Nein zur chemischen Kastration von Straftätern

Von Alexander Müller veröffentlicht am 19. September 2013 | 3.511 mal gesehen

This Jenny, Glarner SVP-Ständerat, will gewissen Leuten die Eier abschneiden
This Jenny, Glarner SVP-Ständerat, will gewissen Leuten die Eier abschneiden. Zitat Jenny:  «Das macht man bei Hunden schliesslich auch.»

Das Tötungsdelikt an Adeline M. in Genf hat die Emotionen hochgehen lassen. Einzelne wollen, Sexualstraftäter zu kastrieren. Der Glarner SVP-Ständerat This Jenny meinte in einer Fernsehsendung gar, dass Leuten wie Anthamatten die Eier abgeschnitten werden sollten.

Ich lehne solch barbarische Methoden wie sie von SVP-Exponenten gefordert werden ab. Einem Vergewaltiger die Eier abzuschneiden ist so primitiv wie einem Dieb die Hände abzuhacken. Auch von einer chemischen Kastration halte ich wenig. Auf freiwilliger Basis finde ich eine chemische Kastration akzeptabel aber sonst nicht.

Warum bin ich dagegen? Hierfür gibt es viele Gründe. Einerseits bezweifle ich, dass dies in jedem Fall zum erwünschten Resultat führt. Gerade bei der Tötung von Adeline M. wurde nichts über eine Vergewaltigung berichtet. Der Täter hat ihr offenbar einfach die Kehle durchgeschnitten. Ich denke, dass hinter einer solchen Tat sadistische Gefühle stecken, die auch ein Kastrierter haben kann.

Weiter glaube ich nicht an die Unfehlbarkeit unseres Justizsystems. Es hat immer wieder Fälle gegeben, bei denen Unschuldige als vermeintliche Vergewaltiger hinter Gitter kamen.

Unschuldig

Weitere Fälle wie jener von Kachelmann zeigen wozu manche Frauen fähig sind. Was wenn ein Mann von einer Frau zu unrecht einer Vergewaltigung bezichtigt wird? Fändet ihr es gut, wenn der einfach chemisch kastriert würde? Ich nicht.

Wie weit gewisse Frauen zuweilen gehen, zeigte im Jahr 2009 auch der Fall einer Frau, die sich mit einem Messer SVP auf den Leib ritze und anschliessend behauptete von Rechtsextremen misshandelt worden zu sein. Mehr über diese Geschichte erfahrt ihr hier.

Ich bezweilfe, dass die Tötung von Adeline M. mit Eiern abschneiden oder chemischer Kastration hätte verhindert werden können. Ich bin aber davon überzeugt, dass Adeline M. heute noch leben würde, wenn die Behörden grundlegende Sicherheitsbestimmungen eingehalten hätten.

Nein zur chemischen Kastration von Straftätern
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8 Gedanken zu „Nein zur chemischen Kastration von Straftätern“

  1. Eier abschneiden – nein (ich denke nicht, dass This Jenny das wirklich ernst meinte – ist halt eine Redewendung). Chemische Kastration – ja (zumal dieser Schritt wieder rückgängig gemacht werden kann). Dass Adeline M. heute höchstwahrscheinlich trotzdem tot wäre, auch wenn Anthamatten kastriert wäre, tut nichts zur Sache (das sind Systemfehler, die behoben werden können, wenn man will). Länder wie Südkorea oder Polen haben die chemische Kastration bereits eingeführt – die Schweiz sollte folgen. Dass dabei die ‚Menschenrechte‘ von Triebtätern ‚verletzt‘ werden, sollte uns nicht davon abhalten.

  2. Ich bin gegen die zwangsweise chemische Kastration, solltest du auch sein Björn. Die Justiz ist nicht unfehlbar und es gibt immer wieder Fälle wie jener des Mannes, der als Vergewaltiger hinter Gitter kam weil eine Frau gelogen hat. Auch in der Schweiz!

    Zur Aussage von Jenny, hier hast du es live. Bilde dir eine Meinung, die Aussage ist eindeutig, da gibt es nichts zu beschönigen.

    1. Ha ha, der Jenny voll im Eifer! Trotzdem glaube ich nicht, dass der This einem operativen Abschneiden der Eier zustimmen würde, wenn diese Vorlage käme. Chemische Kastration allerdings schon. Alexander, natürlich gibt es Fälle von Frauen, die lügen und behaupten vergewaltigt worden zu sein; aber das sind dann wohl Beziehungen gone bad und nicht Frauen die von einem fremden sexuell angegriffen worden sind a la Anthamatten. Daher gibt es keinen guten Grund bei einem Anthamatten, der mehrfach vergewaltigt hat, nicht chemisch einzugreifen. Noch besser wäre allerdings, was This Jenny sagt – 10, 12 Stunden pro Tag harte Arbeit statt Kuscheltherapie und Pauschalumarmungen für Verbrecher.

  3. Die chemische Kastration muss ja nicht zwangsweise erfolgen. Man kann den verurteilten Täter z. B. vor die Wahl stellen, 10 weitere Jahre im Gefängnis zu sitzen oder eben diese Pillen zu schlucken.
    Und es kann sehr wohl sein, dass das die Tötung von Adeline M. verhindert hätte. Das Absenken des Testosteronspiegels (und die chemisch Kastration macht ja nichts anderes) senkt auch die Aggressivität. Und dieser Umstand kann unter Umständen eben Gewalttaten verhindern.
    Aber das Problem liegt ja eigentlich viel tiefer, ist meiner Meinung nach systemimmanent. Alle reden zwar davon, aber unser Rechtssystem ist nicht unabhängig. Gezeigt hat sich das kürzlich wieder, als der Zürcher Regierungsrat den Oberstaatsanwalt gewählt hat. Wie kann eine Behörde unabhängig sein, wenn sie von einer anderen Behörde bestimmt wird?
    Es wäre also wünschenswert, wenn die direkte Demkratie auch hier Einzug halten würde und der Wähler sowohl Staatsanwälte als auch Richter wählen könnte. Dann könnten auch Richter, die zu lasche Urteile fällen und Staatsanwälte, die unliebsame Prozesse verschlampen, einfach wieder abgewählt werden.
    Dass die Demokratie auch wieder in Form von Geschworenen in die Gerichtssäle einziehen sollte, ist dann noch ein ganz anderes Kapitel.

  4. Herr Aregger, auch weniger aggressive Menschen können aus Kalkül oder aufgrund irgendwelcher sadistischer Fantasien töten. Ausserdem, wenn einer zu Unrecht im Gefängnis ist, so wie der Lehrer in Deutschland, dann wird er wohl kaum seiner chemischen Kastration zustimmen. Wollen sie so einen dann einfach 10 Jahre länger einsperren? Mit welcher rechtlichen Grundlage?

    Meiner Meinung nach könnte Adeline M. noch leben, wenn grundlegendste Sicherheitsbestimmungen eingehalten worden wären. Wieso wurde Adeline M. alleine und ohne Sicherheitspersonal mit Anthamatten gelassen? Wie kann es sein, dass er ein Messer, die Mordwaffe, mit Erlaubnis der Gefängnisleitung kaufen konnte? Das ist doch unerhört so etwas.

    Also bevor wir über chemische Kastration nachdenken, sollen wir vielleicht erst einmal das Naheliegende und Einfache tun, nämlich für Sicherheit sorgen! Die Sicherheitsmängel im Justizvollzug gehören behoben.

  5. Ich sag’ ja nicht, dass eine chemische Kastration in jedem Fall eine Lösung bietet. Aber gewisse Triebe werden dadurch halt ausgeschaltet oder zumindest gemildert.
    Und ich gebe Ihnen insofern recht, dass ein unschuldig im Gefängnis Sitzender natürlich dem nicht zustimmt – nicht zustimmen darf. Aber die Inhaftierung Unschuldiger hat halt – vor allem auch in der Schweiz – eine lange Tradition: Stichwort Untersuchungshaft. Davon halte ich ja gar nichts.
    Und auch klar ist, dass ein verurteilter Vergewaltiger, meiner Meinung nach, eigentlich keinen Freigang bekommen sollte. Und schon gar nicht, um ein Messer kaufen zu können. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man fast darüber lachen – kafkaeske Welt sowas.

    Natürlich gehören Sicherheitsmänge im Justizvollzug behoben. Einige Umstände sind aber halt systemimmanent. Und dem kann man nur mit einem Umdenken bei der Gestaltung des Rechtssystems begegnen und nicht mit dem Ruf nach längeren Haftstrafen. Jemand muss die schärferen Strafen ja auch verhängen.

  6. Einem Dieb die Hände abzuhacken….von dem spricht ja gar niemand. Ausserdem bitte ich das Delikt eines Diebes nicht gleichzusetzen mit dem Delikt eines Vergewaltigers/ Mörders! Und überhaupt, was ist an dieser Methode so barbarisch? Ist es denn nicht barbarisch einer Frau die Kehle durchzuschneiden? Ist es nicht barbarisch ein solches Leid dem Umfeld des Opfers anzutun? All diese Menschen haben lebenslänglich! Lebenslänglich wird eine Mutter/Vater eines Opfers ihr Kind vermissen. Sich lebenslänglich mit der Frage des „Warum“ beschäftigen. Sich mit den Gefühlen der Wut, des Hasses, der Trauer auseinandersetzen müssen. Versuchen den Frieden wieder zu finden , wieder etwas Lebensfreude zu empfinden!
    Das Absenken des Testosteron hilft nicht nur gegen den Sexualtrieb sondern vermindert auch Aggressionen. Also was ist so falsch an der Aussage von This Jenny? Und die zusätzliche Arbeit des Steineklopfens im Gefängnis ist ebenfalls eine sehr gute Idee! Da kommen die Inhaftierten sicher auf andere Gedanken. Arbeit hat jedenfalls noch niemandem geschadet!!

  7. Frau Abgottspon, das Handabhacken für Diebstahl gehört zu den Schariastrafen. Die SVP gehört zu den schariakritischeren Parteien unseres Landes. Ich finde es deshalb interessant, wenn ausgerechnet ein SVP-Ständerat eine Strafe vorschlägt, die Schariastrafen ähnelt. Ich glaube nicht, dass es glaubwürdig ist, wenn man einerseits gewisse Strafen als barbarisch abtut und andererseits ähnliche Strafen vorschlägt. Zur Info: Es geht in beiden Fällen um das zwangsweise Entfernen von Körperteilen.

    Was Ihren Einwand betreffend Kehle durchschneiden angeht, so weise ich Sie darauf hin, dass auch ein Mann ohne Eier dazu in der Lage ist. Er braucht dazu einfach eine Hand und ein Messer. Mit den Eiern kann kein Mann einer Frau die Kehle durchschneiden. Es ist völlig abwegig zu glauben, dass Gewaltdelikte immer nur mit Aggression zu tun haben. Dieser Anthamatten soll während seiner Haft regen Kontakt mit einem anderen Häftling gehabt haben, der grauenhafte und sadistische Morde begangen hat. Ist es nicht denkbar, dass er sadistische Fantasien übernommen hat? Vielleicht wollte er damit bei seinem Kollegen auch einfach nur Eindruck schinden. Wir wissen es nicht. Jedenfalls gibt es keine Hinweise dafür, dass Anthamatten sein jüngstes Opfer vergewaltigt hat. Auch die Tat selber lässt eher den Rückschluss zu, dass sie geplant war und nicht einfach Ergebnis einer spontanen Aggression war. Er hat sich ja von der Gefängnisleitung die Bewilligung eingeholt ein Messer kaufen zu dürfen.

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