Geschmacklosigkeiten des Nachtlebens

Von Alexander Müller veröffentlicht am 4. Oktober 2009 | 2.582 mal gesehen

An diesem Wochenende zog es mich um Mitternacht aus purer Langeweile ins Zürcher Nachtleben. Ich wollte den Feierabend geniessen und mich in einer lockeren Atmosphäre mit zivilisierten Menschen vergnügen. Also ging ich in einen Club in der Nähe des Zürcher Bellevues.

Erfreulich war, dass mich die Türsteherin relativ rasch hineinliess. An der Kasse musste ich dann allerdings einen saftigen Eintrittspreis von CHF 20.00, was ich angesichts des Angebots für Wucher halte, bezahlen. Dann wurde ich wie Vieh mit einem Stempel versehen, mit dem man bei Bedarf hätte feststellen können ob ich schon bezahlt habe oder nicht. Ein Ticket hätte es natürlich auch getan, hätte den Gastronom aber vermutlich mehr gekostet. Nachdem ich bezahlt hatte, ging es die Treppe hinauf zur Garderobe. Dort durfte ich CHF 3.50 fürs Aufbewahren meiner Lederjacke bezahlen und stieg dann die Treppe weiter nach oben in den Club.

Im Club drängten sich lauter junge Menschen mit ihren Körpern dicht aneinander und bewegten sich und ihre Köpfe zu hippiger Musik. Die Qualität der mit einer Mischung aus Alkohol, Schweiss und Rauch geschwängerten Luft war miserabel. Um zur nächsten Bar zu gelangen musste ich mir ersteinmal einen Weg durch die Menschenmassen bahnen. Ohne Bad in der verschwitzten Menschenmenge und viel Körperkontakt zu hin und her wippenden (wohlwollend: „tanzenden“) Leuten war dies allerdings nicht zu bewerkstelligen. An der Bar gönnte ich mir nach dieser ersten Herausforderung erst einmal einen Gin Tonic. Das dichte Gedränge liess jedoch keine entspannte Stimmung aufkommen. Ich suchte daher ersteinmal Schutz in einem noch höher gelegenen Stockwerk um von dort aus in Ruhe das Getränk geniessen zu können und die teilweise bereits besoffen hin und her wippenden Menschenmassen zu betrachten. Der DJ wechselte regelmässig die Stilrichtungen, was das Publikum jedoch nicht sonderlich zu stören schien. Im Gegenteil, das Publikum tanzte brav je nach Taktvorgabe nach der Pfeife des DJ’s. Positiv aufgefallen ist mir der, nach meinem Empfinden, hohe Frauenanteil im Club. Kontaktpotential ist also vorhanden.

Nachdem ich mir dieses Treiben eine Weile angetan hatte und mein Glas leer war, machte ich mich CHF 39.50 ärmer wieder auf und davon, denn mir war übel. Vermutlich lag es sowohl am Getränk als auch an der schlechten Luft im Club. Obwohl ich mich vor dem Weggehen extra geduscht hatte und mich nur rund 30 Minuten im Club aufgehalten hatte, stanken meine Kleider und Haare fürchterlich. Ich kam mir wie ein benutzter Aschenbecher vor. Folglich war ich froh bald wieder zuhause zu sein, mich der stinkenden Klamotten entledigen zu können und ein zweites mal innerhalb weniger Minuten eine ausgiebige Dusche zu nehmen.

Eigentlich würde ich als Single am Wochenende ja gerne hin und wieder ausgehen, denn alleine zuhause vor dem PC oder dem TV zu sitzen und die Wiederholungen von Spiegel TV Reportage, die Reportagen von Arte und NTV oder einen skandinavischen Krimi zu schauen ist zwar spannender als ein eben geschilderter Nachtclub-Besuch doch man kann ja nicht immer nur in der Stube hocken. Nun Sitze ich da und frage mich ob es eigentlich auch Clubs mit Geschmack für etwas ältere Leute (ab 30), die etwas mehr als stickige Luft, fetzige Musik und Alkohol erwarten, gibt. Im Vergleich zu den Cabaret-Shows aus den 30er und 50er Jahren, die in vielen Filmen immer wieder gezeigt werden, hinterlässt bei mir das heutige Angebot einen schäbigen Eindruck. Möglicherweise ist das Angebot jedoch auch einfach nur deshalb nicht vorhanden, weil die Nachfrage am Wochenende in diesem Segment kaum vorhanden ist.

Die einen werden zuhause hocken und sich um Kind und Kegel kümmern und die anderen werden am Sonntag irgendeiner Sportart nachgehen, Freunde oder Verwandte besuchen oder in der Gegend herumfahren und irgendwelche schönen Landschaften anschauen.

Geschmacklosigkeiten des Nachtlebens
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6 Gedanken zu „Geschmacklosigkeiten des Nachtlebens“

  1. Wieso sollte das „hoffentlich“ nicht ernst gemeint sein?

    Die Wirte beklagen sich über strengere Gesetze für den Nichtraucherschutz. Sie befürchten, dass ihr Publikum ausbleibt, wenn man in Bars nicht mehr rauchen kann. Dass 75% der Bevölkerung (meist die gebildeteren Leute mit höherem Einkommen) Nichtraucher sind scheinen sie nicht zu wissen. Die Lobby der Tabakindustrie ist immer noch viel zu stark. Wurde gestern sogar noch irgendwo von einer Zigaretten-Vertreterin angefragt ob ich Raucher sei. Sagte „nein“ und die Sache hatte sich erledigt. Die wollte mir bestimmt irgend so ein Rauchgift andrehen.

    Es mag ja cool für den Nachtclub-Betreiber sein wenn er möglichst viel Eintritt à CHF 20.00 kassiert und anschliessend an den Bars entsprechend mehr Getränke verkaufen kann, ob es für die Gäste jedoch so angenehm ist, wenn einem überall im überfüllten Club verschwitzte und besoffene Leute auf den Füssen herumtrampeln ist wieder eine andere Frage. Für Teenies mag so ein Bad in der Menge mit viel Schweiss und Körperkontakt ja noch anregend sein, ich finde es hingegen nur noch eklig.

    Auch der Viehstempel mag ja eine praktische Sache sein, eine Würdige ist es aber nicht.

    Was hat man davon wenn man in einen Club geht, dort viel Geld für Eintritt, Garderobe und Getränke liegenlässt, schlechte Luft einatmen muss und lauter Leute um sich herumstehen hat, die einem laufend auf die Füssen treten? Ist das cool? Ich persönlich könnte mir etwas Angenehmeres vorstellen. Schade haben wir keine Gentlemen Clubs in der Schweiz. Heutzutage ist alles auf die ungezogenen Rotznasen der antiautoritär erzogenen Kinder der Alt-1968er ausgelegt. Der Stil ist dabei auf der Strecke geblieben. Soll mir keiner sagen, dass Gangsta-Rapper mit zu weiten Hosen und Traineranzügen stilvoll gekleidet seien. Die sehen aus wie unterbelichtete völlig zugedröhnte Jugendliche aus den New Yorker Vollassi-Quartieren der 1990er Jahre.

  2. Na ja, es gibt soviele andere Möglichkeiten, wenn dir eine Disco nicht genehm ist. Wenn du es eher ruhig haben möchtest, dann solltest du nicht in einen Club gehen. Und wenn du es doch tust, dann ist es ehrlich gesagt schon etwas befremdend, wenn du dich nachher beschwerst.

    Ich brauche dies auch nicht wöchentlich. Doch hin und wieder tut es einfach gut sich mit Freunden, cooler Musik und auch etwas Alkohol vom Alltagsstress zu distanzieren.
    Ich weiss ja nicht, was du in diesem Club erwartet hast.

    Zum Thema Rauchverbot. Ich verstehe sehr gut, dass die Wirte gegen dieses Verbot sind. Stell dir bloss eine Nichtraucher-Bar vor. Sehr viele wollen am Abend eben ein Feierabendbier und eine Zigarette geniessen. Und wenn sie dies nicht mehr dürfen, dann werden sie auch nicht mehr kommen. Ob jetzt 75% der Bevölkerung Nichtraucher sind, spielt da keine Rolle. Denn der grösste Anteil der Gäste, solch einer Bar, gehört nunmal zu den anderen 25%! Und die Nichtraucher werden wohl kaum plötzlich in Scharen in die Bars strömen.

    Dass die Umsatze bei einem Rauchverbot zusammensacken, weiss ich von einem Bekannten, der im Kanton Solothurn mit dieser Situation zu kämpfen hat!

  3. Nun, ein guter Club sollte neben einem ansprechenden Design eine ausgezeichnete Belüftung haben (am Besten ein Rauchverbot), die amtlichen Bestimmungen bezüglich Hygiene einhalten, genügend Bewegungsfreiheit für seine Gäste bieten und über zuvorkommendes und freundliches Personal verfügen. Die Bars sollten den Gästen genügend Möglichkeit bieten um sich hinzusetzen und miteinander zu unterhalten. Die Musik an den Bars sollte also etwas leiser sein als jene auf der Tanzfläche. Die Preise sollten moderater sein. Eintrittspreise und Preise für die Garderobe sollten komplett wegfallen. Man bezahlt ja schon horrende Preise für die Getränke! Und schliesslich könnte ein Animationsprogramm z.B. Gogo-Tänzerinnen nicht schaden. (Für Shows und Gogo-Tänzerinnen wäre ich sogar bereit Eintritt zu bezahlen, denn dann weiss ich, dass einem in einem Club mehr geboten wird als eine Rauchvergiftung und das, was mir bereits das Autoradio zu bieten hat.)

    Aus Ländern wie Frankreich, Italien und Irland weiss man längst, dass die Leute auch bei einem Rauchverbot noch in die Clubs gehen. Die Nichtraucher sind in den Clubs nur deswegen in der Mehrheit, weil die Mehrheit der Nichtraucher solche Clubs meidet oder aber nur selten aufsucht. Ein Rauchverbot würde diesen Clubs ein angenehmeres Publikum bescheren. Wobei, diese Clubs das nicht nötig haben, denn sie haben schon mit den 25% Rauchern ausreichend Gäste um den Laden voll zu bekommen. Den Mitarbeitern gegenüber ist es jedoch nicht fair, es ist sogar widerrechtlich. Ein Arbeitgeber muss auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter achten!

    In OR Art. 328 heisst es:

    Abs. 1
    Der Arbeitgeber hat im Arbeitsverhältnis die Persönlichkeit des Arbeitnehmers zu achten und zu schützen, auf dessen Gesundheit gebührend Rücksicht zu nehmen und für die Wahrung der Sittlichkeit zu sorgen.

    Abs. 2
    Er hat zum Schutz von Leben, Gesundheit und persönlicher Integrität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Massnahmen zu treffen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar und den Verhältnissen des Betriebes oder Haushaltes angemessen sind, soweit es mit Rücksicht auf das einzelne Arbeitsverhältnis und die Natur der Arbeitsleistung ihm billigerweise zugemutet werden kann.

    Es geht übrigens nicht nur um Schweizer Clubs (dort ist es einfach ganz schlimm) aber auch an Bars gibt es gerade was die Hygiene und das Rauchen anbelangt unhaltbare Zustände. Man kann doch einem Gast nicht zumuten, dass er seine Ausgangsklamotten jedesmal reinigt, nachdem er eine Bar aufgesucht hat. Stellt euch mal vor was passiert, wenn man nach der Arbeit mit dem Anzug ins so einen Schuppen geht. Man müsste den nach jedem Besuch chemisch reinigen lassen!

  4. Dann musst du wieder in den Kanton St.Gallen zurückauswandern. Wir haben gerade ein striktes Rauchergesetz an der Urne durchgewunken.

  5. na ja Herr A. Müller, Sie haben ja Probleme…. 🙂
    Bleiben Sie doch einfach zu Hause oder besuchen Sie gepflegte Etablissements. Davon gibt es auch schon viele Rauchfreie, sicher auch in ZH. Ich als 45-jähriger käme auch nicht auf die Idee, eine Teenie-Disco oder so ein Doofen-Club zu besuchen und mich dann im Nachhinein zu beschweren……

    Ihre Sorgen möchte ich haben, echt!

    Sie sind so der Typ, der ein Karussel auf der Herbstmesse benutzt und sich dann beklagt, dass ihm schwindlig geworden ist auf dem blöden Ding.

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