Die Welt verstehen

Von Alexander Müller veröffentlicht am 27. August 2015 | 1.103 mal gesehen

Ich war noch nie in China, weiss jedoch einiges über China, dessen Geschichte und die Leute, weil mich das interessiert. Vor Jahren hatte ich einmal ein Gespräch mit einer Person, die voller Stolz von ihrer Chinareise berichtete. Irgendwann begannen wir dann über Politik zu reden und ich stellte mit erstaunen fest, dass diese Person keine Ahnung davon hatte, dass China ein kommunistisches Regime hat. Diese Person stand aber im Gegensatz zu mir bereits auf der chinesischen Mauer. Mich erstaunte das.

Die Ansicht, dass Horizonterweiterungen nur mit Reisen zu bewältigen seien, ist falsch und antiquiert. Wir haben heute dank dem Internet Möglichkeiten, die in früheren Zeiten nicht bestanden. Wer in der Welt herumreist, erhält je nachdem wie offen, einfühlsam und erfahren er ist, mehr oder weniger Eindrücke von verschiedenen Menschen, Kulturen, Mentalitäten und Orten. Das ist sicher nicht schlecht. Jemand der offen für Neues ist, kann so vieles entdecken. Es befriedigt sicher auch das Bedürfnis gewisser Menschen sich als multikulturelle globale Menschen zu empfinden. Trotzdem, um die Welt und die Menschen zu verstehen reicht das nicht.

Wer die gegenwärtige Welt und das, was sie bewegt, verstehen will, der muss sich auch mit ihrer Geschichte und den daraus hervorgegangenen Kulturen befassen. Das kann er in einer globalen Welt weitgehend auch zuhause tun. Nur studieren und sich informieren, reicht natürlich bei vielen auch nicht. Es kommt auch auf die geistige Reife eines Menschen an.

Letztlich ist es auch eine Frage der Betrachtungsweise. Einige finden die Geschichte über die Terrakota-Armee des Kaiser Qín Shǐhuángdì interessant und andere interessiert zwar die Geschichte nicht, sie wollen aber nach China  reisen um sich diese Figuren real anzusehen. Beides ist interessant, doch für mich liegt der wahre Wert von Dingen in ihrer Geschichte.

Wer die Gegenwart verstehen will, der muss die Vergangenheit kennen. Prognosen für die Zukunft bedingen ein Verständnis der Gegenwart. Geistloses herumirren in der Welt gleicht der Suche nach sich selbst.

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