Muss die Presse beleidigen und beschimpfen?

Von Alexander Müller veröffentlicht am 14. Januar 2014 | 1.631 mal gesehen

Laut Richtlinie 8.1 des Schweizer Presserats hat sich die Informationstätigkeit der Presse an der Achtung der Menschenwürde zu orientieren. Leider fehlt noch eine Richtlinie zur Vermeidung von Ehrverletzungen und Beschimpfungen. Wie die die folgenden Bilder zeigen, ist letzteres leider keine Selbstverständlichkeit:

Blick beschimpft Unglücksfahrer
Blick beschimpft Unglücksfahrer
Blick bezeichnet Fussballer als Trottel
Blick bezeichnet Fussballer als Trottel
Blick beleidigt Goalie
Blick beleidigt Goalie
Wäre hier eine Berichterstattung ohne Beleidigung auch möglich gewesen?
Wäre hier auch eine Berichterstattung ohne Beleidigung möglich gewesen?

Meiner Meinung nach sollten sich professionelle Journalisten am Arbeitsplatz anders ausdrücken. Es spricht zudem nicht für die Redaktoren, die solche Formulierungen in ihren Zeitungen zulassen.

Laut Artikel 173 und 177 StGB sind Ehrverletzungen und Beschimpfungen übrigens auf Antrag strafbar. Wer von einer Zeitung öffentlich als Depp bezeichnet wird, kann einen Strafantrag gegen die Zeitung einreichen. Weiter kann er eine Genugtuung, eine Gewinnherausgabe und eine öffentliche Entschuldigung verlangen. In den USA geht es in solchen Fällen um Millionen und das ist richtig so. Die Zeitungen verdienen schliesslich Geld mit solchen Artikeln.

Jeder kann einen Strafantrag einreichen, es empfiehlt sich jedoch bei Strafanträgen gegen Medien einen guten Anwalt dafür zu beauftragen. Medien verfügen über mehrere Anwälte, die sie verteidigen. Weiter benötigt ein Kläger bei den Zuständen im Schweizer Rechtsstaat mitunter einen langen Atem um zu seinem Recht zu kommen.

Aus politischer Sicht wäre es begrüssenswert wenn die Klagehürden gegen Medien für einfache Bürger gesenkt würden. Wähler sollten Politiker wählen, die sich dafür einsetzen. Solche Politiker sind jedoch rar, denn viele Politiker gehen aus wahltaktischen Gründen eine Art Symbiose mit den Medien ein. Ich würde mich für so etwas einsetzen, kandidiere aber im Moment nicht.

Muss die Presse beleidigen und beschimpfen?
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2 Gedanken zu „Muss die Presse beleidigen und beschimpfen?“

  1. Wo sind jetzt die Gewerkschaftsbosse? Beschäftig mit der Anti- Masseneinwanderungsintiative/alle gegen SVP wo sie Geld und Energie reinbuttern statt Angestellte zu verteidigen.

  2. Vielleicht helfen sie ihm ja bereits. Immerhin, mir hat der SKV (Gewerkschaft für kaufmännische Angestellte) im Gegensatz zur SVP geholfen. Allerdings helfen Gewerkschaftler hauptsächlich bei arbeitsrechtlichen Angelegenheiten. Für die Geschichte mit den Medien kann er selber einen guten Strafrechtler engagieren, habe ich auch gemacht. Antragsdelikte werden auf Staatskosten durchgeführt. Kommt es zu einer Verurteilung, muss der Verurteilte die Anwaltskosten des Klägers übernehmen. Neben dem strafrechtlichen Weg kann er auch zivilrechtlich gegen die Medien vorgehen. Hierfür sollte er dann aber einen Medienanwalt oder eine Medienanwältin engagieren.

    Persönlichkeitsrechte werden sowohl vom Strafrecht als auch durch das Zivilrecht geschützt. Deshalb kann sowohl über das Strafrecht als auch über das Zivilrecht gegen einen Beschuldigten vorgegangen werden. Beim Strafrecht besteht der Nachteil, dass das Verfahren nach einreichen des Strafantrags von einem Staatsanwalt durchgeführt wird. Nach meinen Erfahrungen ist das ein Nachteil. Das dürften auch andere gemerkt haben. Der zivilrechtliche Weg hat den Nachteil, dass er teurer ist. Ausserdem geht es beim zivilrechtlichen Weg nicht um eine strafrechtliche Verfolgung sondern um Schadenersatz, Gewinnherausgabe, Genugtuung und um eine öffentliche Wiedergutmachung.

    PS: Es ist in der Schweiz mitunter schwer einen Medienanwalt zu finden, der nicht bereits für die Medien arbeitet und daher aus Gründen eines Interessenskonflikts ablehnen muss. Das ist vor allem dann problematisch, wenn mehrere Medienhäusser involviert sind. In der Schweiz sind die Medien tatsächlich die 4. Gewalt im Land. Eine Gewalt, die nur von wenigen mächtigen Verlegern, den Medienoligarchen, und von den Staatsmedien kontrolliert wird und sich so richtig austoben kann.

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