Persönlichkeitsschutz für Geri Müller

Von Alexander Müller veröffentlicht am 17. August 2014 | 3.171 mal gesehen

Es ist schon interessant wie verschieden die Persönlichkeitsrechte in der Schweiz ausgelegt werden. Je nach politischer Couleur werden einem Bürger entweder gar keine Persönlichkeitsrechte zuerkannt oder aber er kommt in den Genuss jener Persönlichkeitsrechte, die eigentlich jedem Bewohner zustehen müssten. Die Schweiz ist wahrlich zu einer fertigen Bananenrepublik verkommen.

Gemäss einem heute publizierten Artikel der Zeitung Schweiz am Sonntag kommt der linksgrüne Badener Stadtpräsident Geri Müller in den Genuss von Persönlichkeitsschutz. Seht selbst, ich habe es rot unterstrichen:

Der linksgrüne Badener Stadtpräsident hat im Gegensatz zu bürgerlichen Schulpflegern Persönlichkeitsrechte
Der linksgrüne Badener Stadtpräsident erhält im Gegensatz zu anderen Persönlichkeitsschutz

Mitgliedern von bürgerlichen Parteien wird in der Schweiz nicht annähernd soviel Persönlichkeitsschutz zugestanden. Zumindest nicht von Staatsanwälten, Medienvertretern und einem grünen Westschweizer Bundesrichter. Dürfen wir von Geri Müller jetzt auch nur noch über die Tweets und Facebook-Artikel berichten, die er während der Arbeit in seiner Amtsstube oder im Parlament geschrieben hat? Es ist doch interessant, dass wir von Geri Müller nicht auch so ein Nacktselfie zu sehen bekommen wie z.B. von der Bundesangestellten.

Persönlichkeitsschutz für Geri Müller
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6 Gedanken zu „Persönlichkeitsschutz für Geri Müller“

  1. Im Gegensatz zur Bundesangestellten handelt es sich bei Müller um private Korrespondenz via Whats-App zwischen ihm und der Geliebten, wie man der AZ entnehmen kann. Müller hat seine Bilder nicht wie die Bundesangestellte öffentlich auf Twitter gepostet. Doof ist es trotzdem. Daher sieht die Sache meiner Meinung nach schon etwas anders aus: Während die Bilder der Bundesangestellten (theoretisch) für jeden Twitter-User zugänglich waren, sofern er die Frau oder deren Account kannte, sind die Bilder von Müller nur für die betreffende Geliebte zugänglich (und wahrscheinlich für die NSA, aber das ist ein anderes Thema). Allerdings finde ich die Veröffentlichung solcher Bilder grundsätzlich nicht gut und nebenbei auch nicht interessant. Wieso muss die ganze Schweiz wissen, wenn sich eine Sekretärin daneben benimmt? Sie war keine öffentliche Person, arbeitete lediglich in einem etwas sensiblen Umfeld. Anders im Fall von Müller: Er ist eine öffentliche Person. Wenn sich der Verdacht erhärtet, dann sollen wir das auch wissen dürfen und es soll auch Konsequenzen haben. Aber Bilder will ich dann doch auch lieber keine sehen.

  2. Mir ist der Fall von Geri Müller nicht im Detail bekannt. Es kann gut sein, dass er Opfer einer Erpressung wurde, denn es ist ja nicht denkbar, dass er selber seine Bilder an die Medien geschickt hat. Mein Artikel bezieht sich auf die Aussage im Artikel der Zeitung Schweiz am Sonntag, wonach nur auf die Bilder eingegangen wird, die in den Amtsräumen des Stadtpräsidenten von Baden erstellt und offensichtlich an eine Dritte verschickt wurden.

    Offensichtlich besteht dem zufolge nur ein überwiegendes öffentliches Interesse, wenn es um Dinge geht, die in Amtsräumen d.h. am Arbeitsplatz des Politikers stattgefunden haben. Das ist doch wie mir scheint eine interessante Auslegung des Gesetzes. Bei ehemaligen SVP-Mitgliedern (MITGLIEDERN und nicht STADTPRÄSIDENTEN) gingen die Medien hingegen hin und publizierten Facebook Beiträge. Dort wurde das überwiegende öffentliche Interesse offensichtlich ganz anders ausgelegt.

    Mir zeigt das, dass die Rechtssprechung in der Schweiz zumindest in der Praxis nicht einheitlich ist und dass je nach Parteizugehörigkeit unterschiedlich entschieden wird. Artikel 8 der Bundesverfassung scheint lediglich eine Alibi-Funktion zu haben um das Image der Scheinrechtstaatlichkeit zu wahren. Dasselbe gilt für Artikel 29 der Bundesverfassung, der wird in der Praxis auch nicht so umgesetzt wie er vom Gesetzgeber gedacht ist. Die Kantone erlassen aus finanziellen Gründen Verordnungen, die den Artikel 29 der Bundesverfassung praktisch aufheben.

    Noch ein Wort zur Bundesangestellten: Diese ist eindeutig keine Person der Zeitgeschichte sondern einfach eine Sekretärin, die beim Bund arbeitet. Folglich ist es zwar möglich im Internet Bilder und Sexfilme der Frau zu sehen, doch kaum ein Betrachter hätte einen Zusammenhang zum Bund herstellen können. Denn wer auf Websites wie Youporn, Pornhub, Mydirtyhobby, Pornovoisins etc. Sexfilme konsumiert, dem ist es doch in der Regel völlig egal wo die Leute arbeiten. Den Zusammenhang zwischen dem Arbeitgeber der Frau und ihren Filmen und Bildern haben die Massenmedien hergestellt. Sie haben damit der Frau massiv geschadet. Denn ganz offensichtlich konnte die Frau ihren Beruf ja trotz ihrem aussergewöhnlichen Privatleben ja problemlos ausüben. Ich gehe davon aus, dass es keinen Medienartikel gegeben hätte, wenn es sich bei der Frau um eine Kioskangestellte, eine Friseuse, eine Verkäuferin, eine Studentin oder eine Kosmetikerin gehandelt hätte. In weniger prüden und weniger scheinheiligen Ländern kandidieren Pornostars sogar für politische Ämter. So z.B. Illona Staller alias Ciciollina in Italien. Ich habe damit überhaupt kein Problem, da ich davon ausgehe, dass auch Politiker gelegentlich Sex haben.

    Im heidnischen Zeitalter der Antike hatten die Menschen ein entspannteres Verhältnis zur Sexualität als dies in den heutigen monotheistischen und religiös-fundamentalistischen Kulturen der Fall ist. Es gab in der Geschichte der Menschheit sogar Zeiten als Fruchtbarkeitssymbole verehrt wurden. Damals gab es aber auch weniger Menschen als heute und die Fruchtbarkeit hatte einen anderen Stellenwert als in der heutigen Zeit. Wie die Geschichte des Raubs der Sabinerinnen zeigt, hing das Überleben von Völkern davon ab, ob sie in der Lage waren ausreichend Nachkommen zu zeugen. Heutzutage sind eher Verhütung und die Regulierung des Bevölkerungswachstums ein Thema.

  3. @Alle
    Zum Nachdenken!

    Hier geht es doch überhaupt nicht um die privaten Nacktfotos, diese sind doch lediglich ein hinterlistiger Vorwand Herr Geri Müller zu verunglimpfen. Diese ganze verblödende Geschichte ist doch in Wahrheit nichts anderes als eine primitive zionistische Intrige der Gruppe Schweiz-Israel Geri Müller zu defamieren und in den Dreck zu ziehen, wobei deren wahrer Grund und wirkliches Motiv doch lediglich Geri Müller’s nobler Einsatz für das geschändete Volk Palästina und seine Mitgliedschaft in der Gruppe Schweiz-Palästina ist!

    Schämt Euch!

  4. Herr Rutz, aus eigener Erfahrung glaube ich, dass hier die Medien wieder einen Sündenbock durch die Gasse getrieben haben um wieder einen Knüller zu haben. Es gibt in der Medienlandschaft Schweiz einfach Mechanismen und Selbstläufer, die solche peinliche Situationen schaffen. Die Medienschaffenden veranstalten offensichtlich gerne solche Affentheater. Da wurde wohl viel Wind um fast nichts gemacht.

    Was da bei dieser Geschichte wirklich abgelaufen ist weiss ich nicht, da ich gar keine Zeit hatte mir das genau anzusehen. Ich bin berufstätig und habe eigene Sorgen. Ich habe aber den Eindruck, dass die Ursache dieser Geschichte eine Auseinandersetzung in einer Beziehung zwischen zwei erwachsenen Menschen ist. Warum und wie diese Geschichte dann an die Medien kam, ist mir unklar. Auch wer diese Geschichte in die Medien brachte ist unklar. Insofern halte ich es für gewagt eine bestimmte Gruppe oder Lobby dafür verantwortlich zu machen. Sicherlich versuchen bestimmte politische Kreise jetzt aus der Sache Kapital zu schlagen.

    Nochwas etwas, Geri Müller ist ein Grüner und somit überhaupt nicht auf meiner Wellenlänge. Ich bin mit zahlreichen Grünen in regelrechte Abwehrschlachten verwickelt. Ein grüner Gemeinderat der Stadt Zürich wurde im Rahmen dieser Gefechte bereits per Strafbefehl rechtskräftig verurteilt. Auf der anderen Seite hat mir ein grüner Bundesrichter gerade kürzlich ein Ei gelegt. Es ist ein regelrechter Schlagabtausch, so wie das bei Gefechten eben üblich ist. Trotzdem finde ich es wirklich lächerlich, was da mit Geri Müller veranstaltet wurde. Es gibt Wichtigeres als sich mit sexuellen Privatangelegenheiten von Politikern auseinander zusetzen. Gerade die scheinheiligen Moralapostel und die Klugscheisser, die in der Kommunikations- und Medienbranche offenbar zahlreich vertreten sind, sind mir hier ein Gräuel.

    Die Medienkonferenz hätte sich Geri Müller sparen können, denn interessant war es nicht, was er da zu sagen hatte. Leider war er aufgrund des medialen Drucks aber praktisch gezwungen eine solche Medienkonferenz abzuhalten. Wir brauchen härtere Mediengesetze, die Millionenklagen bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen und mehrjährige Haftstrafen für Journalisten ermöglichen. Rufmord gilt nicht umsonst bereits in der Bibel als Todsünde! Schon vor über 2000 Jahren wussten die Menschen was für Folgen es hat, wenn ein falsches Zeugnis über andere abgegeben wird.

  5. Der Hinweis von Alexander Müller, wir würden in einer monotheistischen und fundamentalistischen Kultur leben und man sei allgemein prüde, ist extrem ignorant. Die Bedeutung der Religion und der Einfluss derselben auf die Kultur und das Alltagsleben ist derzeit eher geringer als je in den letzten 1000 Jahren und von Fundamentalismus zu reden ist lächerlich. Vielmehr ist es so, dass allein in unserer Kultur (Ureinwohner am Amazonas leben wiederum in ganz anderen Verhältnissen) öffentlicher Exhibitionismus, Nacktbaden und derlei drin liegt. Klar ist, dass ein Mann mit einer Affäre wie jetzt Geri Müller sowohl in China wie auch in Japan definitiv erledigt wäre und das Schamproblem in vielen Fällen mit Ehrenselbstmord lösen müsste. Derzeit sieht es aber so aus, dass Geri Müller die Affäre, die auch mit Intrigen zu tun hat, durchaus durchstehen könnte. Wird er aber abgewählt, hat das wiederum gar rein nichts mit Monotheismus und Fundamentalismus zu tun. Es gibt ein 5bändiger Werk von Hans Peter Dürr über Nacktheit, Scham, Obszönität. Unsere derzeitige Kultur in Westeuropa stellt den absoluten historischen Weltrekord an Schamlosigkeit dar, was aber doch nicht heisst, dass jeder sich alles leisten kann. Übrigens waren der politisch hochbegabte Papst Alexander VI. mit seinem vatikanischen Bordell, bisexuell, Kennedy, Nixon, Clinton, Willy Brandt (trat u.a. zurück, weil Spion Guillaume alles über sein Sexleben wusste) charakterlich für ihre Ämter im Prinzip nicht geeignet. Ausser Brandt, der noch der Beste war, hat es niemand eingesehen.

  6. Herr Pirmin Meier, Sie sollten mir nicht Dinge unterstellen, die ich nicht gesagt habe! Ich habe mit keiner einzigen Silbe gesagt, dass wir in einer allgemein prüden Zeit leben. Zum Glück leben wir nicht mehr im dunklen Zeitalter, welches von religiösem Terror (Hexenverbrennungen, Inquisition, Religionskriege usw.) und religiöser Unterdrückung (Dogma der Kirchen und der von Menschen ernannten Stellvertreter Christi) dominiert war. Wie kommen Sie bloss zu einer solchen Behauptung? Ich habe folgendes geschrieben: „Im heidnischen Zeitalter der Antike hatten die Menschen ein entspannteres Verhältnis zur Sexualität als dies in den heutigen monotheistischen und religiös-fundamentalistischen Kulturen der Fall ist.“ Zu dieser Aussage stehe ich. Jeder der mit offenen Augen durch die Welt geht und etwas Ahnung von Geschichte hat, weiss, dass ich Recht habe! Es ist nachweisbar, mit Bildern wie dem folgenden:

    Sex im antiken Rom
    Dieses antike römische Bild hat weder einen jüdischen, einen christlichen noch einen islamischen Ursprung. Es zeigt, dass es freizügigere und weniger prüde Zeitalter und Kulturen in der Geschichte der Menschheit gab.

    Die Auseinandersetzung zwischen Prüden und Freizügigen gibt es schon lange. Das ist keine Erfindung unseres Zeitalters. Die nackten Vertreter der Trockennasenaffen bzw. der Spezies Homo sapiens sind eben geistig gesehen genau die gleichen Affen wie vor 50’000 Jahren. Sie sehen sogar noch Haargenau gleich aus und ticken auch noch gleich.

    Ich halte übrigens nichts von Vergleichen mit Ländern wie Japan, den USA, Saudi-Arabien usw. Wir leben in der Schweiz und sollten einfach einmal selbstbewusst und stark genug sein um einen eigenen Weg zu gehen. Wer immer erst schauen muss, was die anderen tun um sich dann anzupassen, der ist eine sackschwache Figur. Das gilt auch für Staaten. Ein Staat, der meint er müsse stets nach der Pfeife von anderen Staaten tanzen, der ist ein schwacher Staat mit Bürgern, die Schafen gleichen und sich gerne als Hobbypolizisten und Obermoralisten aufspielen.

    Die Scham vor Genitalien bzw. der verklemmte und angespannte bzw. bigotte Umgang mit Sexualität hat seinen Ursprung eindeutig im religiösen Bereich. Es sind die grossen monotheistischen Weltreligionen, die nicht gerade durch Freizügigkeit auffallen. Aus ihren Reihen stammen auch die religiösen Fanatiker und Fundamentalisten, welche die Welt seit Jahrhunderten terrorisieren und mit Krieg überziehen. Da hilft auch alles distanzieren und leugnen nichts! Es ist so!!! Auch sind sich die monotheistischen Religionen in Bezug auf die Sexualmoral sehr ähnlich und unterscheiden sich eigentlich nur noch im Grad der Strenge und der Konsequenz bei der Umsetzung.

    Zum Glück gibt es heutzutage immer mehr Menschen, die das durchschauen und nicht mehr einfach blind irgendwelchen religiösen Lehren nacheifern. Diese Entwicklung dürfte im alten Europa eine Folge der Aufklärungsbewegung im 18. und 19. Jahrhundert sein. Wie die ISIS-Terroristen (Islamischer Staat im Irak und in Syrien) zeigen, können fundamentalistische Eiferer sehr gefährlich werden. Leider hat die erwähnte Aufklärungsbewegung praktisch nur in Europa stattgefunden. Die übrige Welt ringt noch mit alten Dogmen aus düsteren Zeiten.

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