Massaker in Norwegen

Von Alexander Müller veröffentlicht am 24. Juli 2011 | 3.827 mal gesehen

Kaum passiert, werden die beiden tragischen Massaker in Norwegen politisch ausgeschlachtet.  So wird auf einigen Blogs und in den Medien die norwegische  Tragödie bereits mit der politischen Realität in der Schweiz erklärt. Dies obwohl die Untersuchungen noch gar nicht abgeschlossen sind. Anbei ein Beispiel:

CVP-Politiker Daniel Wyss schreibt auf seinem Blog:

Da ich mich selber regelmässig in der Politik engagiere, geht mir dieser Anschlag vielleicht etwas näher, als vielen anderen Schweizern. Denn auch ich bemerke den laufend raueren Wind in der Politik. Eine Politik, in der extreme Positionen die Medien bestimmen und regelrecht den Hass fördern.

Was hat die politische Realität in der Schweiz mit dem Anschlag in Norwegen zu tun? Linke Politiker und Politiker der Mitte haben der SVP in der Vergangenheit vorgeworfen mit ihren Plakaten und Initiativen wie der Ausschaffungsinitiative Hass zu schüren. Den Initianten der Minarett-Initiative wurden vorgeworfen sie würden Islamfeindlichkeit schüren. Wenn man dann aber wieder sieht wer in der Schweiz Gewalt ausübt, so passt das ganz und gar nicht ins Bild, welches diese Leute zeichnen. Es sind nämlich Linke gewesen, die den SVP-Politiker Hans Fehr verprügelt haben. Es sind Linke gewesen, die eine Briefbombe an Swissnuclear geschickt haben. Es sind Linke gewesen, die einen Bombenanschlag auf das IBM-Forschungszentrum in Rüschlikon verüben wollten. Es sind Linke, die regelmässig am 1. Mai oder am WEF für Krawall sorgen. Es sind Linke, die regelmässig an Gebäuden von SVP-Politikern, der Werbeagentur GOAL und der UBS Sachschäden anrichten. Wenn die Annahme von Wyss zutreffen würde, müsste die rechte Gewalt zunehmen. Das ist in der Schweiz jedoch nicht der Fall.

Andere versuchen die Verbrechen in Norwegen dazu zu missbrauchen um gegen Killerspiele vorzugehen. Dabei weiss man längst, dass es nicht ausreicht einzig solche Spiele zu spielen um gewalttätig zu werden. Denn sonst würden ja lauter Egoshooter auf unseren Strassen herumlaufen. Es braucht schon wesentlich mehr, bis ein Mensch Amok läuft oder einen Terroranschlag verübt.  Isolation, soziale Ausgrenzung, psychische Erkrankungen, persönliche Probleme, religiöser Fanatismus usw. führen wahrscheinlich eher zu solchen Taten als das Spielen von Killerspielen.

Vollkommen vermeiden wird man solche Taten übrigens nie können. Wenn jemand anderen ein Leid zufügen will, wird er einen Weg finden. Motive bzw. Ursachen gibt es viele.

Massaker in Norwegen
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5 Gedanken zu „Massaker in Norwegen“

  1. Schon wieder die Volksseele getroffen. lieber Müller. Sie sind ein Held. Wir haben es sehr genossen, als sie die Tontaubengeschichte versuchten als kriminelle Energie der Linken auszuschlachten. Das war geil! Und nun die Empörung! So richtig derb und deftig, wie es uns gefällt. Und unter uns: Erinneren Sie sich an die Plakate mit den roten Ratten? Der Typ in Norwegen hat sich damit amüsiert, die Brut dieser Ratten zu jagen. Ist doch toll. Nicht. Machen sie weiter so! Sie treffen genau unser Niveau und sind nach unserm Gusto! Lg. Kreti und Pleti

  2. Man sollte nicht anderen etwas vorwerfen, dass man selbst macht. Erbärmlich und respektlos. Politisch ausgeschlachtet wird die Geschichte jetzt von Ihnen, um die Stimmung möglichst in eine Richtung zu lenken. (von den seltsamen Zusammenhängen im Beitrag fange ich gar nicht erst an. CVP und Linke…)

  3. Die Aussage, Gewalttaten würde aufgrund subjektiver Störungen bzw. Probleme entstehen und seien nicht politisch motiviert oder höchstens unter anderem: Diese Aussage gilt entweder generell (also auch für den 1. Mai und die anderen aufgelisteten Gewalttaten) – oder sie ist falsch.
    Die Aussage, rechte Gewalt in der Schweiz würde nicht zunehmen, ist ohne Basis. Wenn Polizisten mit der Armeewaffe erschossen werden oder Rentner in Biel Amok laufen, dann werden solche Taten immer individualisiert; Anschläge auf Forschungszentren werden immer ideologisiert.
    Die Frage, ob IslamkritikerInnen nicht eine Gefahr heraufbeschwören, welche gerade sensible und anfällige Personen auf eine Art bedrohen kann, dass sie nur noch mit einer extremen Tat darauf reagieren können – diese Frage dürfte auf diesem Blog genau so seriös diskutiert werden wie die Frage, ob ein lockerer Sprachgebrauch eines Jusos auf Twitter Gewalt gegen SVP-Politiker begünstige.

  4. Lieber Alexander,

    Wenn Du in meinem Blogbeitrag (Gedanken zu den Anschlägen von Norwegen) irgendwo das Wort SVP liest, dann hast Du mit Deinen Zeilen oben recht. Aber dem ist nicht so. Ich habe meinen Beitrag eher selbstkritisch geschrieben, bezogen auf die Politik als solches. Es ist nicht korrekt zu sagen, dass ich etwa noch die SVP angreifen wollte.

    Mir ist durchaus bewusst, dass rechte, wie auch linke Polarisierung eben solche Gewalttaten unterstützen kann. Isolation, soziale Ausgrenzung, psychische Erkrankungen, persönliche Probleme, religiöser Fanatismus sind sicherlich ebenfalls Auslöser. Wenn aber dann die Politik noch Hass schafft, dann werden erst Ziele geschaffen.

    In meinem Blogbeitrag geht es nicht um die SVP, sondern um Extremisten aus rechten, linken und auch aus dem Ökoterrorismus.

    Im weiteren möchte ich noch etwas klarstellen: Ich sage auch nicht, dass die Schweizer Politik für den Anschlag in Oslo zuständig ist, oder gar Schuld ist. Ich reflektiere nur zurück in die Schweiz. Es geht nicht darum der SVP die Schuld für etwas zu geben, wo sie nicht Schuld sein kann: Einen Anschlag im Ausland!

    Daniel

  5. Hallo Philipp, willst du damit sagen, dass der Rentner in Biel aus politischen Gründen auf einen Polizisten geschossen hat? Hast du diesen Zeitungsartikel schon gelesen? Ich denke nicht, dass Kneubühl aus politischen Gründen gehandelt hat.

    Ich erachte David Roth nicht als gewöhnlichen JUSO. Er ist Präsident der JUSO Schweiz und kandidiert für den Nationalrat. Somit sollte er meiner Meinung nach eine Vorbildfunktion für die übrigen JUSO wahrnehmen. Indem er schreibt, dass er SVP-Politiker Thomas Matter eine reingeknallt hat, nimmt er diese Vorbildfunktion meiner Meinung nach nicht wahr. Daselbe gilt für seinen Vorgänger Cedric Wermuth, dieser hat sich sogar als Hausfriedensbrecher betätigt und als Kiffer geoutet. Auch das aus meiner Sicht nicht sehr vorbildlich.

    Hallo Daniel, ich sehe einfach den Zusammenhang zwischen realer Politik und der Schiesserei in Norwegen nicht. Soviel ich mitbekommen habe, ist der Täter ein Mann, der sich über die Islamisierung Europas geärgert hat und Killergames gespielt hat. Es gibt viele Leute, die gegen eine Islamisierung Europas sind und es gibt viele Leute, die Killergames spielen. Der Vorfall in Norwegen ist jedoch ein Einzelfall. Ich denke nicht, dass man deshalb pauschale Urteile über politische Gegner oder Spieler von Killergames abgeben kann.

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