigen Kindern, die in Deutschland geboren sind wirklich so? Wohl nur, wenn deren Eltern nicht integriert sind und nicht richtig Deutsch können. So wie es eben in gewissen Orten wie Berlin Kreuzberg der Fall ist.

Mit seinen Aussagen hat sich Erdogan als türkischer Nationalist und islamischer Faschist zu erkennen gegeben. Ich frage mich wie lange sich die Deutschen solche Provokationen noch bieten lassen. Wie weit der deutsche Masochismus geht, zeigte ja bereits der deutsche Bundespräsident Wulff. Bei seinem Besuch in der Türkei sagte er vor dem türkischen Parlament, dass türkische Zuwanderer in Deutschland willkommen seien und der Islam zu Deutschland gehöre. Offensichtlich hat er mit dieser schwachsinnigen Aussage den religiös-faschistischen Nationalisten Erdogan zu seiner jüngsten Provokation ermutigt. Wer Schwäche zeigt, der muss sich nicht wundern wenn er angegriffen und provoziert wird.

Übrigens schon das Plakat, welches auf die Rede von Erdogan aufmerksam machte ist provokativ. Dort steht «..unser Ministerpräsident ist in Düsseldorf». Wie war das nochmals mit der Integration? Auf welche Politiker hören die Deutschtürken eigentlich? Auf die deutschen Politiker oder auf türkische Politiker? Hypothetische Frage: Würden sich in die Türkei ausgewanderte Schweizer auch so aufführen wenn Calmy-Rey der Türkei einen Besuch abstatten sollte? Wohl kaum. Und wie würden wohl die Türken reagieren wenn plötzlich ein Kurde die Angehörigen seines Volkes auffordern würde die kurdische Sprache der türkischen vorzuziehen?  Kurden wurden in der Türkei im Hinblick auf ihre Sprache und Kultur lange unterdrückt bzw. werden es teilweise immer noch!

Der folgende Film zeigt einen Beitrag über türkischen Nationalismus in Deutschland:
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