Christoph Mörgeli im Kreuzfeuer der Kritik

Von Alexander Müller veröffentlicht am 28. Oktober 2013 | 2.176 mal gesehen

Ein Blickartikel mit dem Titel «SVP-Mörgeli macht Stimmung gegen Deutsche» führte heute zu heftiger Kritik. Anlass des Artikels soll die folgende Aussage sein, die Christoph Mörgeli gegenüber dem Tagesanzeiger geäussert haben soll:

«Ich frage mich, weshalb ein Deutscher im Fliegerärztlichen Institut angestellt ist, der noch 2011 im Einsatz für die deutsche Bundeswehr stand.»

Wenn man sich diese Aussage von Christoph Mörgeli ansieht, ist es eigentlich kaum verständlich, dass sie zu heftiger Kritik geführt haben soll. Dass dem dennoch so ist, zeigen die folgenden Kommentare von Blicklesern, die den Artikel mit dem sympathischen Foto des verunglückten Deutschen gelesen haben:

Moergeli_Blick1

Moergeli_Oskar-Habegger

Moergeli_Mark-Natusch

Moergeli_Florian-Niederhauser

Moergeli_Alfred-Neumann

Moergeli_Holger-Merk

Moergeli_Stephan-Holthusen

Moergeli_Thomas-Melone

Ich habe auch schon einmal solche Kommentare über mich ergehen lassen müssen. Deshalb habe ich mir diese Kommentare genauer angesehen. Kurz vorweg, es ist legitim zu fragen, ob ausländisches Personal in der Armee Sinn macht. Was einige Blick-Kommentierer eben offenbar nicht begriffen haben ist, dass es durchaus auch sicherheitspolitische Überlegungen z.B. betreffend Spionage gibt.

Vorausgesetzt, die Aussage von Christoph Mörgeli war tatsächlich so wie zitiert, dann war es natürlich ungünstig diese Frage mit dem Opfer eines Flugzeugabsturzes zu verbinden.

Für das Bashing gibt es jedoch noch andere Gründe:

  1. Mörgeli ist Mitglied der SVP. SVP-Mitglieder befinden sich seit längerer Zeit im Visier der Medien.
  2. Mörgeli hat Meinungen, die polarisieren.
  3. Mörgeli hat den Mut oder gar die Unverschämtheit seine polarisierenden Meinungen auch noch zu äussern. So etwas wird in der Schweiz offensichtlich nicht gerne gesehen.
  4. Es war ungünstig die Frage zu einem Zeitpunkt zu stellen als viele Blickleser noch mit der Trauerarbeit für die beiden Abgestürzten beschäftigt waren. Da darf man in der Schweiz einfach keine solchen Aussagen machen. Natürlich haben wir in der Schweiz eine theoretische Meinungsfreiheit. Doch in der Praxis ist es damit nicht weit her. Wer in der Schweiz auf das Recht der Meinungsfreiheit pocht, der wird auf Intoleranz, Abneigung, Ausgrenzung und blinden Hass stossen und möglicherweise sogar strafrechtlich verfolgt. Meinungsfreiheit benötigt eben auch Toleranz, diese ist in der Schweiz offenbar ein knappes Gut.
  5. Einige Kommentatoren nehmen auf die SVP und auf Christoph Blocher Bezug. Das deutet daraufhin, dass diese eine Abneigung gegen die SVP haben. Ich vermute, dass diese Leute Gelegenheiten fürs Bashing des politischen Gegners nutzen. Diese Leute sind natürlich die Allerletzten, welche die Moralkeule schwingen sollten. Vor allem sollten sich diese Leute zuallererst einmal für sich selbst schämen. Einige von ihnen tun das wahrscheinlich auch, denn sie publizieren ihre Kommentare unter einem Pseudonym, also anonym.

Ich frage mich, was das für Leute sind, die dermassen mutig sind, dass sie nur im Rudel und anonym auf ihre Opfer einschlagen können. Ist es der Herdentrieb, der sie antreibt? Der Hass auf die Politik einer Partei, die ihnen nicht passt? Hat es mit Frust im Leben und den tieferen Hemmschwellen des Internets zu tun? Oder steckt dahinter gar eine politische Kampagne und es handelt sich bei den Kommentatoren um bezahlte Studenten? Oder ist es eine von den Medien inszenierte Retourkutsche für die Kritik an deplatzierten Kommentaren von linken Politikern, die ebenfalls im Zusammenhang des Flugzeugabsturzes geäussert wurden? Wer weiss.

Tweet der Junge Grüne Luzern nach dem Flugzeugabsturz
Tweet der Jungen Grünen Luzern nach dem Flugzeugabsturz

Wenn es Kampagnen sind, was steckt dahinter? Geht es darum Leute mit bestimmten politischen Meinungen zum Schweigen zu bringen? Geht es darum unter dem Deckmantel von Moral und Anstand die Meinungsfreiheit abzuschaffen?

Christoph Mörgeli im Kreuzfeuer der Kritik
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7 Gedanken zu „Christoph Mörgeli im Kreuzfeuer der Kritik“

  1. Natürlich hätte Mörgeli auch ohne Bezugnahme auf das Absturzopfer in Frage stellen können, dass offensichtlich in höchsten militärischen Positionen ausländisches Personal tätig ist.

    Ich finde die Kommentare allerdings wesentlich bedenklicher als die Aussage von Mörgeli. Mörgeli kann man fehlendes Fingerspitzengefühl und Pietätslosigkeit vorwerfen. Doch die Kommentare sind abgrundtief bösartiges Mobbing. Es geht mehr darum Mörgeli auf widerwärtigste Art und Weise fertig zu machen als darum sich über seine Aussage zu empören.

    Dabei spielt es überhaupt keine Rolle ob Mörgeli an seiner Aussage festhält oder nicht. Es ist sein gutes Bürgerrecht an seiner Aussage festzuhalten, denn noch ist die Schweiz eine Demokratie und nicht eine Tyrannei eines völlig durchgeknallten Pöbels, der meint er müsse Leute dazu zwingen Aussagen zu widerrufen und Busse zu tun. Wir sollten im 21. Jht. über das Zeitalter von Lynchjustiz, Inquisition und der Hexenjagden hinweg sein.

    Es kann doch nicht sein, dass man heute jeden, der etwas sagt, was einem nicht passt zum Widerrufen zwingt oder ihn ansonsten medial hinrichtet.

    Wenn das so weitergeht, ist die Demokratie schneller Geschichte als viele von euch denken.

  2. Das Niveau ist bedenklich, das fällt aber bei ganz vielen Artikeln auf, das zieht sich durch alle Themen durch, es wird viel auf den Mann geschossen. Kann durchaus sein, dass es auf jeder Seite des politischen Spektrums Gruppen gibt, die dies korrdiniert tun. Würde ich nicht ausschliessen. Dank moderner Technik ist das nicht mehr so ein Aufwand.

    Tagi-Online muss rund ein Drittel der eingehenden Kommentare löschen, bei gewissen Themen sind es sogar bis zu 90%.

    http://www.tagesanzeiger.ch/digital/internet/Frei-Schnauze-aber-bitte-mit-Anstand/story/16070990

    Ich hab aufgehört die Kommentare intensiv zu lesen, ich nehme auch nicht an, dass dies Herr Mörgeli (und andere Politiker) tun. Das Internet bietet halt eine ganz nette Distanz, man hat keine Reaktion des Angeschossenen, man kann ihm an den Kopf werfen was man will. Schulen haben genau dieselben Probleme. Die Schattenseiten des Fortschrittes.

  3. Ich habe den TA-Artikel gelesen, kann ihm aber nur bedingt zustimmen. Zum einen sind die Massenmedien mitschuldig. Nehmen wir das Beispiel mit dem Blick. Wenn der einen Artikel mit dem Titel «SVP-Mörgeli macht Stimmung gegen Deutsche» publiziert, gibt er ja den Grundtenor bereits vor. Die Aussage von Mörgeli ist keine Stimmungsmache gegen Deutsche. Die verantwortlichen Ringier-Journalisten haben den Fokus einfach auf das Wort „Deutscher“ gelegt und dabei das eigentliche Thema in der Aussage unterschlagen. Ich gehe davon aus, dass sie das Thema ganz bewusst in eine bestimmte Richtung gelenkt haben. Einige Boulevard-Journalisten dürften wahrscheinlich sogar Freude daran haben, wenn eine Sau durch die Gassen getrieben wird. Es ist ja das Ziel des Boulevards Stoff für Klatsch und Tratsch zu liefern.

    Zur Zensur des Tagis, diese dürfte zu einem grossen Teil auch politischer Natur sein. Wenn ein Leser ohne Beleidigung wie im von dir erwähnten Artikel meint, dass man Wirtschaftsflüchtlinge wieder zurückschaffen soll, dann ist das ganz gewiss kein Grund für eine Zensur. Es ist legitim zu verlangen, was bereits gesetzlich so vorgesehen ist. Dass Online-Redaktoren des Tagis das anders sehen, überrascht mich nicht. Denn ein solcher Kommentar liegt wahrscheinlich nicht auf der politischen Linie der Tagi-Redaktion.

    Die Art und Weise wie Medien zensieren ist sonderbar. Auf der einen Seite lässt der Blick übelste Beschimpfungen und Beleidigungen zu, und auf der anderen Seite zensiert der Tagi offenbar bereits Meinungsäusserungen, die nicht der Ansicht der Redaktion entsprechen. (Siehe Beispiel mit Flüchtlingen, bei dem ich nichts Beleidigendes erkennen konnte. Wahrscheinlich ging es, kurz nach dem Unglück auch dort mehr um Pietät.)

    Die im Tagi-Artikel erwähnten Richtlinien des Presserats sind übrigens kein Gesetz. Der Presserat ist eine Alibli-Organisation der Printmedien. Dabei verstossen die Printmedien selbst immer wieder gegen die Richtlinien ihrer eigenen Alibi-Organisation. So auch in meinem Fall (Verstoss gegen Richtlinie 3.8). Gesetzlich gesehen ist es so, dass zwar in erster Linie ein Autor für seine Texte und Kommentare in die Verantwortung gezogen werden kann, dass es jedoch eine Haftbarkeit der Medien gib (Art. 28 StGB). Diese kommt zum Tragen wenn der Autor nicht ermittelt werden kann und wenn sich die Medien für die Publikation und die Verbreitung des strafbaren Inhalts schuldig gemacht haben. Somit können sich die Medien nicht einfach so aus der Verantwortung stehlen.

  4. > Zum einen sind die Massenmedien mitschuldig. Nehmen wir das Beispiel mit dem Blick. Wenn der einen Artikel mit dem Titel «SVP-Mörgeli macht Stimmung gegen Deutsche» publiziert, gibt er ja den Grundtenor bereits vor.

    Da bin ich absolut einverstanden. Dies kann man aber nicht pauschalisieren, auch Artikel, welche nicht tendenziös verfasst wurden werden oft auf diese Art und Weise kommentiert. Bei eher tendenziösen Artikeln springt vielleicht noch der eine oder andere auf.

    > Die Art und Weise wie Medien zensieren ist sonderbar.
    Es ist natürlich so, dass dies alles unabhängige Unternehmungen sind, welche prinzipiell ihre eigenen Richtlinien aufstellen können. Dass diese sich vielleicht unterscheiden, auch in erheblichen Punkten, entspricht der Natur der Sache. Ich finde es absolut richtig, dass Webseiten verantwortlich gemacht werden können für ihre Inhalte. (Besten Dank an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte)

    Die genauen Richtlinien von Newsnetz kenn ich nicht, ich kann auch nicht beurteilen ob politisch „zensiert“ resp. moderiert. Wenn man aber den im Artikel enthaltenen Kommentar nimmt, ihn in Zusammenhang mit dem Unglück von Lampedusa stellt und ihn vielleicht so interpretiert, dass man doch die Leute welche dies überlebt haben möglichst schnell wieder zurückschaffen solle, kann man das durchaus als pietätlos anschauen. Nicht rassistisch, an sich wohl auch (rein rechtlich) korrekt, aber aus meiner Sicht nicht etwas, was man als Anhang an Artikel zu solchen Themen posten sollte. Genauso pietätlos wie die Aussage einiger Linken zum FA18-Absturz sowie der Aussage von Hr. Mörgeli, dass es eine Folge der Masseneinwanderung sei, dass da ein Deutscher ums Leben kam. Es gibt bessere Momente um solche Fragen zu diskutieren. Poralisieren, von mir aus, aber schon im richtigen Moment.

  5. Wo hat Mörgeli gesagt, dass es eine Folge der Masseneinwanderung sei, dass ein Deutscher ums Leben gekommen ist? Sowas wäre natürlich tatsächlich ein totaler Quatsch, doch mir ist nicht bekannt, dass Mörgeli eine solche Aussage gemacht hat. Der Blick hat ihm in seinem Artikel die folgende Aussage vorgeworfen, Zitat Mörgeli:

    «Ich frage mich, weshalb ein Deutscher im Fliegerärztlichen Institut angestellt ist, der noch 2011 im Einsatz für die deutsche Bundeswehr stand.»

    Betreffend Masseneinwanderungen soll er sich über die Besetzung von Schlüsselpositionen mit Ausländern geäussert haben. Dies einfach zur Klarstellung.

    Was Pietätlosigkeit angeht, da sehe ich einfach eine verlogene Doppelmoral und viel Heuchelei. Gerade die Boulevard-Medien schlachten tragische Ereignisse für ihre Schlagzeilen immer wieder regelrecht aus um damit Kasse zu machen. Beim Anschlag in Luxor im Jahr 1997 hat der Blick auf einem Foto Wasser sogar rot gefärbt, damit es wie Blut aussieht. Solange es pietätlose Medienartikel gibt, solange sollten die Medien auch möglicherweise pietätlose Kommentare zulassen. Alles andere ist Zeugnis einer verlogenen Doppelmoral.

    Zu deinem Link zum Artikel von J. Fehr:
    Die Steuerung der Kommentarfunktion durch Interessensgruppen ist bedenklich. Ich gehe davon aus, dass Politiker Kommentare zu Artikeln, die über sie berichten, lesen. Denn Politiker sind an einem Feedback aus der Bevölkerung interessiert. Die Steuerung solcher Kommentare durch Interessengruppen macht das Feedback jedoch unglaubwürdig. Somit berauben sich politische Gruppen, die mit solchen PR-Massnahmen arbeiten, selber eines glaubwürdigen Feedback-Tools.

  6. Du hast Recht, Hr. Mörgeli hat gesagt es sei eine Folge der Masseneinwanderung, dass ein Deutscher im Cockpit eines FA-18 sitze (laut Tagi). Der Tod ist natürlich die Folge davon und des Absturzes. Die Aussage kommt einfach zur falschen Zeit, in einem Monat wäre der Aufruhr nur noch halb so gross. Resp. muss man solch eine Aussage gar nicht tätigen, Hr. Mörgeli hat die Möglichkeit dies aufs politische Parkett zu bringen.

    Zur Doppelmoral, diesen Vorwurf kann man im einen oder anderen Fall durchaus tätigen. Die Luxor-Geschichte ist natürlich ein extremes Beispiel (hat nicht SRF dort auch gesündigt?), im Kleinen passiert dies durchaus häufig. Boulevard arbeitet auch teilweise ganz bewusst mit solchen Methoden (oder nimmt die Doppelmoral in Kauf). Ich sehe hier aber doch deutliche Unterschiede zwischen dem Blick und den anderen Medien in der Schweiz, sei es Tagi, NZZ, Weltwoche oder was auch immer. Der Blick hat keine politische Linie, agiert so wie die Stimmung im Land ist, will so Auflage machen. Bei Tagi und NZZ und Co weiss eigentlich jeder woran er ist, jeder weiss wo die Zeitung politisch ungefähr steht und jeder kann die Zeitung unter diesem Wissen lesen. Ich finde es nicht verwerflich, dass eine Zeitung sich politisch positioniert. Jeder kann das lesen was er will.

    Zum letzten Punkt, ich halte das auch für bedenklich, aber sicher nicht überraschend. Ich bin mir nicht sicher ob solche Kommentare das richtige Feedback aus der Bevölkerung für Politiker sind. Da dürfte sich andere Kanäle besser eignen um einen objektiven Eindruck zu erhalten.

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