Warum sich Türken gegen Erdogan wehren

Von Alexander Müller veröffentlicht am 17. Juni 2013 | 3.626 mal gesehen

Ursprünglich ging es um eine Demonstration gegen die Abholzung von Bäumen im Gezi-Park in Istanbul, die einem gigantischen Bauprojekt für ein Einkaufszentrum weichen sollten. Nachdem die Polizei gewaltsam das Lager der Demonstranten auflöste, kam es zu Protesten  gegen das Vorgehen der Polizei und das Regime des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Dieser führt die Türkei in einem autoritären Stil, mit religiös-konservativen Zügen. Dagegen wehrt sich nun insbesondere die junge, urbane und säkulare Bevölkerung. Der folgende Filmbericht zeigt weshalb weltliche und liberale Türken gegen das autoritäre Regime von Erdogan protestieren.

Wie ich zudem aus anderen Nachrichtensendungen ersehen konnte, wehren sich einige Leute auch gegen die Islamisierung, die unter der Regierung von Erdogan vorangetrieben wurde. Eine Frau und ein Mann äusserten sich in einer deutschen Nachrichtensendung dahingehend, dass sie es satt hätten, von Erdogan vorgeschrieben zu erhalten wie viele Kinder sie zu bekommen hätten, wie sie zu verhüten hätten und wie sie zu leben hätten. Andere wehren sich gegen ein von Erdogan eingeführtes Kussverbot in der Öffentlichkeit.

Erdogan versammelte derweil seine Anhänger um sich um Stärke zu demonstrieren. Mich erinnerten die Bilder dieser Pro-Erdogan-Versammlung an Pro-Gaddafi-Versammlungen in Tripolis. Mit einem Unterschied, Gaddafis Leute hatten grüne Fahnen, Erdogans Leute haben rote Fahnen.

Nach meiner Einschätzung haben die Türkei und zahlreiche Staaten im Nahen Osten und im Norden Afrikas einen enormen Nachholbedarf in Sachen Menschenrechte. In Europa gibt es mindestens seit der Aufklärung einen Prozess, der zur Säkularisierung und Demokratisierung der Staaten und zur Entwicklung von Menschenrechten beiträgt. Der Geist der Aufklärung beschränkte sich bisher jedoch weitgehend auf Europa und von Europäern dominierte Gebiete wie Amerika und Australien. Beim Rest der Welt besteht nach wie vor ein grosser Nachholbedarf. Die Globalisierung und der technologische Fortschritt, wie z.B. das Internet, wird den Druck auf autoritäre und totalitäre Regime weiter erhöhen.

PS: Atatürk soll übrigens Agnostiker gewesen sein, wie ich. 😉

Liebe Empörte

Von Alexander Müller veröffentlicht am 6. Juli 2012 | 6.099 mal gesehen

Die Massenmedien unterstellen mir, dass ich zu einer Kristallnacht aufgerufen hätte. Ich bestreite das. Dennoch ist die Empörung gross. Liebe Empörte, wo war denn eure Empörung, als dieses Bild entstand? Haben die Schweizer Medien überhaupt darüber geschrieben?


Quelle: BBC

Besonders schlimm an diesem Bild ist, dass die Frau den Holocaust offenbar sogar leugnet. Auf dem Plakat, das sie hält, steht, dass wir uns auf den „wahren“ Holocaust vorbereiten sollen. Das Bild entstand bei Protesten gegen Mohammed-Karikaturen. Damals diskutierte man im Club des Schweizer Fernsehens darüber ob die Pressefreiheit Grenzen haben sollte.

Quelle: Videoportal SF

Über das Holocaust-Bild wurde, soweit ich mich erinnere, jedoch nicht gesprochen. Das können wir aber gerne nachholen wenn ihr wollt!

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