Fabrice Anthamatten

Von Alexander Müller veröffentlicht am 14. September 2013 | 2.467 mal gesehen

Fabrice-AnthamattenAm vergangenen Donnerstag tötete der wegen zweifacher Vergewaltigung zu 20 Jahren Haft verurteilte Sexualstraftäter Fabrice Anthamatten während eines Freigangs seine Therapeutin und floh.

Die Flucht des mehrfachen Vergewaltigers Fabrice Anthamatten ist eine von zahlreichen Pannen  im Schweizer Justizsystem. Jede einzelne dieser Pannen zeugt vom Unvermögen von Schweizer Vollzugsbehörden und Politikern. So etwas darf einfach nicht passieren!

Es ist offensichtlich, dass die ermordete Sozialtherapeutin den Täter falsch einschätzte. Dies obwohl sie Psychologie studiert hatte und offenbar über einen brillanten Masterabschluss in Kriminalistik verfügte. Sie hätte den Täter sonst nicht alleine zum Reitausflug abgeholt.

Mir zeigt die Flucht von Fabrice Anthamatten bzw. die Ermordung der jungen Sozialtherapeutin vor allem zwei Dinge auf.

1. Auch gut ausgebildete Psychologen können Menschen falsch einschätzen und sich täuschen.

2. Das Justizvollzugssystem im Kanton Genf weist gravierende Sicherheitsmängel auf.

Daraus sollten folgende Rückschlüsse gezogen werden:

1. Sicherheit an erster Stelle
Die oberste Maxime muss sein, dass die Sicherheit an oberster Stelle steht. Sozialromantiker-Experimente zu lasten der Sicherheit darf es keine mehr geben.

2. Erhöhung der Sicherheitsvorkehrungen
Schwerverbrecher, die wegen Gewaltdelikten zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden sind, dürften das Gefängnis während der Haftdauer nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen verlassen. Unter keinen Umständen darf etwa eine junge Frau alleine mit einem Vergewaltiger gelassen werden. Kein Psychologe kann für das Verhalten eines Straftäters garantieren! Psychologie ist keine exakte Wissenschaft und Psychologen haben sich schon viel zu oft geirrt. Das Sicherheitsrisiko ist zu hoch!

3. Keine Freigänge ohne Sicherheitspersonal
Therapien ausserhalb der Gefängnismauern benötigen zwingend die Anwesenheit von Sicherheitspersonal. Alles andere ist verantwortungslos. Freigänge von Gewalt- und Sexualstraftätern ohne Sicherheitspersonal als Begleitung gehören verboten. Es geht um die Sicherheit der Bevölkerung, welche höher zu werten ist als z.B. das individuelle Bedürfnis eines Sexualstraftäters eine Sexualstraftat zu begehen.

4. Keine Freigänge ohne elektronische Fussfessel
Bei Freigängen ist den Straftätern zwingend eine elektronische Fussfessel anzulegen, damit sie überwacht und geortet werden können. Die Überwachung muss sichergestellt sein.

5. Ohne Geld für Sicherheit keine Freigänge
Wenn ein Kanton nicht genügend Geld hat um bei Freigängen von Straftätern für Sicherheit zu sorgen, dann dürfen in seinen Gefängnissen keine Freigänge mehr zugelassen werden.

Diese Rückschlüsse sind gesetzlich zu verankern.

Fabrice Anthamatten
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7 Gedanken zu „Fabrice Anthamatten“

  1. Ich stimme Ihnen vollkommen zu. Die Psychologen mischen sich allzu sehr, nicht nur in Sachen der Kriminalität, sonder auch bei häuslicher Gewalt und Arbeitsplatz-Agressionen bzw. Mobbing. Zu dem beeinflussen sie allzu sehr das Decission Making Process. Dies alles zum sehr grossen Nachteil der Opfer. Die Psychologen kennen den Unterschied zwischen der Antisozialen Persönlichkeitsstörung und der Psychopathie nicht. Sie denken, es handelt sich um die gleiche Persönlichkeitsstorung. Ich rede hier von der Psychopathie nach Dr. Harvey Cleckley und Dr. Robert Hare. Die beiden Herren und dessen Mitarbeiter haben schon vor 30 Jahren wisenschaftlich bewiesen, dass die Psychopathen nicht therapierbar sind. Um das alles zu verstehen, müsste man dessen Fachbücher „The Mask of Sanity“ und „Without Conscience“ lesen. Ein weiteres Buch „Snakes in Suits – when Psychopaths go to work“ von Dr. Paul Babiak beschreibt sehr ausführlich wie solche Individuen im Arbeitsumfeld funktionieren.

    Die Psychologen werden heutzutage zur Zwecken der Sozialindustrie ausgebildet. Die Ausbildung ist fakultär den Geisteswissenschaften zugeordnet und zum Teil recht pragmatisch mit anderen Fächern institutionell verbunden. Nach dem Universitätsstudium nehmen einige frischgebackene Psychologen an Weiterbildungen teil, welche ein oder zwei Jahre in Anspruch nehmen. Dies ist jedoch nicht ausreichend, um Patienten und Kriminelle zu Behandeln. Trotz der Ausbildung, verfügen die Psychologen sehr geringe Kenntnisse über Psychische- und Persönlichkeitsstörungen. Für solche Aufgaben sollten Psychiater eingesetzt werden, die für Psychoanalyse und Behandlungen ausgebildet und spezialisiert worden sind. Die Sozialindustrie kennt die Abgrenzung zwischen den beiden Berufen offensichtlich nicht.

  2. Das sehe ich etwas anders Frau Elvira K. Psychologen studieren Psychologie im Hauptfach, während Psychiater Mediziner sind, die sich im Bereich Psychologie weitergebildet haben. Wer hat wohl mehr Ahnung? Derjenige, der jahrelang Psychologie im Hauptfach studiert hat oder derjenige, der jahrelang Medizin studiert hat, somit über die Anatomie des Körpers Bescheid weiss, und danach noch eine Weiterbildung in Psychologie absolviert hat?

    Ich persönlich traue Psychologen im Bereich Psychologie mehr zu als Psychiatern. In meinem Artikel habe ich dennoch geschrieben, dass auch gut ausgebildete Psychologen Menschen falsch einschätzen können. Dabei bleibe ich. Es geht dabei aber nicht darum Psychologen herunter zu machen. Es ist einfach so, dass die menschliche Natur komplex ist und Menschen gut darin sind anderen etwas vor zu machen. Menschen können sehr gut „täuschen“, das wissen auch Laien. Intelligente Straftäter können sich auf ihre Therapeuten einstellen, wenn sie herausgefunden haben, wie sie sich verhalten müssen um eine gute Prognose zu erhalten.

    Im Volksmund gibt es einen Sprichwort, es lautet wie folgt: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“

    Daraus sollte der Rückschluss gezogen werden, dass die Sicherheitsstandards auf keinen Fall vernachlässigt werden dürfen und Sicherheit oberstes Gebot zu sein hat.

  3. Hystorisch betrachtet werden Ärzte, oder Mediziner, die sich mit psychisch Kranken beschäftigt haben, als Psychiater bezeichnet. Die haben jedoch keine solche Ausbildung absolviert.

    Psychiater is der Titel eines Arztes mit psychiatrischer Fachausbildung. Als solcher beschäftigt er sich mit der Diagnose, Behandlung und Erforschung von psychiatrischen Erkrankungen und Störungen. Das Fachgebiet des Psychiaters ist die Psychiatrie und Psychotherapie und überschneidet sich mit einigen Teilgebieten der Psychologie (klinischen Psychologie), Psychosomatik, Neurologie und der allgemeinen Medizin. Im Unterschied von nichtärztlichen psychologischen Psychotherapeuten, kann der Psychiater als Arzt mögliche körperliche Ursachen von scheinbaren psychischen Erkrankungen erfassen.

    Ein Teilgebiet der Psychiatrie ist die forensische Psychiatrie. Dazu gehören juristische Fragen wie die Beurteilung der Schuldfähigkeit von Straftätern, aber auch Gutachten im Hinblick auf die Unterbringung in geschlossenen Anstalten oder die Betreuung von (mutmasslich) psychisch Kranken.

    Es geht dabei nicht um wer mehr Ahnung über Psychologie hat, sondern auch über die Psychischen- und Persönlichkeitsstörungen sowie möglichen bio-psycho-sozialen Faktoren und Ursachen. Dies hängt von der Qualität der Ausbildung aus, persönlichen Wahrnehmung und beruflicher Erfahrung.

    Die Psychischen- und Persönlichkeitsstörungen werden im einem Klassifikationsystem der Psychiatrischen Vereinigung gesammelt und nicht in einer „psychologischen Vereinigung“.

    Alle Menschen sind manipulationsfähig, insbesondere kriminelle Verbrecher. Dies hat wenniger mit der IQ zu tun. Diesbezüglich habe ich die drei Bücher erwähnt, weil die Authoren über 30 Jahren Erfahrung mit Psychopathen haben. Dank Dr. Harvey Cleckley, der eben ein solche „Mediziner“ ist, wie Sie den Psychiater beschreiben, haben wir die aussführliche Beschreibung über Psychopathen erhalten. Er hat es geschafft ein Fundament für eine klinische Diagnose festzustellen, was vielen Psychologen bischer nicht gelungen ist. Viele Psychologen, und leider auch Psychiater, sind mit dem Begriff Psychopathie nicht vertraut. Dies wollte ich hervorheben.

  4. Ich fasse es kurz:

    Psychologie befasst sich als wissenschaftliche Disziplin mit dem Verhalten von Menschen. Psychologen werden im Strafvollzug eingesetzt und beschäftigen sich dort mit der Diagnostik, Kriseninterventionen und Therapien.

    Psychiater beschäftigten sich mit der Diagnose, Behandlung und Erforschung von psychischen Erkrankungen bzw. Störungen. Die forensische Psychiatrie wird herangezogen wenn es darum geht die Schuldfähigkeit von Straftätern abzuklären.

    Im vorliegenden Fall ging es um eine Therapie, die Medien berichteten über eine Reittherapie. Die ermordete Therapeutin war eine Psychologin.

    Mir zeigt dieser Fall, dass sich auch Psychologen täuschen können, das habe ich in meinem Artikel festgehalten und um das geht es mir. Daraus ziehe ich Rückschlüsse, die ich in meinem Artikel erwähne.

  5. Sie brauchen mich nicht über die Psychologie zu belehren, Herr Müller. Ich hatte Psychologie im Unterricht. Entgegen ihrem Bild und dem Verständnis in der Öffentlichkeit ist die in den akademischen Institutionen betriebene und gelehrte Psychologie eine streng empirische Wissenschaft. Bei der in der Öffentlichkeit häufig anzutreffenden Gleichsetzung von Psychologie und Psychoanalyse handelt es sich um einen populären Irrtum. Die Diagnostik obliegt dem Psychiater. Das Spezifische der Psychoanalyse ist ihre Ausrichtung auf die Erforschung des unbewussten Anteils am seelischen Geschehen, wobei im Unbewussten die allgemeine Eigenschaft des Psychischen erkannt wird. Um eine Diagnostik (inkl. Psychoanalyee) durchführen zu können muss ein Psychologe nach dem Psychologiestudium eine zusätzliche Psychoanalitische bzw. Psychoanalitische Ausbildung absolvieren. Viele Psychologiestudenten entscheiden sich für eine zusätzliche Fachasubildung zum Psychiater um psychisch kranke Menschen behandeln zu können.

    Erst nach einem psychiatrischen Gutachten werden Psychologen bzw. Sozialarbeiter für die Zusammenarbeit mitbezogen, nicht umgekehrt.

  6. „Um eine Diagnostik (inkl. Psychoanalyee) durchführen zu können muss ein Psychologe nach dem Psychologiestudium eine zusätzliche Psychoanalitische bzw. Psychoanalitische Ausbildung absolvieren.“

    Ich wollte mich korrigieren. So wäre richtig: Um eine Diagnostik (inkl. Psychoanalyee) durchführen zu können muss ein Psychologe nach dem Psychologiestudium eine zusätzliche Psychoanalitische bzw. Tiefenpsychologische Ausbildung absolvieren

  7. Und was hat das jetzt mit dem Thema zu tun? Müssen wir jetzt wegen der folgenden Aussage von mir, die im Artikel erwähnt wurde, einen Diskurs über Psychologie und Psychiatrie führen?

    „Auch gut ausgebildete Psychologen können Menschen falsch einschätzen und sich täuschen.“

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