Zürcher Universitätsprofessor kritisiert Schweizer Bildungspolitik

Von Alexander Müller veröffentlicht am 12. Oktober 2011 | 3.406 mal gesehen

Philipp Sarasin ist Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Zürich. Laut einem Artikel im Tagesanzeiger, will er eine stärkere Förderung der gymnasialen und universitären Bildung. Sarasin zufolge ist das Bildungssystem der Schweiz zu einseitig auf die Ausbildung qualifizierter Berufsleute ausgerichtet. Er will deshalb die Eintrittshürden für Kantonsschulen und Gymnasien senken.

Ich war über die Ansicht von Herrn Sarasin erstaunt. Denn ich glaube nicht, dass ein Akademisieren der Gesellschaft zu mehr Erfolg führt.

Länder wie Frankreich, Italien und Spanien, deren Bildungssysteme einseitig auf akademische Ausbildungen ausgerichtet sind, verfügen über hohe Arbeitslosenquoten und viele arbeitslose Akademiker und Akademiker die sich mit einem Hilfsarbeiterjob über Wasser halten müssen. Die deutschsprachigen Länder, die praxisnahe Berufsausbildungen anbieten, verfügen hingegen über eine höhere wirtschaftliche Leistungskraft und haben tiefere Arbeitslosenquoten. Daraus schliesse ich, dass die Wirtschaft qualifizierte Fachkräfte braucht, die über eine solide und praxisnahe Berufsausbildung verfügen. Wahrscheinlich denkt man aus diesem Grund in einigen Ländern in Osteuropa und in Grossbritannien darüber nach, qualifizierte Berufsausbildungen zu etablieren.

Auch bin ich gegen tiefere Eintrittshürden für Kantonsschulen und Gymnasien. Meiner Ansicht nach würde das der Qualität und dem Ansehen einer gymnasialen Ausbildung schaden.

Meiner Meinung nach sollte man eher den zweiten Bildungsweg fördern. Es gibt viele erfahrene und talentierte Praktiker, die sich weiterbilden wollen. Leider ist das Weiterbildungsangebot an Fachhochschulen kleiner als das Bildungsangebot an Universitäten.