Kampfjet-Debakel

Von Alexander Müller veröffentlicht am 18. Februar 2012 | 3.511 mal gesehen

Die Beschaffung neuer Kampfjets verkommt immer mehr zum Debakel. Laut Ueli Maurer haben die Zuständigen des Bundes vergeblich versucht die Anschaffung der Kampfjets mit politischen Gegengeschäften zu verknüpfen. Man habe zum Beispiel versucht Zugeständnisse bei Steuerfragen zu erringen. Doch weder Deutschland, Frankreich noch Schweden seien dazu bereit gewesen. Offenbar hat unser Bundesrat wieder einmal einen Kniefall gemacht.

Angesichts dieser Tatsache muss man sich schon fragen wie dumm unsere Bundesräte eigentlich sind. Beim Kauf von Kampfflugzeugen sind Gegengeschäfte üblich. Wenn Deutschland, Frankreich und Schweden dazu nicht bereit sind, dann kauft man eben in den USA oder in Russland ein. Auf diesen qualitativ minderwertigen EU-Schrott kann man ohnehin verzichten.

Es ist doch unerhört! Wie blöd muss man eigentlich sein, wenn man bereit ist ohne Gegengeschäfte die Katze im Sack zu kaufen? Der von der Schweiz bestellte Gripen E/F existiert ja noch nicht einmal. Folglich ist er natürlich auch noch nicht getestet worden. Wie kann man sich bloss auf einen solchen Deal einlassen? Das ist doch strohdumm! Es sei denn, die Unterhändler haben in irgendeiner Weise profitiert. Zum Beispiel könnte Schmiergeld geflossen sein.

Ich als Steuerzahler habe grösste Mühe mit diesem Kaufvorhaben. Meiner Ansicht nach gehört der Kampfjet-Kauf unverzüglich sistiert und die Sache untersucht. Zudem sollte man sich überlegen ob man die für dieses Debakel Verantwortlichen nicht besser entlässt. Unser Land kann sich weder schlechte Waffen noch Schönwetter-Generäle und Generalstabsoffiziere ohne Kriegserfahrung leisten.

Kampfjet-Debakel
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7 Gedanken zu „Kampfjet-Debakel“

  1. Das Prinzip der Gegengeschäfte bei grossen staatlichen Leistungen wie etwa dem Kampfjet-Auftrag hat sich bitte sehr nicht ausgerechnet auf den Quatsch mit den weltweiten Steuergesetz-Schlampereien zu fokussieren. Dort ist eine saubere Lösung zu finden, die dann (wenn sie eben gut ist) nicht auf Quer-Support durch andere Geschäfte angewiesen ist, sondern per se durchgesetzt werden kann !

    Geradezu witzig ist die Bemerkung „Wenn Deutschland, Frankreich und Schweden dazu [zu Gegengeschäften, zB. Zugeständnissen bei Steuerfragen] nicht bereit sind, dann kauft man eben in den USA oder in Russland ein“. Ausgerechnet von den USA, von denen die Schweiz am stärksten wegen unserer Steuerhinterziehungs-Begünstigung unter Druck ist. Wann die Steuergesetzfrage zum Kriterium für die Vergabe des Kampfjet-Auftrags wird, dann müssten wir tatsächlich in Russland oder in einem Drittwelt-Land einkaufen, weil die Schweiz von dieser Seite wohl nicht mit Steuergesetz-Forderungen konfrontiert werden wird, solange die Machthaber selber unversteuerte Gelder in der Schweiz haben !

    In einem Punkt jedoch bin ich sehr einverstanden: auch ich als Steuerzahler habe Mühe mit dieser Ausgabe, zu der wir Steuerzahler zwar die Moneten liefern, aber ganz im Sinne der Demokratie à la Switzerland nichts zu sagen haben.
    Den Entscheid Gripen oder anderer Jet kann ich nicht treffen, da ich das nicht kompetent beurteilen kann – hier würde ich vorschlagen, dass das Volk (oder das Parlament) eine Expertengruppe mit Beteiligung aller Stakeholders benennt, welche eine Empfehlung erarbeitet und diese dann auch (unter Einsatz des persönlichen Vermögens) zu verantworten hat. Und das zahlende Volk konnte dann der Empfehlung dieser Expertengruppe zustimmen oder diese ablehnen.

    Bezüglich Gripen habe ich im Übrigen noch einen Vorbehalt, der mich nachdenklich macht: die finanzielle Solidität der Svenska Aeroplan AktieBolaget (SAAB, deren Automobil-Geschäft, allerdings vor Jahren schon ausgelagert, Konkurs anmelden musste), wird in keinem einzigen Bericht auch nur erwähnt. Angesichts der Pleite der Autosparte hätte ich erwartet, dass man Wert darauf legt, zu betonen, dass die Flugzeuge-SAAB finanziell gesund ist (und technische Garantien einhalten kann), und das Schweigen darüber legt mir den Verdacht nahe, dass es Gründe gibt, diese Frage möglichst nicht zu thematisieren ..

  2. Werner, die USA haben wenigstens wesentlich bessere Flugzeuge zu bieten. Sie haben sogar die besten Flugzeuge zu bieten. Da können die Europäer nicht mehr mithalten. Die haben sogar Flugzeuge, die auf Flugzeugträgern landen und starten können. Das heisst, dass die Flugzeuge haben, die mit einer kurzen Start- und Landepiste auskommen und schnell starten können. Ideal für die Luftwaffe eines Alpen-Staats.

    Ich halte es für falsch aus Spargründen ein Flugzeug zu kaufen, dass man nicht getestet hat, weil es noch gar nicht existiert. Das ist einfach unprofessionell! Besonders schlimm finde ich, dass man sowas noch dazu ohne Gegengeschäfte tut. Gegengeschäfte sollen ja das Angebot attraktiver machen. Dann hätte man wenigstens noch sagen können: „Wir haben diesen Schrott gekauft, weil wir zudem ein interessantes politisches Gegengeschäft abschliessen konnten.“ Aber jetzt kann man noch nicht einmal das sagen. Das Einzige was man jetzt sagen kann ist, dass man wahrscheinlich eine Milliarde Schweizerfranken gespart hat. Damit kann man noch nicht einmal Pfennigfuchser beeindrucken. Denn günstiger als die Katze im Sack zu kaufen, wäre es, gar nichts zu kaufen.

    Meiner Meinung nach benötigt die Schweiz den besten Luftüberlegenheitsjäger, den es zurzeit auf der Welt gibt. Denn entweder haben wir eine Armee, die in der Lage ist unser Land zu verteidigen oder aber wir können uns die Ausgaben sparen und die Armee gleich abschaffen. Wobei, ein Land ohne Armee hat meiner Ansicht nach auf Dauer keinen Bestand.

    Eine schlechte Armee verliert die Achtung und den Rückhalt des Volkes!

    1. Richtig: ein Flugzeug zu kaufen, ohne es testen zu können, ist Schwachsinn.
      Zu diesem Schluss würden wohl auch die Stimmbürger kommen – und damit wäre das EMD gezwungen, Testflüge anzusetzen, um der Beschaffung bei der Abstimmung eine Chance zu verschaffen.

      Eigentlich hätte ich es am liebsten, wenn der Staat die einheimischen Flugwerke Stans und Altenrhein unterstützen würde, damit wir wieder ein eigenes Flugzeug in die Evaluation schicken könnten – wie damals vor 60 Jahren, als wir mit dem P16 eines der besten Kampfflugzeuge seiner Zeit hatten und nur die Schmiergelder- und Sabotage-Aktivitäten von Amerikanern und Dassault-Mirage den P16 erledigen und den Weg für Hawker-Hunter und Mirage freimachten. Diese Entscheidung war der erste Fehler – der zweite war, den einheimischen Anbietern nicht eine ähnliche staatliche Unterstützung zukommen zu lassen, wie dies in den USA, England und Frankreich für ihre Werke selbstverständlich war, sodass auch die Schweizer Flugzeugindustrie wieder konkurrenzfähig geworden wäre.
      http://de.wikipedia.org/wiki/FFA_P-16

  3. @A. Müller
    Darf ich den Chef-Testpilot (bis 2010) für die Gripen-Evaluation Res Schmid zitieren?
    „Spätestens in der ersten Mai-Woche dieses Jahres wird ein Testpilot von Armasuisse und ein Luftwaffenpilot den neuen Gripen E/F (Technologiedemonstrator) als Doppelsitzer fliegen.“
    Quelle: http://www.onz.ch/artikel/112298/

    Im onz.ch Artikel werden noch weitere Ihrer Fragen bzw. Unsicherheiten beantwortet. Und mit dem Armee-Budget sollten noch weitere Lücken gestopft werden (Luft- & Raketenabwehr, neue Drohnen, vollständige Ausrüstung für alle Soldaten (bisher nur teilweise vorhanden), Fahrzeuge mit modernerer Panzerung etc.).

    Und zum Thema „Luftüberlegenheitsjäger“.
    Beispielsweise der F-35 löchriges Fass. Er befindet sich immer noch in der Flugerprobungsphase (hat soweit (nach Erinnerung) ~2/3 der Tests bestanden), während derer zahlreiche teure Verzögerungen und teure Neukonstruktionen von Flugzeugteilen nötig wurden. Mit weiteren Verzögerungen & Neukonstruktionen ist leider noch zu rechnen.
    Weiteres zB. im Artikel „Air Force postpones decision on F-35 training school“ zu lesen.
    http://www.nwfdailynews.com/articles/force-46450-postpones-afb.html

    Meiner Einschätzung würde die Schweiz den F-35 vor ~2025 sowieso kaum kaufen können, weil Auftragsbücher des Herstellers übervoll sind. Hätte die Schweiz ihn jetzt schon bestellt, hätten wir die Neuauflage der Mirage-Affäre, womit die Chance eine Abstimmung zu gewinnen auch angesichts der anderen Lücken bei der Armee kaum gegeben wären. Als Nachfolgekandidat für den F/A-18 (bis ~2030 Flugfähig) käme er dann eher in Frage. Die Kaufentscheidung für den F/A-18 wird eventuell 2024/2025 erfolgen.

  4. Hammond, ich kann diesen Res Schmid nicht verstehen. Erstens hat er den Gripen E/F nicht geflogen, weil es den noch gar nicht gibt und 2. soll der aktuelle Gripen bei allen Tests schlechter abgeschnitten haben als seine Konkurrenten! Möglich, dass er noch mit Ach und Krach eine für die Schweizer Folklore-Armee genügende Leistung erbracht hat. Fakt ist jedoch, dass er in den Top-Armeen dieser Welt nicht vertreten ist. Zu den Flugzeugen aus den USA, ich halte diese nach wie vor für die Besten! Die Amerikaner setzen zudem auf die Stealth-Technologie. Gerade in der Nacht oder schlechten Sichtbedingungen ist es ein Vorteil, wenn ein Flugzeug von feindlichem Radar nur schwer oder gar nicht erkannt wird. So hätte unsere Luftwaffe in der Nacht und bei schlechter Sicht einen taktischen Vorteil. Angriffe erfolgen oft in der Nacht. Wenn also einer in der Nacht angreift, müsste er mit einem unsichtbaren Verteidiger rechnen. Aber soweit können unsere Generäle und Luftwaffenexperten wahrscheinlich nicht denken. Und sie wollen ja auch nur ein Polizei-Flugzeug kaufen…tja.

    Werner, ich würde auch Eigenproduktionen bevorzugen. Die Schweiz hat einst eigene Kampfflugzeuge gebaut. Leider fehlte den Schweizern die Ausdauer und der Schnauf. Nach ein paar Fehltest hat man die Übung entmutigt abgebrochen. Dabei haben z.B. die Amis wesentlich mehr Fehltest gehabt als die Schweizer aber eben, die Amis hatten mehr Ausdauer und mehr Geld. Zudem ist es nicht attraktiv Waffen und Kampfflugzeuge in der Schweiz zu bauen. Weil man sie wegen der linken Gesetzgebung kaum ins Ausland verkaufen dürfte. Die Linken würden jede Waffenlieferung stoppen, da sie explizit gegen Kriegsmaterialexporte sind.

    Heute fehlt den Schweizer Flugzeugbauern zudem das Know-How für den Bau von Kampfflugzeugen. Die haben den Anschluss verloren. Um den Anschluss wieder zu bekommen, müsste man allenfalls Industriespionage betreiben. Aber auch das dürfte politisch nicht durchsetzbar sein. Nicht bei unseren heutigen Politikern. In China wäre das machbar aber bei uns? Unsere Politiker möchten Muster- bzw. Sonntagsschüler sein.

  5. Der heutige SVP-Regierungsrat des Kantons Nidwalden, Res Schmid, hat während der ganzen Evaluationsphase als CHEF-Testpilot gewirkt. Er hat vor Kurzem erklärt, dass er den GRIPEN dem Chef VBS zum Kauf „empfohlen“ habe. Es gibt m.E. keinerlei Gründe, die Evaluationsarbeit und die Empfehlung von Res Schmid auch nur ansatzweise in Zweifel zu ziehen. Diesem Mann kann absolut vertraut werden.
    Die ganze „Anti-GRIPEN-Kampagne“ ist vor allem und in erster Linie die Folge von a) dem Kampf der linksbürgerlichen Allianzen gegen die Milizarmee insgesamt und b) jener Medien, welche seit Jahren in den Chor der Armeeabschaffer einstimmen und c) der tatsächlich wenig professionellen Kommunikationspolitik des VBS und der Armeeleitung in dieser TTE-Frage.

  6. Doch diese Zweifel gibt es und ich habe sie gerade genannt. Res Schmid hat den Gripen E/F nicht getestet. Der derzeit existierende Gripen hat bei allen Tests schlechter abgeschnitten als die Konkurrenz! Folglich ist die Aussage von Res Schmid unseriös.

    Dass die Gegner des Gripen Teil einer linken Kampagne seien ist sowas von absurd. Ich bin für Kampfflugzeuge, das habe ich in zahlreichen Blogbeiträgen immer und immer wieder geschrieben. Doch ich bin gegen den Kauf eines Flugzeugs, das noch gar nicht existiert und dessen Vorläufer bisher eine schlechte bis mässige Leistung erbracht haben!

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