Burka- und Gesichtsschleierverbot: Warum sich Yvonne Feri irrt

Von Alexander Müller veröffentlicht am 5. Oktober 2013 | 2.456 mal gesehen

Laut einem Medienartikel ist die linke Nationalrätin Yvonne Feri gegen ein Burka- und Gesichtsschleierverbot. Sie befürchtet, dass davon betroffene Frauen nicht mehr auf die Strasse dürfen.

Zitat Yvonne-Feri «Ein Verbot löst kein einziges Problem. Dürfen diese Frauen nicht mehr auf die Strasse, haben wir in Sachen Integration und Gleichstellung gar nichts erreicht.»
Zitat Yvonne-Feri: «Ein Verbot löst kein einziges Problem. Dürfen diese Frauen nicht mehr auf die Strasse, haben wir in Sachen Integration und Gleichstellung gar nichts erreicht.»

Frau Feri will stattdessen gegen jene vorgehen, welche Frauen dazu zwingen eine Burka oder einen Gesichtsschleier zu tragen. Meiner Meinung nach ist die Ansicht von Frau Feri blauäugig. Denn wie soll denn herausgefunden werden ob eine Frau sich freiwillig verhüllt oder nicht?

Es wäre eine Nötigung, wenn eine Frau gegen ihren Willen durch Androhung ernstlicher Nachteile gezwungen wird etwas zu tun. Im Strafgesetzbuch ist eine Nötigung unter Art. 181 auf Antrag strafbar. Das bedeutet, dass eine genötigte Frau einen Strafantrag bei der Polizei oder der zuständigen Staatsanwaltschaft einreichen müsste, ehe die Ermittlungsbehörden tätig werden. Genau das ist jedoch problematisch.

Die Praxis zeigt, dass Geschädigte im Falle von Drohung oder Nötigung oft eingeschüchtert sind und von sich aus keinen Strafantrag einreichen. Meiner Meinung nach dürften es nur wenige Frauen wagen ihren Ehemann anzuzeigen, wenn sie dazu genötigt worden sind sich zu verschleiern. Die Erfolgsaussichten eines solchen Strafantrags sind gering, wenn die Frau keine Zeugen oder Beweise vorweisen kann. Sagt der Ehemann etwas anderes aus, steht Aussage gegen Aussage.

Die Angst von eingeschüchterten Frauen ist ernst zu nehmen! Wir wissen, dass Drohungen zuweilen auch umgesetzt werden. Wie eine ausgesprochene Drohung enden kann, zeigt ein Fall aus Zürich. Dort hat ein Vater seine Tochter erschlagen weil sie wie eine westliche Frau leben wollte. (Quelle) Der Vater hatte Medienberichten zufolge seiner Tochter offenbar schon früher gedroht sie umzubringen. Weder Artikel 180 StGB (Drohung) noch Artikel 181 StGB (Nötigung) konnten das Mädchen retten.

Ausserdem kann der sogenannte Zwang auch subtiler Natur sein. Es ist für mich durchaus denkbar, das Frauen in einem streng religiösen sozialen Milieu leben, in welchem erwartet wird, dass sie sich verschleiern. Wenn die Frau dann noch wesentlich jünger ist als ihr Ehemann und womöglich noch im Ausland geheiratet wurde und sie weder eine Landesprache kann noch unsere Gesetze kennt, was bleibt ihr dann noch anderes übrig als ihrem Ehemann zu gehorchen? Besonders schlimm wäre es dann noch, wenn sie einen Ehemann hat, der meint sie mit Schlägen zum Sex zwingen zu dürfen.

Ich befürworte ein Burka- und Gesichtsschleierverbot, denn meiner Meinung nach können die geltenden Gesetze betroffene Frauen nur unzureichend schützen. Ein solches Verbot ermöglicht es Frauen ohne Gesichtsschleier und Burka herum zu laufen. Dies ohne einen Strafantrag einreichen zu müssen um sich gegen Nötigung zu wehren. Damit fällt eine Hürde weg, die für eingeschüchterte Frauen nur schwer überwindbar ist.

Notabene, laut einem NZZ-Artikel aus dem Jahr 2010 wird nicht nur in Europa sondern auch in Marokko, einem islamischen Land, über ein Burka- und Gesichtsschleierverbot debattiert. Bei uns haben Touristiker schon Angst, wenn im Kanton Tessin ein Vermummungsverbot eingeführt wird.

Burka- und Gesichtsschleierverbot: Warum sich Yvonne Feri irrt
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7 Gedanken zu „Burka- und Gesichtsschleierverbot: Warum sich Yvonne Feri irrt“

  1. Um einer muslimischen Frau zu ermöglichen wie eine westliche Frau zu leben braucht es weit mehr als nur ein Verbot der Gesichtsverschleierung. Das Tragen einer Burka, in der Schweiz auch unter der muslimischen Bevölkerung sowieso kaum verbreitet, ist nur ein kleines Detail jener Normen, an die sich Frauen in vielen konservativ-muslimischen Umfeldern halten müssen. Auch das junge Mädchen aus dem Beispiel wurde nicht getötet weil sie sich gegen das Tragen einer Burka gewehrt hat, sondern weil sie einen Freund hatte. Das Burkaverbot hätte sie nicht gerettet, wie viele andere Opfer von Ehrenmorden auch.

    Das Verbot der Gesichtsverschleierung setzt also nur bei einem in der Schweiz sowieso kaum verbreiteten Symptom ultrakonservativen Islams an und wird zumindest bei der „Befreiung“ unterdrückter muslimischer Frauen keine Rolle spielen. Frau Feris Idee ist dagegen zumindest im Grundsatz richtig: Probleme löst man indem man die Ursache angeht, und nicht die Symptome. Mit dem Burkaverbot bekommen wir das Problem zwar aus dem öffentlichen Raum, aber den Betroffenen helfen tut es nicht.

    Es ist richtig, beim Anblick verschleierter Frauen ist nicht zu beurteilen ob sie sich freiwllig verschleiern oder nicht. Ist es deshalb in Ordnung mal grundsätzlich davon auszugehen das sie es nicht tun und ein Verbot zu lancieren? Speziell weil Frauen die sich nicht freiweillig verschleiern bereits ein Gesetz haben mit dem sie sich wehren können: dem erwähnten Artikel 181 betreffend Nötigung. Das Beispiel mit der durch Schläge vom Ehemann zum Sex gezwungenen Frau verstehe ich überhaupt nicht, hier bietet das Burkaverbot überhaupt keine Handhabe (wie auch bei vielen anderen Fällen häuslicher Gewalt).

    Die Angst eingeschüchterter oder genötigter Frauen Anzeige zu erstatten ist ein tatsächlich bestehendes, weit über den muslimischen Kulturkreis hinaus bestehendes Problem. Auch die geprügelte oder zum Sex genötigte Ehefrau eines Schweizers oder eines Deutschen wird sich in den meisten Fällen damit schwer tun Anzeige zu erstatten.

    Für mich ist die Begründung des Burkaverbots als Rettungsanker für unterdrückte Frauen nur eine Ausrede all jener Islamophobiker, die sich schon mit dem Minarettverbot gegen jede Form muslimischer Symbolik wehren möchten, aus einer irrationalen Angst vor „Islamisierung“. Für mich ist die fortwährende Diskriminierung nur einer einzelnen Religion eine Schande für die Schweiz.

  2. Lies den Artikel über das Mädchen, welches von seinem Vater erschlagen wurde noch einmal aufmerksam durch Frank. Dort steht folgendes:

    Svera: Ein normaler Schweizer Teenager. Sie will kein Kopftuch tragen, sie schminkt sich, kleidet sich sexy. Und sie lacht sich mit 16 einen Freund an. Mitte April reisst Svera von zu Hause aus und versteckt sich bei ihm. Am Montag wird sie in Zürich beim Klauen erwischt, ein Päckli Zigaretten, heisst es. Die Eltern holen sie bei der Polizei ab. Stunden später ist sie tot.

    Es geht auch nicht um die Diskriminierung einer Religion Frank. Im Islam wird nicht vorgeschrieben, dass sich Frauen verschleiern müssen! Informiere dich!

    Du solltest überdies aufpassen, wenn du die Befürworter eines Burka- und Gesichtsschleierverbots als Islamophobiker beleidigst. Saida Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam kritisiert die Toleranz gegenüber der Ganzkörperverschleierung als Toleranz gegenüber der Missachtung von Frauenrechten.

    Zitat NZZ-Artikel:

    Die Achtung und der Schutz der Menschenwürde sind in der Bundesverfassung verankert. Während das Tragen eines Kopftuchs, ausser bei der Lehrtätigkeit, diskutierbar ist, bedeutet eine Ganzkörperverhüllung der Frau schlicht Entmenschlichung. Das Sichtfeld einer Burka wirkt nicht zufällig wie ein stilisiertes Gefängnisgitter. Etliche reformorientierte Muslime in der Diaspora, wie etwa der Schriftsteller und Psychiater Tahar Ben Jelloun, die Politologin Elham Manea oder die Anwältin Seyran Ates, und (unter erheblich erschwerten Lebensbedingungen) auch eine Minderheit in islamischen Ländern stellen sich dezidiert gegen Praxen, die im Umfeld von Patriarchat und Traditionalismus die Unterdrückung der Frauen mit verfehlten Auslegungen des Korans rechtfertigen.

    Laut dem eben zitierten NZZ-Artikel soll sogar in Marokko, also einem islamischen Land, über ein Burkaverbot debattiert werden! Bei uns haben Touristiker schon Angst wenn im Kanton Tessin ein Vermummungsverbot eingeführt wird.

    Diskussion über ein Burkaverbot im Maghreb

  3. Du meinst also tatsächlich die junge Frau hätte ihr Leben gerettet trotz Freund, trotz Schminke, trotz sexy Kleidung, wenn sie nur auf das Kopftuch nicht verzichtet hätte? Mal ganz abgesehen davon das ein Kopftuch kein Gesichtsschleier ist und vom Burkaverbot nicht betroffen ist.

    Frau Keller-Messahli ist tatsächlich anderer Meinung als ich, aber auch anderer Meinung als Du: Sie befürwortet das Burkaverbot als einen „Beitrag“ zur verbesserten Stellung muslimischer Frauen, aber nicht als Problemlösung, so wie Du. Ihr ist auch klar, das sich muslimische Kreise – speziell auch im Kontext mit anderen Diskriminierungen in der Schweiz – durch ein Burkaverbot diskriminiert fühlen werden. Dabei ist unerheblich, ob der Islam irgendetwas vorschreibt oder nicht, so lange es um eine Art religiösen Brauchtums geht.

    Das auch muslimische Kreise sich für ein Burkaverbot einsetzen heisst nicht das die Befürwortung eines Burkaverbots bei vielen Schweizern nicht auf Fremdenfeindlichkeit oder Islamfeindlichkeit basieren. Im Kontext vieler Deiner Beiträge über die letzten Jahre hier auf Dailytalk nehme ich speziell Dir nicht ab, das es Dir nur um die muslimische Frau geht.

    Ich befürworte das Tragen einer Burka nicht, die „Verkleidung“ z. B. einer Frau Illi sehe ich als reine Provokation (wobei sie scheinbar nicht Burka trägt, sondern Niqab). Die Nützlichkeit des Burkaverbots im Kontext gesetzt damit das es wirtschaftlichen Schaden anrichten kann und sich eine grosse Minderheit in der Schweiz diskriminiert fühlen könnte halte ich jedoch für problematisch.

  4. Nein Frank. Wenn du meinen Artikel genau liest, dann wirst du feststellen, dass das Mädchen von mir als Beispiel dafür herangezogen wurde, dass Drohungen manchmal auch umgesetzt werden. Es ist darüber hinaus auch deshalb interessant weil es aufzeigt, dass nicht alle Frauen ein Kopftuch tragen wollen und dass es deswegen zu Konflikten kommt. Das ist der richtige Kontext, welcher der aufmerksame Leser zu erkennen vermag.

    Ich denke, dass Frau Keller-Messahli was dieses Thema hier angeht mit mir einer Meinung ist. So wie ich Frau Keller-Messahli verstanden habe, geht es ihr um die Frauenrechte, mir auch.

  5. Es liegt im Bereich des Denkbaren, dass Burkaträgerinnen explizid provozieren sollen, damit im Background ungestört an Parallelgesellschaft gearbeitet werden kann. In Bern direkt angrenzend ans DEZA entsteht derzeit ein Haus der Religionen. Neuerdings fallen „parallel“ dazu auch mehr „verhüllte“ Frauen auf in Bern.

  6. Sind das die aus Uster ZH stammende Frau Illi und ihre Kolleginnen? Wikipedia und Medienberichten zufolge soll Frau Illi gelernte Polygrafin sein und einst in der Zürcher Punkszene aktiv gewesen sein. (Quelle1) (Quelle2) Die Punks kann man dem politisch linken Lager zuordnen. (Quelle) Jedenfalls zählen sich die Punks selber eher dem linken politischen Lager zu. Es ist daher denkbar, dass Frau Illi grün oder rot wählt sofern sie überhaupt wählen geht. Kennengelernt haben soll sie ihren Ehemann an einer Solidaritäts-Aktion für Palästina. Ob Geri Müller, der grüne Stadtpräsident von Baden, wohl auch an dieser Demo dabei war?

    Ihr Ehemann soll übrigens noch eine zweite Ehefrau haben. Zitat aus der Berner Zeitung:

    Nora Illi selber lebt offenbar in einer Vielehe. Sie ist seit 2003 verheiratet mit Qaasim Illi. Dieser ist selber ein zum Islam konvertierter Schweizer. Er ist auch Vorstandsmitglied des Vereins Islamischer Zentralrat Schweiz. Der Verein sorgte in den letzten Jahren mehrmals für Schlagzeilen. Qaasim Illi hat angeblich 2011 eine zweite Frau geheiratet.

    Sollte das stimmen, dann dürfte Frau Illi eine der wenigen gebürtigen Schweizerinnen christlicher Herkunft sein, die es akzeptiert, dass ihr Ehemann eine zweite Ehefrau hat.

    Zitat aus einem Medienartikel:

    «Als Jugendliche ist Nora in der Punk-Szene aktiv, rebelliert gegen die Normen einer Gesellschaft, in der das Äussere einen hohen Stellenwert hat. Ihr Vater ist Psychotherapeut aus Deutschland, die Mutter Sozialpädagogin. Die Ehe der Eltern ist geschieden. Nora sucht nach Halt in ihrem Leben – und findet ihn im Islam. Sie sagt: «Der Islam ist nicht einfach eine Religion, er ist das ganze Leben.»

  7. Im Tagesanzeiger wurde vor ein paar Tagen ein Interessantes Interview mit dem marokkanischen Blogger und Schriftsteller Kacem El Ghazzali publiziert.

    Zitate aus dem Interview mit dem Titel «Die Burka soll das Individuelle töten»:

    Herr Ghazzali, Sie befürworten ein schweizweites Burkaverbot. Warum?
    In der Schweiz sollte man endlich verstehen, dass gegen die Burka zu sein nicht bedeutet, gegen Muslime zu sein. Es gibt viele Muslime, die stellen sich auf den Standpunkt, dass die Burka nicht zu ihrer Kultur gehört und deshalb in der Schweiz nichts verloren hat. Die ­Burka zu tolerieren unterläuft zudem ­alle Integrationsbestrebungen.

    Was halten Sie vom Argument, dass das Burkatragen zum Recht auf freie Reli­gionsausübung gehört?
    Auf der einen Seite Toleranz einfordern, diese dann aber den eigenen Frauen nicht gewähren – diese Haltung ist für mich unverständlich. Wer setzt sich denn für die unschuldigen Frauen ein, die unter einer Burka oder einer Niqab leben müssen? Als Verfechter der Menschenrechte und Freidenker stelle ich mich ganz klar dagegen, dass diese Leute unter dem Etikett Religionsfreiheit Frauen und Kinder unterdrücken, demütigen und erniedrigen dürfen. Es ist ein Recht der Mädchen aus islamischen Familien, beispielsweise am Schwimmunterricht teilzunehmen. Wer diese fundamentalistischen Eltern verteidigt, tritt die Rechte eines Kindes auf Bildung und Teil dieser Gesellschaft zu werden mit Füssen.

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