Ist die politische Korrektheit am Ende?

Von Alexander Müller veröffentlicht am 21. Januar 2014 | 1.551 mal gesehen

Jahrelang kämpften Linke und linke Journalisten für die politische Korrektheit. In den Medien und in der Politik wurden Stildebatten geführt. Zeitungen weigerten sich öffentlich Inserate eines Komitees entgegen zunehmen, die es gar nicht gab. Anschliessend berichteten sie tagelang umfassend und werbewirksam im redaktionellen Teil über Plakate und Inserate, die sie nicht im Werbeteil publizieren wollten.

Viele Journalisten und Linke begrüssten es, wenn medienbekannte Anwälte wie David Gibor Strafanzeigen gegen den SVP-Vorstand und einzelne SVPler einreichten. Es wurde dann jeweils ausführlich darüber berichtet. Dabei durften Vertreter der Bischofskonferenz und der Kommission gegen Rassismus ihren Senf dazu geben. Es gab sogar Fälle da haben Journalisten aktiv dazu beigetragen, dass gegen politische Gegner Strafverfahren eingeleitet wurden.

Im Juni 2012 konnte man auf Twitter folgendes lesen:

SVP-Alexander-Mueller

Michele-Binswanger-Rassismusstrafnorm

Umso erstaunlicher ist es wie einzelne Medienvertreter plötzlich reagieren, wenn jemand in Visier der Justiz gerät, dem sie gut gesinnt sind. Das folgende Bild zeigt den Titel und den Lead eines Artikels der Journalistin Michèle Binswanger.

Michele-Binswanger_Blogartikel

Kann es sein, dass gewisse Medienvertreter mit zweierlei Mass messen? Einmal wird die Justiz wahrscheinlich sogar direkt von den Medien aufgeboten um gegen jemanden zu ermitteln. Ein anderes Mal soll es falsch sein wenn Richter entscheiden, wie wir über andere Menschen sprechen. Dies notabene noch bevor die Richter überhaupt entschieden haben. Versteht ihr das? Logisch erscheint mir das nicht.

Ich habe den Eindruck, dass es von Medienvertretern mit Freude zur Kenntnis genommen wurde, als David Gibor Strafanzeigen gegen SVP-Vertreter einreichte. Jetzt hat David Gibor gegen jemanden eine Strafanzeige eingereicht, demgegenüber die Medien offensichtlich wohlgesonnen sind. Entsprechend verschieden fällt die Resonanz der Medienvertreter aus.

Jetzt werden Gesetze, die vorher noch von Linken befürwortet wurden plötzlich kritisch betrachtet und die politische Korrektheit wird plötzlich in Frage gestellt. Ist das nicht scheinheilig?

Ich ziehe Richter Journalisten vor, wenn es darum geht darüber zu befinden ob etwas rassistisch ist oder nicht! Mit Sicherheit können Richter das besser beurteilen als Journalisten.

Es ist einfach einmal so, dass es ein Antirassismusgesetz in der Schweiz gibt. Die Mehrheit des Stimmvolks hat 1994 Ja zum Antirassismusgesetz gesagt. Auch Blocher war möglicherweise für die Antirassismusstrafnorm.  Dagegen waren hauptsächlich Vertreter der Schweizer Demokraten und der Autopartei.

Meiner Meinung nach sollten die Medienvertreter jetzt einfach einmal ruhig sein und die Justiz ihren Job machen lassen. Es steht ja noch gar nicht fest, dass Massimo Rocchi verurteilt wird. Die Eröffnung eines Strafverfahrens ist noch kein rechtskräftiges Urteil. Liebe Medienvertreter lasst jetzt die echten Justizexperten arbeiten und haltet euch zurück.

Es gibt im übrigen keinen vernünftigen Grund um mutmasslichen Rassismus unter dem Label „Satire“ vor Strafverfolgung zu schützen. Wenn Satire mutmasslich rassistisch ist, dann muss sie natürlich auch strafrechtlich verfolgt werden. Es kann ja nicht sein, dass mutmasslicher Rassismus von der Strafverfolgung ausgeklammert wird,  weil er der allgemeinen Belustigung und Unterhaltung eines Publikums dient. Spass auf Kosten von Dritten, wird eben von letzteren nicht immer als lustig empfunden.

Notabene: Liebe Journis, erinnert ihr euch noch wie ihr über die SVP-Widen berichtet habt? Erinnert ihr euch noch, wie ihr über das Kosovaren-Inserat der SVP berichtet habt? Wo war der kritische Journalismus damals? In den Ferien?

Politische Korrektheit eine Diktatur?

Von Alexander Müller veröffentlicht am 12. Dezember 2013 | 1.199 mal gesehen

Politische Korrektheit ist eine ethische und moralische Haltung, der die Vermeidung von Diskriminierung im Sprachgebrauch zugrunde liegt. So weit so gut. Solange diese Haltung auf Freiwilligkeit und Überzeugung beruht, ist nichts dagegen einzuwenden.

Ob politische Korrektheit zur Diktatur wird, hängt davon ab, was daraus gemacht wird. Gefährlich wird es dann, wenn Anhänger der politischen Korrektheit versuchen mit einer totalitären Sprachlenkung, mit Zwang und mit Manipulation bestimmte ethische und moralische Ansichten durchzusetzen. Wenn Sie versuchen mit unlauteren Methoden das Denken und Verhalten von Menschen im Sinne der politischen Korrektheit aktiv zu beeinflussen. Politische Korrektheit, die mit Zwang, medialer Manipulation und Diskriminierung verbreitet wird, ist eine Farce. Sie ist eine Gefahr für die Freiheit und die Grundrechte der Menschen.

Eine besondere Gefahr der manipulativen Beeinflussung stellen die Massenmedien dar. Die Medien haben eine Macht, die reguliert werden muss, denn sie spielen in einer Demokratie eine wichtige Rolle bei der Meinungsbildung. Deshalb ist es wichtig, dass die Berichterstattung sachlich, fair und ausgeglichen ist.

Bis in die 1960er Jahre gab es in der Schweiz Parteizeitungen. Die Leser dieser Zeitungen wussten, dass die Parteizeitungen bestimmte politische Ansichten vertraten. Danach bildeten sich sogenannte überparteiliche Zeitungen heraus. Ebenfalls als überparteilich gelten „offiziell“ die elektronischen Medien wie Radio, TV und Internet. Das Problem bei überparteilichen Medien ist, dass eine immer noch vorhandene parteiische Berichterstattung nicht mehr von allen Bevölkerungsteilen als solche erkannt wird. Das ist eine Gefahr für die demokratische Meinungsbildung. Um dieser Gefahr vorzubeugen, braucht es meiner Ansicht nach eine Regulierung der Medien.

Diese Regulierung sollte den Medien vorschreiben, dass politische und wirtschaftliche Propaganda sowie die persönliche Einschätzung und Meinung von Journalisten in Artikeln und Reportagen als solche zu deklarieren sind. Dasselbe gilt für bestimmte Ansichten in historischen und politischen Dokumentarsendungen. Denn die Grundaufgabe von Medien ist die sachgerechte Berichterstattung. Subjektive Meinungen und Eindrücke sowie eine manipulative Lenkung im Sinne der politischen Korrektheit haben in einer sachgerechten Berichterstattung nichts verloren. Wenn ein Korrespondent eine persönliche Einschätzung einer Lage abgeben möchte, so soll er diese als solche deklarieren. Werbung im redaktionellen Teil einer Zeitung soll als solche deklariert werden, dasselbe gilt für eine parteiische Einschätzung der Redaktion einer Zeitung. Es kann nicht angehen, dass Chefredaktoren und andere journalistische Koryphäen in Diskussions-Sendungen ihre persönliche Meinung ohne Deklaration als allgemeine Wahrheiten und Normen verbreiten. Der Machtmissbrauch von Vertretern der 4. Gewalt gehört eingedämmt, sonst ist die freie Meinungsbildung in unserer Demokratie durch politische Einflussnahme von Seiten der Massenmedien in Gefahr.