Erinnerung in Sachen Kristallnacht-Tweet

Von Alexander Müller veröffentlicht am 11. Juli 2015 | 968 mal gesehen

Sei über drei Jahren läuft ein Strafverfahren wegen angeblicher Rassendiskriminierung gegen mich. Mir wird eine Aussage auf Twitter mit dem folgenden Wortlaut vorgeworfen:

„Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristallnacht…diesmal für Moscheen, damit die Regierung endlich aufwacht.“

Laut der Zürcher Justiz ist dieser Tweet rassistisch und antisemitisch, weil er angeblich die Reichspogromnacht von 1938 rechtfertigt und Bezug auf Juden nimmt. Die Zürcher Richter begründen dies mit der Verwendung des Wortes „Kristallnacht“, wie der folgende Auszug aus dem Urteil des Zürcher Obergerichts belegt:

Kristallnacht

Auch wenn Richter das so sehen wollen, ist dieser Vorwurf einfach nur absurd. Es ist eine Tatsache, das ich mich zum fraglichen Zeitpunkt weder über 1938, noch den Zweiten Weltkrieg, noch über Juden geäussert hatte. Folglich kann ich weder die Reichspogromnacht von 1938 legitimiert haben, noch mich antisemitisch geäussert haben. Dass es bei meiner Aussage weder um Juden noch über ein historisches Ereignis ging, haben übrigens weder die Zürcher Staatsanwaltschaft noch die Nebenkläger bestritten.

Die Zürcher Richter warfen mir vor, dass ich als überdurchschnittlich Gebildeter hätte wissen müssen, dass einer solcher Satz missverstanden werden könne. Dem kann ich entgegenhalten, dass selbst Journalisten mit Germanistik-Studium und Dr. iur. Titel unfähig waren, die mir vorgeworfene Aussage korrekt zu zitieren. Hätte ich das wirklich ahnen sollen?

Die Berufsjournalistin Michelle Binswanger studierte an der Universität Basel Germanistik. Trotzdem schrieb sie in Ihrem Artikel, welcher mich meinen Job kostete und die Hetzjagd sowie die juristische Verfolgung auslöste:

Tagi

Auch die linke Berufsjournalistin Brigitte Hürlimann, die einen Dr. iur. Titel hat, war ganz offensichtlich unfähig, die mir seit drei Jahren vorgeworfene Twitteraussage korrekt wieder zu geben. Sie schrieb in der NZZ:

Brigitte_Huerlimann_NZZ

Eine weitere Person mit Hochschulabschluss meinte gar, ich hätte mir eine Kristallnacht gewünscht. Auch diese Person wurde von Richtern gedeckt.

Ist es tatsächlich redlich, mir vorzuwerfen nicht geahnt zu haben, dass Menschen, die beruflich mit Kommunikation zu tun haben und Germanistik bzw. Jus studiert haben, unfähig sind korrekt zu zitieren? Ich habe mich immer wieder gefragt, wieso diese Leute mich nicht richtig zitieren können. Wenn der mir vorgeworfene Satz doch so schlimm ist, wieso wird er dann nicht richtig zitiert? Zweifellos hatte ich wohl eine zu hohe Meinung vom teuren Schweizer „Qualitätsjournalismus“. Mir das vorzuwerfen, ist jedoch unfair. Für mich ist klar, dass es den Journalisten darum ging die Aussage in eine Richtung zu interpretieren, die sich skandalträchtig vermarkten lässt. Deshalb publizierten sie lieber ihre wilden Interpretationen anstatt einfach die mir vorgeworfene Aussage zu zitieren.

Was wäre wohl gewesen, wenn ich mich damals sinngemäss über eine zweite Gotthardröhre geäussert hätte und die folgende Aussage gemacht hätte?

„Vielleicht brauchen wir wieder einen schweren Verkehrsunfall…diesmal mit mehreren Toten, damit die Regierung endlich eine zweite Gotthardröhre baut.“ 

Wäre dann auch behauptet worden, ich hätte damit schwere Verkehrsunfälle mit Toten legitimiert, einen schweren Verkehrsunfall mit Toten gefordert, mir einen schweren Verkehrsunfall mit Toten gewünscht bzw. gesagt, es brauche einen schweren Verkehrsunfall mit Toten???

Hier offenbart sich wie fehlgeleitet jene sind, die mich vorverurteilt und verurteilt haben. Die Journalisten waren trotz Germanistik-Studium nicht in der Lage mich korrekt zu zitieren und die Richter sind den Journalisten trotz Jusstudium auf den Leim gegangen. Anschliessend haben die Journalisten ihre Behauptungen mit dem Urteil der Richter legitimiert. Die Katze hat sich in den Schwanz gebissen. Mein Fall zeigt, wie fortgeschritten die Rassismus-Phobie im Schweizer Journalismus und im Schweizer Justizwesen ist. Einige Betroffene scheinen bereits dermassen erkrankt zu sein, dass ihnen die Ratio bzw. der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen ist.

Ich habe das Vertrauen in die Justiz und den Schweizer Rechtsstaat verloren.