Was Twitter so gefährlich macht

Von Alexander Müller veröffentlicht am 8. August 2012 | 5.332 mal gesehen

Der Journalist Christof Moser verfasste am  letzten Samstag einen Artikel zum Thema „was Twitter so gefährlich macht“.  Im Artikel warf er mir Dummheit vor und unterstellte mir über eine Kristallnacht fabuliert zu haben.

Zitat Christof Moser:
„Besonders gnadenlos bestraft Twitter Dummheit. Dummheit am Stammtisch ist begrenzt – auf den Stammtisch. Dummheit, verpackt in einen Tweet, ist unbegrenzte Dummheit. Wer in seinen Tweets von einer Kristallnacht gegen Moscheen fabuliert, kann ebenso gut auf einem belebten Platz den Arm zum Hitlergruss ausstrecken und auch noch das Fernsehen einladen. Müllers Kristallnacht-Tweet ging an 400 Follower. 12 Stunden später hatten 40 000 Leute seinen Tweet gelesen. Dummheit gleich Shitstorm gleich Medienaufmerksamkeit: So lautet die Gleichung, vor der kein kopfloser Twitterer sicher ist.“ Quelle

Die Analyse von Moser ist falsch.  Moser’s üble Nachrede ist dumm, anmassend und dreist und seine Aussage mit den Worten „Kristallnacht“ und „Hitlergruss“ völlig daneben. Moser versucht davon abzulenken, wie es wirklich abläuft. Es ist nicht so, dass auf  Twitter jeder einfach so mitbekommt, was ein anderer schreibt.  Theoretisch kann zwar jeder, der einem anderen Twitterer folgt, mibekommen was dieser schreibt, doch die Praxis sieht anders aus. Die Chance einen Tweet einer Zielperson mitzubekommen, ist dann am höchsten, wenn man gerade zu dem Zeitpunkt online ist, wenn diese etwas schreibt.

Auf Twitter ist es jedoch üblich,  dass man mehreren Leuten gleichzeitig folgt. Man wird deshalb mit einer Fülle von Tweets eingedeckt. Das bedeutet, dass man viele  Tweets gar nicht zu sehen bekommt, wenn man längere Zeit nicht online ist. Es sei denn, man folgt Leuten, die kaum etwas schreiben oder sucht gezielt nach einzelnen Tweets von bestimmten Personen.

Tweets verschwinden relativ rasch wieder aus der Timeline indem sie von anderen Tweets verdrängt werden. Weil viele Tweets von verschiedenen Personen gleichzeitig kommen, ist es auf Twitter schwer einer Konversation zu folgen. Dies ist selbst dann der Fall, wenn man zeitgleich online ist. Man bekommt Dialoge zum Teil nur bruchstückhaft mit. Deshalb vermutlich, beschwerte sich Frau Michèle Binswanger auch schon mal bei mir, als ich mit ihr auf Twitter diskutierte.

Die Tatsache, dass sich neben vielen Politikern auch viele Journalisten auf Twitter tummeln, macht Twitter so gefährlich. Ein Artikel der NZZ weist darauf hin, dass der Microblogging-Dienst Twitter für viele Journalisten zum unerlässlichen Arbeitswerkzeug geworden ist. Ohne Journalisten würden einzelne Tweets in der Masse untergehen ohne jemals wirklich zum Thema zu werden. Ich selbst hatte mehrere Journalisten unter meinen Followern. Neben Frau Binswanger hatte ich u.a. auch Kontakt mit Markus Gilli von Tele Züri.

Die Journalisten werden zudem von einem Heer von anonymen Denunzianten mit Informationen versorgt. Praktisch jeder rechte Politiker hat linke Follower, die beobachten was er schreibt. Diese Follower suchen akribisch genau nach Tweets, die sie aus dem Kontext gerissen, dem Politiker anlasten können. Wenn Sie etwas gefunden haben, informieren diese Denunzianten Journalisten, welche dann eine Story schreiben. Der linke Gesinnungsjournalismus nimmt Hinweise noch so gerne auf. Frau Binswanger erhob in ihrem Artikel vom 24.06. 2012 schwere Vorwürfe gegen mich ohne jemals irgendeinen Kristallnacht-Tweet auf meiner Timeline gesehen zu haben. Sie hat auch nie mit mir über den Vorwurf gesprochen.

Es ging ihr offenbar  einfach darum einmal etwas über „braune SVP- Heinis“ zu schreiben.

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass gezielt versucht wurde mich mit Hilfe der Gesinnungsmedien fertig zu machen. Bereits Ende Mai 2012 geriet ich ins Visier der Medien. Es ging damals um eine Diskussion, die ich mit der Berner FDP-Politikerin Claudine Esseiva hatte. Es ging bei dieser Diskussion um die Initiative „Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache“. Esseiva ist eine Gegnerin der Initiative und ich ein Befürworter. Ich habe zum Thema Abtreibungsfinanzierung schon mehrere Blog-Artikel geschrieben.

Der Blick berichtete damals in einem einseitigen Artikel, bei dem vor allem Esseiva ihre Argumente darlegen konnte über die Sache. Ich und andere Befürworter der Initiative wurden als Beispiele für eine wüste Diskussion herangezogen, die angeblich auf Twitter und Facebook toben würde. Schon damals wurde ich vom Blick ungefragt mit Foto, Name und Vorname abgebildet.

Aus dem einseitigen Zeitungsartikel im Blick ging nicht hervor, weshalb ich für die Initiative „Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache“ bin. Deshalb möchte ich das hier nochmals klarstellen. Ich finde es unverantwortlich, den Leistungskatalog der Grundversicherung in Zeiten von steigenden Krankenkassenprämien mit Leistungen zu erweitern, die nicht für Krankheiten sind. Schwangerschaft ist aus meiner Sicht keine Krankheit. Zudem kostet eine Abtreibung innerhalb der ersten Wochen ca. CHF 600.00 und je länger man zuwartet später etwas mehr. Die gesetzliche Mindestfranchise beträgt CHF 300.00. Somit würde ein Paar selbst bei einer Ablehnung der Initiative etwa die Hälfte der Kosten selber tragen müssen. Profitieren würden vor allem Paare, die mit der Abtreibung länger zuwarten. Das ist jedoch nicht wünschbar, weil sich der Fötus weiter entwickelt und einem Baby immer ähnlicher wird. Ich denke deshalb, dass es für ein Paar zumutbar ist, die Kosten selber zu tragen. Zumal es eine Schwangerschaft mit Verhütung hätte verhindern können. Meiner Meinung nach sollte die Krankenkasse die Kosten einer Abtreibung nur übernehmen, wenn es gesundheitliche Gründe dafür gibt oder es sich bei der Frau um ein Vergewaltigungsopfer handelt.

Wie meine Geschichte zeigt, sind die Medien schnell bereit etwas zu schreiben, wenn sie damit einem rechten Politiker schaden können.  Bei linken Politikern sind die Medien zurückhaltender. Wenn zum Beispiel David Roth, Präsident der JUSO, auf Facebook dazu aufruft die Durchsetzungsinitiative der SVP auf kindische Art zu sabotieren, dann wird das folgende Bild von den linken Gesinnungsmedien bewusst nicht gezeigt, obwohl sie davon Kenntnis haben.

Dasselbe gilt für Tweets des Stadtzürcher Jungpolitikers Marcel Bührig von den Grünen. Dieser kann auf Twitter „wiederholt“ massive Beleidigungen ausstossen ohne dafür in den Medien zu erscheinen.

Nach meiner Erfahrung ist es so, dass linke Gesinnungsmedien zusammen mit Linken auf Twitter gezielt Jagd auf Aussagen von rechten Politikern machen um diese dann medial fertig zu machen. Indem sie diesen Dummheit unterstellen und sie deren Aussagen aus dem Kontext reissen, falsch wiedergeben und verdrehen. Twitter eignet sich dazu vorzüglich. Mit dem gezielten Auswählen von einzelnen Tweets kann man Aussagen komplett verdrehen und falsch wiedergeben. Es ist der Schweizer „Qualitätsjournalismus“, der Twitter so gefährlich macht.