Günstige Krankenkasse finden

Von Alexander Müller veröffentlicht am 7. November 2013 | 1.052 mal gesehen

Wo finde ich eine günstige Krankenkasse? Diese Frage werden sich auch in diesem Jahr wieder viele Versicherte in der Schweiz stellen. Der Grund liegt auf der Hand. Wie bereits in den vorangegangenen Jahren steigen die Krankenkassenprämien auch für das Versicherungsjahr 2014 wieder. Meine Krankenkasse erhöht die Prämie für die obligatorische Krankenversicherung um satte 8.4%! Zeit sich nach einer günstigeren Krankenkasse umzusehen. Wer wechseln will, hat noch bis zum 30.11.2013 Zeit seine bisherige Krankenkasse zu kündigen und zu einer günstigen Krankenkasse zu wechseln.

Um eine günstigere Krankenkasse zu finden eignet sich der Vergleichsdienst Comparis. Ebenfalls empfehlenswert ist aus meiner Sicht der Prämienrechner des Eidgenössischen Departements des Innern. Ich kann nur jedem raten diesen Rechner zu benutzen und zu einer günstigeren Krankenkasse zu wechseln. Die Politik gefordert, denn die alljährlichen Prämienerhöhungen sind eine Zumutung. Die Schweiz hat eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt!

Was kann die Politik tun?

In der Schweiz werden die Preise für Leistungen im Gesundheitswesen durch ein kompliziertes Tarifsystem gebildet. Die Preise sind das Ergebnis von Tarifverhandlungen zwischen Behörden und Vertragsparteien. Dieses komplizierte und unübersichtliche System verunmöglicht eine marktwirtschaftliche Preisbildung und erschwert den Wettbewerb. Der Tarifjungel verunmöglicht den Versicherungsnehmern einen direkten Vergleich von Leistungen. Die Preise werden politisiert und von Interessensgruppen beeinflusst. Dabei werden die Anreize für die Leistungserbringer so gesetzt, dass wirtschaftlich denkende Leistungserbringer ihr Angebot maximieren. Der Leidtragende dieses Systems ist letztlich der Versicherungsnehmer, welcher sich praktisch jedes Jahr mit steigenden Krankenkassenprämien konfrontiert sieht. Um das Kostenproblem im Gesundheitswesen anzugehen, müssen wir zunächst einmal die Kostentreiber des Schweizer Gesundheitswesens unter die Lupe nehmen.

Eine Fehlentwicklung unseres Systems lässt sich mit dem Fachbegriff Moral Hazard benennen. Dieser Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie moralische Versuchung. Gemeint ist eine Verhaltensänderung aufgrund einer Versicherung gegen ein Risiko. Versicherte verhalten sich risikofreudiger als sie dies ohne Risikoschutz tun würden, da die Risiken ihres leichtsinnigeren Verhaltens durch die Versicherung gedeckt sind. Bei Krankenversicherten führt dieser Effekt dazu, dass sie dazu neigen zusätzliche Leistungen nachzufragen. Der umfangreiche Leistungskatalog der obligatorischen Krankenversicherung fördert dieses Verhalten. Das kommt den Leistungserbringern im Schweizer Gesundheitswesen entgegen. Sie haben aufgrund des Tarifsystems Anreize um ihr Angebot zu maximieren. Es besteht dadurch die Versuchung für Leistungserbringer ihren Patienten Leistungen anzubieten, die über das notwendige Mass hinausgehen. Die Patienten wiederum haben aufgrund ihrer Versicherung nur wenig Anreize den Nutzen der angebotenen Leistung gegenüber den dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten abzuwägen. Damit sind unnötige Kostensteigerungen im Gesundheitswesen aufgrund des ineffizienten Systems vorprogrammiert. Diesen Fehlanreizen kann auf Patientenseite durch eine Erhöhung der Jahresfranchise und mit der Einführung eines Bonus-Malus-Systems entgegengewirkt werden. Das alleine reicht jedoch nicht, auch auf Seiten der Leistungserbringer muss den Anreizen für Fehlleistungen entgegengewirkt werden! Versicherungen versuchen das Verhalten der Leistungserbringer mit verschiedenen Versicherungsmodellen zu steuern. Meiner Meinung nach muss zudem das Tarifsystem einfacher, transparenter und vergleichbarer werden. Diesbezüglich stelle ich Pauschalen in Frage.

Die hohe Dichte von Leistungserbringern bzw. die erhöhte Verfügbarkeit von medizinischen Leistungen führt ebenfalls zu höheren Kosten. Wer einen Arzt oder einen Facharzt um die Ecke hat, geht schneller zum Arzt als jemand, der dafür eine lange Anreise in Kauf nehmen muss. Laut Santésuisse, dem Branchenverband der Krankenversicherer, kostet jede neue Arztpraxis die Versicherten zwischen 300’000 und 500’000 Schweizerfranken. Seit 2003 und 2011 nahm die Zahl der Fachärzte um 37% zu, die Bevölkerung wuchs im gleichen Zeitraum jedoch lediglich um 8%! Die Politik könnte diesem Problem mit einem Zulassungsstopp für Arztpraxen entgegenwirken.

Ein weiterer Kostentreiber sind Spitäler, die versuchen ihre Auslastung mit unnötigen Angeboten zu erhöhen. Hier ist der Bund gefordert und es ist eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Spitälern notwendig. Mit der Reduktion von kleinen Spitälern und der Schaffung von Kompetenzzentren kann diesem Problem entgegengewirkt werden.

Immer wieder als Kostentreiber wird auch die demographische Entwicklung der Schweizer Bevölkerung angegeben. Hier beruht die Kostensteigerung jedoch hauptsächlich auf den Gesundheitsausgaben im letzten Altersjahr. Diese Erkenntnis sollte sich in den Krankenkassenprämien widerspiegeln.

Ein aus meiner Sicht zuwenig berücksichtigter Kostentreiber ist das Konsum- und Suchtverhalten. Preise für Suchtmittel und Lebensmittel, welche die Fettleibigkeit begünstigen, könnten mit einer Gesundheitssteuer belegt werden. Die Einnahmen dieser Steuer könnten für die Subventionierung von Krankenkassenprämien verwendet werden. Ebenfalls denkbar ist eine Risikozulage für Süchtige. Ich denke da z.B. an höhere Krankenkassenprämien für Raucher.

Soviel zu den Kostentreibern und den Lösungsansätzen um diesen entgegenzuwirken. Bis die Politik endlich wirksame Massnahmen ergreift um die Kostensteigerungen im Schweizer Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen, bleibt den Versicherten wohl nur, sich für das kommende Jahr eine günstige Krankenkasse zu suchen.

Gesundheitswesen setzt falsche Anreize

Von Alexander Müller veröffentlicht am 11. Juni 2011 | 1.664 mal gesehen

Unser Gesundheitswesen krankt an zu hohen Kosten. Die Krankenkassenprämien steigen von Jahr zu Jahr. Einige Bürger sind sogar auf Subventionen der Kantone angewiesen, damit sie die Prämienlast tragen können. Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Ursachen für den Kostenanstieg gibt es viele. Das Gesundheitswesen ist ein Stückweit Opfer seines eigenen Erfolgs geworden. Denn nicht nur, aber auch wegen der hohen medizinischen Versorgungsqualität ist die Lebenserwartung in der Schweiz gestiegen. Wir werden immer älter und es gibt immer mehr ältere Menschen. Die Alterspyramide ist umgekehrt und zeigt auf, dass die Gesellschaft überaltert. Ältere Leute verursachen in der Regel höhere Gesundheitskosten als jüngere Menschen. Das ist jedoch nur ein Aspekt, welcher die Gesundheitskosten in die Höhe treibt.

Ein anderer Aspekt ist das System unseres Gesundheitswesens selbst. Dieses System ist so angelegt, dass jeder daran Beteiligte versucht seinen Nutzen davon zu maximieren. Die Versicherten, welche von Jahr zu Jahr immer höhere Prämien zahlen müssen, wollen auch etwas für ihr Geld zurückbekommen und gehen sofern sie die Gelegenheit dazu haben wegen jedem Wehwehchen zum Arzt und danach zum teureren Facharzt. Viele holen dazu noch eine Zweit- oder gar Drittmeinung von weiteren Experten ein.

Die Ärzte versuchen ebenfalls ihr Einkommen zu maximieren. Wie die Handelszeitung unlängst berichtete zum Teil mit unlauteren Mitteln und Betrug. So werden zum einen Leistungen angeboten, die gar nicht benötigt werden oder gar falsche Abrechnungen erstellt. Die daraus resultierenden Unkosten betragen mehrere Milliarden Schweizerfranken.

Die Pharmaindustrie verlangt von Schweizern für ihre Medikamente Preise, die ein Mehrfaches von dem Betragen, was  im Ausland dafür verlangt wird. Auch hier entstehen Unkosten in Milliardenhöhe.

Die Spitäler sind an einer möglichst guten Auslastung interessiert und bestrebt ihr Angebot auszubauen um den Umsatz weiter in die Höhe zu treiben. Auch sie versuchen möglichst viel vom System unseres kranken Gesundheitswesens zu profitieren. Ineffizienzen und Unnötigkeiten verschlingen auch hier mehrere Milliarden Schweizerfranken. Es gibt immer mehr Zwei- und Dreibettkrankenzimmer. Diese sollte man mit grossen Krankensälen ersetzen, sofern dies das Risiko der Ausbreitung von Infektionskrankheiten nicht massiv erhöht.

Alternativmediziner profitieren von der Zahlungspflicht der Krankenkassen und offerieren Hoffnungssuchenden eine breite Palette von Dienstleistungen, die keinen wissenschaftlichen Kriterien standhalten müssen.

Bei der Krankenpflege sehe ich im Moment am wenigsten Sparpotential, weil die Betreuung von Pflegebedürftigten sehr personalintensiv ist. Wir haben es hier auch mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun. Früher wurde ein grosser Teil der Krankenpflege von Angehörigen übernommen. Dies ist heute nicht mehr der Fall. Hier könnte man mit höheren Prämien oder einem höheren Selbstbehalt für die Krankenpflege Anreize setzen, die Angehörige dazu ermuntern wieder selber zu pflegen. Bei der stationären Pflege könnte man mit Auslagerungen ins Ausland Geld sparen. Asiatische Krankenpfleger sollen humaner als europäische Krankenpfleger sein und sie kosten wesentlich weniger. Auf Cash-TV wurde ein Mann vorgestellt, der mit seiner an Demenz erkrankten Mutter nach Tailand gegangen ist und dort ein Pflegeheim für Demenzerkrankte gegründet hat. Die Menschen werden dort offenbar besser und umfassender betreut als in Schweizer Pflegeheimen. In Schweizer Pflegeheimen gab es vereinzelt bereits Übergriffe von überfordertem und sadistischem Pflegepersonal. Pflegebedürftige wurden angekettet, geschlagen, sich selbst überlassen, teilweise in entwürdigenden Posen fotografiert und sogar sexuell missbraucht. Es gab sogar schon sogenannte Todesengel, die Patienten ermordet haben.

Das System ist deshalb so ineffizient, weil es auf einem gigantischen Umverteilungsappart basiert und weil der Staat einen deluxe Grundversicherungskatalog anbietet, der sogar alternativmedizinische Leistungen vorsieht. Ein Gesundheitswesen, welches mehr auf Eigenverantwortung und echte Marktkräfte setzen würde, wäre wesentlich günstiger. Wie könnte man dies erreichen? Mein Vorschlag wäre, dass man zunächst den Versorgungskatalog der obligatorischen Grundversicherung auf ein absolutes Minimum streicht. Wer mehr Leistungen will, soll mehr dafür bezahlen. Bei Härtefällen könnte das Sozialamt einspringen. Dies wäre wesentlich günstiger als wenn jeder einfach versucht das Maximum aus dem System zu ziehen.

Was die Politik tun kann:

  • Dafür sorgen, dass die Pharmaindustrie in der Schweiz ihre Medikamentenpreise senken muss
  • Den Leistungskatalog der obligatorischen Grundversicherung massiv zusammenstreichen und die Alternativmedizin wieder der fakultativen Zusatzversicherung zuweisen.
  • Versorgungsdichte verringern
  • Unrentable Kantonspitäler schliessen
  • Arzttarife senken
  • Krankenkassen mehr Freiheiten einräumen, so dass diese fehlbare Spitäler, Ärzte und Patienten wirksam sanktionieren können.
  • Berufsverbot für Ärzte und Alternativmediziner, die nachweislich betrügen
  • Wirksamkeit der Kontrolle der Krankenkassen erhöhen indem Vertrauensärzte Ärzte und Alternativmediziner kontrollieren
  • Strengere Kontrollen und härtere Sanktionsmassnahmen