Sparkurs versus Wachstumsprogramme

Von Alexander Müller veröffentlicht am 13. Mai 2012 | 1.976 mal gesehen

Nachdem in Frankreich ein Sozialist zum Präsidenten und bei den griechischen Wahlen vermehrt Extremisten gewählt wurden, stellen die Medien den Sparkurs europäischer Regierungen in Frage. Meiner Meinung nach muss die Sache differenziert betrachtet werden. Es ist völlig unvernünftig und nicht nachhaltig, wenn man über seine Verhältnisse lebt und mehr ausgibt, als man einnimmt. Insofern ist ein Sparkurs insbesondere bei Staaten mit hoher Überschuldung notwendig. Die Frage, die sich mir stellt ist vielmehr, wo gespart werden soll.

Verschuldete Staaten, die zuviel ausgeben sind früher oder später dazu genötigt ihre Steuern und Abgaben zu erhöhen. Das wiederum schadet wirtschaftlichem Wachstum, weil dann den Steuerzahlern Geld für Konsum und Investitionen fehlt. Vom Sparkurs abkommen würde heissen weiterhin einen Lebensstandard zu finanzieren, denn man sich nicht leisten kann. Mit Infrakstrukturprogrammen können Staaten vor allem die Baubranche unterstützen. Das ist jedoch zurzeit nicht unbedingt sinnvoll, insbesondere dann nicht, wenn hauptsächlich die Exportindustrie und der Tourismus in einer Krise sind. Zudem besteht bei staatlichen Förderprogrammen immer die Gefahr, dass Strukturerhalt von ansonsten nicht überlebensfähigen Strukturen betrieben wird und der Wettbewerb verzerrt wird.

Die Krise in Europa ist auch eine Krise der sozialen Marktwirtschaft. Diese ist im Kontext der Globalisierung nicht effizient genug und zu teuer. Europäer gehören weltweit zu den Spitzenverdienern, wollen jedoch gleichzeitig immer weniger leisten. Das kann nicht nachhaltig sein. Wie degeneriert und weltfremd einige Europäer sind, sieht man z.B. auch anhand der Debatte über das bedingungslose Grundeinkommen. Es gibt Leute, die ein Grundeinkommen um den Lebensunterhalt zu sichern für ein Menschenrecht halten. Abgehobener geht es kaum mehr, denn irgendjemand müsste ja diese Art Schlaraffenland finanzieren. Wenn wir 10’000 Jahre in der Zeit zurück gehen, dann würde vielen Menschen hierzulande wieder klar, dass man etwas tun muss, wenn man überleben will. Damals lebten Jäger und Sammler in unserer Gegend. Wer keine Beeren gesammelt hat und ich nicht gejagd hat, der ist schlicht verhungert. Er hat kein Recht darauf gehabt, von anderen gefüttert zu werden. Auch heute noch ist es so, dass man etwas leisten muss, wenn man etwas haben will. Je nachdem was man haben will, muss man dafür mehr oder weniger leisten.