Bestimmen die Massenmedien was wir glauben dürfen?

Von Alexander Müller veröffentlicht am 3. Oktober 2014 | 2.134 mal gesehen

Zu Lebzeiten von Ulrich Zwingli wurde noch um die Auslegung von religiösen Schriften und um den richtigen Glauben gekämpft. Es wurde offen Kritik am Heiligenkult und am Ablasshandel der katholischen Kirche geübt. Die Protestanten ermahnten die Katholiken daran, dass in der Bibel steht, man solle sich von Gott kein Bild machen. Katholische Kirchen wurden gestürmt und die Götzenfiguren und Reliquien darin wurden, analog zum goldenen Kalb im Buch Mose, zerstört.

Die Zeitgenossen der Reformatoren interessierten sich noch ernsthaft dafür, wie eine Religion korrekt auszulegen ist. Wenn heute Gleiches geschieht, ist von Terrorismus die Rede. Meiner Meinung nach greift das zu kurz.

Was die Kämpfer des islamischen Staats tun, mag in den Augen ihrer Feinde Terrorismus sein. Doch letztlich ist das eine Frage des Standpunkts. Aus Sicht der IS-Kämpfer sind wohl eher diejenigen Terroristen, die gegen ihren Gottesstaat und somit gegen ihren Gott kämpfen.

Reformator Ulrich Zwingli wird von Katholiken ermordet
Reformator Ulrich Zwingli wird bei der Schlacht von Kappel von Katholiken ermordet. Damals kämpften die Leute noch für ihren Glauben. Heute huldigt die Mehrheit dem Mammon.

Die Nachrichtensender deutschsprachiger Propagandamedien bemühen sich darum die Gemeinsamkeiten zwischen Religionen hervorzuheben und gleichzeitig die Differenzen auszublenden. Dies indem an Toleranz appelliert wird und gleichzeitig Grundsatzdiskussionen über religiöse Ansichten kategorisch unterbunden werden.

Doch ist das wirklich der richtige Weg? Ich meine nicht. Denn auf diese Weise wird das gegenseitige Verständnis nicht gefördert. Es steckt auch keine wirkliche Toleranz hinter dem politisch gewollten Betonen von Gemeinsamkeiten.

Bei Religionen geht es nicht primär um Toleranz. Dies zumindest dann nicht, wenn es darum geht ins fiktive Himmelreich zu kommen. Entweder glaubt man etwas konsequent oder man tut es nicht. Ich zweifle an der Religiosität derjenigen, die in den Propagandamedien von Toleranz plaudern, wenn es darum geht auf billige Art und Weise gegen den Islamischen Staat Stimmung zu machen.

Wer religiöser ist oder wer den richtigen Glauben hat, spielt eigentlich keine Rolle. Die einen riskieren ihr Leben für ihren Glauben und ihre Ideale und die anderen huldigen lieber dem Mammon und halten sich mithilfe des Westens und ihrem mit Öl verdienten Milliardenvermögen an der weltlichen Macht. Aber wer weiss, ironisch gemeint, vielleicht sind ja die vom Westen gestützten Despoten in den arabischen Diktaturen und Monarchien die wahren Hüter der Religion. Wer weiss, vielleicht war auch Gaddafi ein Heiliger, nachdem er von Obama die Absolution erhalten hatte. Dies zumindest solange, bis er wieder fallen gelassen wurde.

Glauben wird in der Not geboren, in Wohlstandsgesellschaften ist er schwach und verkommt zum traditionellen Aberglauben.

Die Menschen sollten sich nicht von den Mächtigen und den Propagandamedien der Mächtigen sagen lassen was sie wie zu glauben haben. Glaubt, was ihr glauben wollt und lebt es. Kümmert euch nicht um das Geschwätz derjenigen, die zurzeit an der Macht sind, denn ihre Macht ist genauso begrenzt wie ihr Wissen.

Bestimmen die Massenmedien was wir glauben dürfen?
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