Männerblicke unerwünscht?

Von Alexander Müller veröffentlicht am 20. Juni 2012 | 5.746 mal gesehen

In einem Artikel im Tagesanzeiger vom vergangenen Montag berichtet Carmen Roshard über das Frauendeck in der Badi Oberer Letten. Dieses soll durch einen Vorhang vor „unerwünschten“ Einblicken geschützt werden. Dabei wird auch Adrian Kehl, der Betriebsleiter der Badi, zitiert. Er wünscht sich mehr Pflanzen, die Frauen vor Männerblicken schützen damit sich Frauen ungestört fühlen. Laut Kehl gebe es immer Männer, die gerne schauen.

Der Artikel suggeriert, dass man Frauen vor Männerblicken schützen muss. Doch ist das wirklich so? Ich schaue auch gerne schöne Frauen an. Ist das schlimm? Muss ich mich deswegen schämen? Ich glaube nicht, dass ich das muss. Denn es ist doch normal, dass ein heterosexueller Mann auf weibliche Reize reagiert und schaut, wenn er eine attraktive Frau sieht. Zudem wozu machen denn so viele Frauen eine Brustoperation, bei der sie sich Silikon einlagen implantieren lassen? Tatsächlich nur um sich selbst zu gefallen? Oder eben doch um einem verbreiteten Schönheitsideal näher zu kommen? Im Blick entblössen sich täglich junge Frauen und im Urlaub sah ich viele junge Frauen, die ihre operierten Brüste am Badestrand voller Stolz nackt zur Schau stellten.

Mich überrascht es, dass es in einer liberalen Gesellschaft immer wieder zu Massnahmen kommt, die an religiöse Sittenstrenge mit strikter Geschlechtertrennung erinnern. Ich frage mich, was das für Frauen sind, die ein Frauendeck benutzen. Sind das Frauen, die sich im Alltag mit einer Burka vor Männerblicken schützen? Männerhasserinnen?

Es ist völlig normal, dass Männer schauen. Es dürfte auch Frauen geben, die sich geschmeichelt fühlen, wenn sie merken, dass sie Männern gefallen. Dass ein zu extensives und auffälliges Mustern von Frauen unangenehm ist, verstehe ich. Entscheidend ist jedoch vielmehr wie geschaut wird und nicht, dass geschaut wird.

Ihr dürften Männerblicke egal sein. Sie würde sonst nicht auf dem Stein sitzen, sondern sich dahinter verstecken.