Empörung über Sozialhilfebezüger

Von Alexander Müller veröffentlicht am 7. April 2013 | 1.955 mal gesehen

Der Blick empörte sich unlängst in mehreren Artikeln über den von ihm sogenannten «frechsten Sozialhilfe-Bezüger der Schweiz». Der Mann hatte sich vor Bundesgericht Sozialhilfe erstritten, nachdem ihm diese von seiner Wohngemeinde verweigert worden war.

Blick-Sozialhilfe

Doch was ist daran eigentlich so frech? Laut Gesetz hat jede in der Schweiz niedergelassene Person Anspruch auf Sozialhilfe, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft bestreiten kann. Das ist auch gut so, denn zumindest ich möchte nicht, dass in der Schweiz Leute unter der Brücke schlafen müssen. Ausserdem sehe ich nicht ein weshalb einem Schweizer die Sozialhilfe verweigert werden soll. Dies noch dazu von einer Sozialhilfevorsteherin, die Mitglied in der SP ist. Schliesslich ist bekannt, dass auch anerkannte Flüchtlinge in der Schweiz oft von Sozialhilfe leben.

Laut Radio DRS leben mehr als 80% der anerkannten Asylbewerber auch fünf Jahre nach dem positiven Asylentscheid noch von der Sozialhilfe! (Quelle) Zitat DRS:

In den ersten fünf Jahren nach dem positiven Asylentscheid haben weniger als 20 Prozent der anerkannten Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter eine Arbeit. Die überwiegende Mehrheit bezieht Sozialhilfe. Ruedi Hofstetter leitet das Sozialamt des Kantons Zürich und fordert: «Die Integration von anerkannten Flüchtlingen muss verbessert werden.»

Besonders schwierig ist die Situation ausgerechnet bei den Menschen, die am häufigsten Asyl erhalten: bei den Eritreern. 98 Prozent aller anerkannten Flüchtlinge aus dem ostafrikanischen Land erhalten in den ersten fünf Jahren Gelder aus der Sozialhilfe. Das sind heute gegen 6000 Menschen.

Kosten explodieren
Der Bund zahlt diese Sozialhilfe – und er zahlt immer mehr. Mit den Asylzahlen ist auch die Zahl der positiven Asylentscheide gestiegen. Das kürzlich veröffentlichte Budget zeigt, dass nächstes Jahr die Sozialhilfe für anerkannte Flüchtlinge und vorübergehend aufgenommene Menschen total 270 Millionen Franken kosten soll. Das ist vier Mal mehr als vor fünf Jahren.

Wieso schreibt der Blick darüber nichts? Wenn wir Zugewanderten Sozialhilfe gewähren, wieso sollen wir diese dann Schweizer Bürgern in Not nicht auch gewähren? Sind Schweizer in der Schweiz etwa Bürger zweiter Klasse?

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