Gesteuerte Kommentare bei Medienartikeln

Von Alexander Müller veröffentlicht am 29. Oktober 2013 | 1.340 mal gesehen

Der politische Sekretär der SP-Zürich soll Parteimitglieder und Sympathisanten dazu aufgerufen haben positive Stimmung für SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr zu machen. Sie sollten dazu Wortmeldungen zugunsten von Fehr in der Kommentarspalte von Tagesanzeiger.ch/Newsnet hinterlassen. Das berichtete der Tagesanzeiger.

Es ging offenbar um den Tagi-Artikel mit dem Titel «Fehr kündigt Rücktritt von Rücktritt an», welcher zu zahlreichen negativen Leserkommentaren geführt hatte. Daraufhin soll Martin Alder eine Email mit folgendem Wortlaut an Parteimitglieder und Sympathisanten geschickt haben:

«Der Tagi-Artikel führte zu vielen negativen Kommentaren. Könntet ihr dagegen heben?»

Für Jacqueline Fehr ist das offenbar so üblich, darauf angesprochen soll sie laut Tagesanzeiger gesagt haben:

«Es gehört heute zum professionellen Parteimanagement, die Teilnahme an diesen Debatten aktiv zu bearbeiten. Die Kommentarfunktionen werden auf der ganzen Welt von Interessengruppen gesteuert. Wir gehen davon aus, dass dies der Lesercommunity bewusst ist.»

Offensichtlich gehört die aktive Beeinflussung von Leserkommentaren durch PR-Massnahmen inzwischen zum politischen Alltag. Ich halte das für bedenklich, denn es macht die Kommentare unglaubwürdig. Die politischen Gruppen berauben sich mit solchen PR-Massnahmen eines glaubwürdigen Feedback-Tools. Denn dafür sind ja die Kommentare eigentlich gedacht, als Feedback. Gerade Politiker sollten an einem ehrlichen Feedback aus der Bevölkerung Interesse haben. Sie könnten so ohne die Konsequenz einer Abwahl Rückschlüsse aus der Stimmung in der Bevölkerung ziehen. Aber was tun sie offenbar stattdessen? Sie steuern Kommentare.