Über den Putschversuch in der Türkei

Von Alexander Müller veröffentlicht am 16. Juli 2016 | 593 mal gesehen

Anlass für den Putschversuch in der Türkei dürfte Erdogans Politik und seine autokratische Art das Land zu regieren sein. Erdogans Politik führte die Türkei auf einen islamischen Kurs, entmachtete zusehends die Anhänger einer kemalistisch-laizistischen Türkei und sorgte damit bei vielen für Unmut.

Der Putsch ist wohl deshalb gescheitert, weil es den Putschisten nicht gelang, die ganze Armee für sich zu gewinnen. So fehlte es ihnen an Durschlagskraft um die Polizei und den Geheimdienst auszuschalten, die Ausgangssperre durchzusetzen und sich Erdogan und hochrangigen Regierungsmitgliedern zu bemächtigen. Das ermöglichte es Erdogan nach Istanbul zu gehen, dort seine Anhänger um sich zu scharren und zum Gegenschlag aufzurufen. Da nicht die ganze Armee hinter den Putschisten stand, gelang es diesen schliesslich nicht die Oberhand zu gewinnen.

Wenn jetzt in den Medien davon die Rede ist, dass das Volk die Niederschlagung des Putsches feiert, so sollte genau hingeschaut werden. Bei diesem Volk handelt es sich wohl hauptsächlich um AKP-Mitglieder und um Erdogan-Anhänger.

Bedenklich an der Geschichte ist, dass die Türkei NATO-Mitglied und EU-Beitrittskandidat ist. Mit dem Autokraten Erdogan an der Spitze passt die Türkei allerdings bestens zur undemokratischen EU. Diese wird von selbstherrlichen Politikern dominiert, die sich wie Erdogan regelmässig über die Anliegen betroffener Bürger hinwegsetzen. Erdogan soll Medienberichten zufolge eine „Säuberungsaktion“ in den Rängen der Armee angekündigt haben. Mich erinnern der gescheiterte Putsch und die Äusserungen von Erdogan an das, was sich am 20. Juli 1944 und den darauf folgenden Tagen in Deutschland ereignet hat.

Putschisten werden öffentlich gedemütigt

Schlimm ist, wie jetzt die Soldaten öffentlich gedemütigt und entwürdigt werden. Indem sie öffentlich verprügelt werden und die Uniformen ausziehen müssen. Wahrscheinlich soll damit ausgedrückt werden, dass sie unwürdig für die Uniformen sind. Öffentliche Entwürdigungen, Prügelstrafen und Steinigungen sind ja in vielen islamischen Ländern keine Seltenheit. Die türkische Regierung demonstriert dem Westen damit wie viel ihr an Menschenrechten gelegen ist.

Mehrere nationalistische Demos mit Türkenflagge in deutschen Städten

Ebenfalls interessant ist, dass in vielen deutschen Städten ironisch ausgedrückt „bestens integrierte Neudeutsche“ mit Türkenflaggen aufmarschiert sind und islamistische Parolen gerufen haben. Ich frage mich woher die alle auf die Schnelle so viele Türkeiflaggen herbekommen haben. Das deutet mehr auf einen hohen Organisationsgrad und weniger auf eine spontane Demo hin. Und weshalb hat die Antifa angesichts dieser nationalistischen Demo keine Gegendemo veranstaltet? Checken die linksextremen Dummköpfe nicht, dass das Nationalisten sind?

Bestens Integrierte Neudeutsche demonstrieren in Deutschland für...ihre Heimat. Man erkennt es an den Flaggen.
Bestens integrierte Neudeutsche demonstrieren in Deutschland für…ihre Heimat. Man erkennt es an den Flaggen.

Wie geht es jetzt in der Türkei weiter?

Erdogan wird jetzt wohl noch härter gegen seine Gegner vorgehen um seine Macht zu festigen. Das erhöht den Druck auf seine Gegner ihn auszuschalten. Es ist denkbar, dass es Attentate auf Erdogan geben wird. Seine Gegner haben eigentlich nur noch eine Chance. Sie müssten jetzt fest entschlossen, rasch und mit grosser Brutalität gegen ihn und seine Entourage vorgehen.

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