Muss die Presse beleidigen und beschimpfen?

Von Alexander Müller veröffentlicht am 14. Januar 2014 | 1.612 mal gesehen

Laut Richtlinie 8.1 des Schweizer Presserats hat sich die Informationstätigkeit der Presse an der Achtung der Menschenwürde zu orientieren. Leider fehlt noch eine Richtlinie zur Vermeidung von Ehrverletzungen und Beschimpfungen. Wie die die folgenden Bilder zeigen, ist letzteres leider keine Selbstverständlichkeit:

Blick beschimpft Unglücksfahrer
Blick beschimpft Unglücksfahrer
Blick bezeichnet Fussballer als Trottel
Blick bezeichnet Fussballer als Trottel
Blick beleidigt Goalie
Blick beleidigt Goalie
Wäre hier eine Berichterstattung ohne Beleidigung auch möglich gewesen?
Wäre hier auch eine Berichterstattung ohne Beleidigung möglich gewesen?

Meiner Meinung nach sollten sich professionelle Journalisten am Arbeitsplatz anders ausdrücken. Es spricht zudem nicht für die Redaktoren, die solche Formulierungen in ihren Zeitungen zulassen.

Laut Artikel 173 und 177 StGB sind Ehrverletzungen und Beschimpfungen übrigens auf Antrag strafbar. Wer von einer Zeitung öffentlich als Depp bezeichnet wird, kann einen Strafantrag gegen die Zeitung einreichen. Weiter kann er eine Genugtuung, eine Gewinnherausgabe und eine öffentliche Entschuldigung verlangen. In den USA geht es in solchen Fällen um Millionen und das ist richtig so. Die Zeitungen verdienen schliesslich Geld mit solchen Artikeln.

Jeder kann einen Strafantrag einreichen, es empfiehlt sich jedoch bei Strafanträgen gegen Medien einen guten Anwalt dafür zu beauftragen. Medien verfügen über mehrere Anwälte, die sie verteidigen. Weiter benötigt ein Kläger bei den Zuständen im Schweizer Rechtsstaat mitunter einen langen Atem um zu seinem Recht zu kommen.

Aus politischer Sicht wäre es begrüssenswert wenn die Klagehürden gegen Medien für einfache Bürger gesenkt würden. Wähler sollten Politiker wählen, die sich dafür einsetzen. Solche Politiker sind jedoch rar, denn viele Politiker gehen aus wahltaktischen Gründen eine Art Symbiose mit den Medien ein. Ich würde mich für so etwas einsetzen, kandidiere aber im Moment nicht.