Unterhaltungswert von Politik

Von Alexander Müller veröffentlicht am 18. September 2013 | 1.548 mal gesehen

Wahlkämpfe können langweilig, spannend, lustig und unterhaltsam sein. Wenn man die Wahlkämpfe im deutschsprachigen Raum vergleicht so kann man deutliche Unterschiede erkennen. Diese betreffen vor allem die Art und Weise wie Wahlkämpfe ausgefochten werden. Die Mentalität der Beteiligten scheint dabei eine grosse  Rolle zu spielen.

Die trockensten, biedersten und langweiligsten Wahlkämpfe werden meiner Ansicht nach in Deutschland ausgefochten. Möglicherweise liegt das am wahrscheinlich etwas trockeneren Humor unserer nördlichen Nachbarn. Am amüsantesten und unterhaltsamsten finde ich österreichische Wahlkämpfe.

Nachfolgend als Beispiel zwei Wahlkampfsendungen im Vergleich:

In der Wahlkampfsendung in Österreich haben auch Emotionen Platz, was den Unterhaltungswert der Sendung steigert und die Kandidaten menschlicher und sympathischer herüber bringt.

Feymann von der SPÖ versus Strache von der FPÖ

Nach der Sendung folgte eine interessante Analyse des Duells von der FPÖ. So sieht ein farbiger und unterhaltsamer Wahlkampf aus!

Nicht so in Deutschland!

In der Wahlkampfsendung in Deutschland stehen zwei Kandidaten einer Gruppe von ehrfürchtigen Fernsehjournalisten gegenüber, die Schulbuben gleich ihren Paukern Fragen stellen. Sowohl die Kanzlerin als auch ihr Herausforderer wählen ihre Worte bedacht und vermitteln ihre trockenen und langweiligen Botschaften. Dies getreu dem Motto: „Bloss nichts falsch machen.“ Würde im Hintergrund der beiden Kandidaten nicht stehen, dass es sich um ein Duell handelt, die Zuschauer würden es wahrscheinlich nicht merken. Die Kommentatorin muss ja am Anfang der Dokumentation sogar noch betonen, dass sich Steinbrück angriffslustig gezeigt hat. Sonst hätte das wahrscheinlich keiner gemerkt.

Politikverdrossenheit entsteht dann, wenn Bürger das Gefühl haben nicht mitreden zu können und von langweiligen Politikern geführt werden. Die potentiellen Wähler in Deutschland gehen wahrscheinlich lieber nach Mallorca eine Party feiern als, dass sie sich diese langweiligen und biederen Wahlkampfsendungen in Deutschland anschauen.

In Deutschland müssten auch alternative Politiker wie z.B. jene der Alternative für Deutschland von den Staatssendern eine Plattform erhalten. Oder stellen Sie sich einmal ein TV-Duell zwischen einem Pro Deutschland Politiker und einem Politiker der Linken vor. Ich könnte mir vorstellen, dass dies zu höheren Einschaltquoten führen würde. Die Duelle wären dann zwar weniger ausgefeilt dafür aber lebendiger und unterhaltsamer.

Unterhaltungswert von Politik
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2 Gedanken zu „Unterhaltungswert von Politik“

  1. In der Politik gienge es letztlich auch nicht darum, eine Art DSD-Superstar zu suchen, sondern Volksvertreter. Es scheint, dass die Wahlkämpfe in den letzten Jahren jedoch in diese Richtung läuft.

  2. Einen gewissen Unterhaltungswert sollte es geben, wenn man will, dass sich die Leute für Politik interessieren. Auf langweilige Wahlduelle, die erst als solche deklariert werden müssen damit sie erkannt werden, sollte verzichtet werden.

    Ich frage mich was die Deutschen so toll an Angela Merkel und Peer Steinbrück finden. Für mich völlig unverständlich wie die solche Politiker wählen können. Ich gehe davon aus, dass Leute, die solche Politiker wählen eine andere Mentalität haben als ich. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur am komplizierten deutschen Wahlsystem, welches eine Mischung zwischen Proporz- und Majorzsystem ist (Verhältniswahl- und Mehrheitswahl). Die Deutschen nennen dieses Zwitter-Konstrukt personalisierte Verhältniswahl. Ein deutscher Wähler darf eine Erststimme und eine Zweitstimme abgeben. Die Hälfte der Parlamentarier des Bundestags wird durch Direktmandate gewählt und die andere Hälfte wird nach dem Verhältniswahlsystem durch Abgeordnete der Parteien gestellt, welche die 5% Hürde geschafft haben.

    Im Grund genommen ist es in Deutschland eigentlich egal was für Langweiler an der Spitze einer Partei stehen solange sie nicht negativ auffallen. Ich vermute, dass es deshalb in Deutschland kaum farbige und etwas lebendigere Politiker an die Spitze schaffen. Ein Opportunist wie Guido Westerwelle dürfte schon das höchste der Gefühle sein, das die deutsche Wählerseele im Moment zulässt.

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