Gesundheitswesen setzt falsche Anreize

Von Alexander Müller veröffentlicht am 11. Juni 2011 | 1.687 mal gesehen

Unser Gesundheitswesen krankt an zu hohen Kosten. Die Krankenkassenprämien steigen von Jahr zu Jahr. Einige Bürger sind sogar auf Subventionen der Kantone angewiesen, damit sie die Prämienlast tragen können. Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Ursachen für den Kostenanstieg gibt es viele. Das Gesundheitswesen ist ein Stückweit Opfer seines eigenen Erfolgs geworden. Denn nicht nur, aber auch wegen der hohen medizinischen Versorgungsqualität ist die Lebenserwartung in der Schweiz gestiegen. Wir werden immer älter und es gibt immer mehr ältere Menschen. Die Alterspyramide ist umgekehrt und zeigt auf, dass die Gesellschaft überaltert. Ältere Leute verursachen in der Regel höhere Gesundheitskosten als jüngere Menschen. Das ist jedoch nur ein Aspekt, welcher die Gesundheitskosten in die Höhe treibt.

Ein anderer Aspekt ist das System unseres Gesundheitswesens selbst. Dieses System ist so angelegt, dass jeder daran Beteiligte versucht seinen Nutzen davon zu maximieren. Die Versicherten, welche von Jahr zu Jahr immer höhere Prämien zahlen müssen, wollen auch etwas für ihr Geld zurückbekommen und gehen sofern sie die Gelegenheit dazu haben wegen jedem Wehwehchen zum Arzt und danach zum teureren Facharzt. Viele holen dazu noch eine Zweit- oder gar Drittmeinung von weiteren Experten ein.

Die Ärzte versuchen ebenfalls ihr Einkommen zu maximieren. Wie die Handelszeitung unlängst berichtete zum Teil mit unlauteren Mitteln und Betrug. So werden zum einen Leistungen angeboten, die gar nicht benötigt werden oder gar falsche Abrechnungen erstellt. Die daraus resultierenden Unkosten betragen mehrere Milliarden Schweizerfranken.

Die Pharmaindustrie verlangt von Schweizern für ihre Medikamente Preise, die ein Mehrfaches von dem Betragen, was  im Ausland dafür verlangt wird. Auch hier entstehen Unkosten in Milliardenhöhe.

Die Spitäler sind an einer möglichst guten Auslastung interessiert und bestrebt ihr Angebot auszubauen um den Umsatz weiter in die Höhe zu treiben. Auch sie versuchen möglichst viel vom System unseres kranken Gesundheitswesens zu profitieren. Ineffizienzen und Unnötigkeiten verschlingen auch hier mehrere Milliarden Schweizerfranken. Es gibt immer mehr Zwei- und Dreibettkrankenzimmer. Diese sollte man mit grossen Krankensälen ersetzen, sofern dies das Risiko der Ausbreitung von Infektionskrankheiten nicht massiv erhöht.

Alternativmediziner profitieren von der Zahlungspflicht der Krankenkassen und offerieren Hoffnungssuchenden eine breite Palette von Dienstleistungen, die keinen wissenschaftlichen Kriterien standhalten müssen.

Bei der Krankenpflege sehe ich im Moment am wenigsten Sparpotential, weil die Betreuung von Pflegebedürftigten sehr personalintensiv ist. Wir haben es hier auch mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun. Früher wurde ein grosser Teil der Krankenpflege von Angehörigen übernommen. Dies ist heute nicht mehr der Fall. Hier könnte man mit höheren Prämien oder einem höheren Selbstbehalt für die Krankenpflege Anreize setzen, die Angehörige dazu ermuntern wieder selber zu pflegen. Bei der stationären Pflege könnte man mit Auslagerungen ins Ausland Geld sparen. Asiatische Krankenpfleger sollen humaner als europäische Krankenpfleger sein und sie kosten wesentlich weniger. Auf Cash-TV wurde ein Mann vorgestellt, der mit seiner an Demenz erkrankten Mutter nach Tailand gegangen ist und dort ein Pflegeheim für Demenzerkrankte gegründet hat. Die Menschen werden dort offenbar besser und umfassender betreut als in Schweizer Pflegeheimen. In Schweizer Pflegeheimen gab es vereinzelt bereits Übergriffe von überfordertem und sadistischem Pflegepersonal. Pflegebedürftige wurden angekettet, geschlagen, sich selbst überlassen, teilweise in entwürdigenden Posen fotografiert und sogar sexuell missbraucht. Es gab sogar schon sogenannte Todesengel, die Patienten ermordet haben.

Das System ist deshalb so ineffizient, weil es auf einem gigantischen Umverteilungsappart basiert und weil der Staat einen deluxe Grundversicherungskatalog anbietet, der sogar alternativmedizinische Leistungen vorsieht. Ein Gesundheitswesen, welches mehr auf Eigenverantwortung und echte Marktkräfte setzen würde, wäre wesentlich günstiger. Wie könnte man dies erreichen? Mein Vorschlag wäre, dass man zunächst den Versorgungskatalog der obligatorischen Grundversicherung auf ein absolutes Minimum streicht. Wer mehr Leistungen will, soll mehr dafür bezahlen. Bei Härtefällen könnte das Sozialamt einspringen. Dies wäre wesentlich günstiger als wenn jeder einfach versucht das Maximum aus dem System zu ziehen.

Was die Politik tun kann:

  • Dafür sorgen, dass die Pharmaindustrie in der Schweiz ihre Medikamentenpreise senken muss
  • Den Leistungskatalog der obligatorischen Grundversicherung massiv zusammenstreichen und die Alternativmedizin wieder der fakultativen Zusatzversicherung zuweisen.
  • Versorgungsdichte verringern
  • Unrentable Kantonspitäler schliessen
  • Arzttarife senken
  • Krankenkassen mehr Freiheiten einräumen, so dass diese fehlbare Spitäler, Ärzte und Patienten wirksam sanktionieren können.
  • Berufsverbot für Ärzte und Alternativmediziner, die nachweislich betrügen
  • Wirksamkeit der Kontrolle der Krankenkassen erhöhen indem Vertrauensärzte Ärzte und Alternativmediziner kontrollieren
  • Strengere Kontrollen und härtere Sanktionsmassnahmen