Kampf den prüden Obermoralisten

Von Alexander Müller veröffentlicht am 18. Februar 2012 | 2.547 mal gesehen

Sie haben meist religiöse Motive, doch sie versuchen ihre prüde Sexualmoral meist mit dem Schutz von Minderjährigen durchzusetzen. Die Rede ist von prüden Obermoralisten. In Aschaffenburg haben sie Micaela Schäfer gezwungen sich etwas überzuziehen. Angeblich, weil diese mit ihren nackten Auf-tritten das geistige Wohl von Minderjährigen gefährden würde. (Quelle)

Wenn ich sowas lese, kann ich nur die Stirn runzeln. Wie bitte? Nackte Frauenbrüste gefährden das Wohl von Minderjährigen? Seit wann soll denn das so sein? Als ich noch ein Baby war, kann das jedenfalls noch nicht so gewesen sein, denn sonst wäre ich wohl mangels Nahrung (Muttermilch) verhungert.

Das Beispiel mit der Babynahrung zeigt wie absurd die Argumentation der Obermoralisten ist. Nackte Frauenbrüste sind genauso natürlich wie nackte Männerbrüste. Wie wir alle wissen, dürfen Männer mit nacktem Oberkörper ins Schwimmbad. Das war nicht immer so. Zu beginn des letzten Jahrhunderts zeigten auch die Männer keine Brüste im Schwimmbad. Das sah damals dann so aus:

Das seltsame Verhältnis zur Nacktheit in der Öffentlichkeit ist Ausdruck eines jahrtausendealten Kampfes zwischen Moralisten und Freiheitsliebenden. Bereits bei den alten Römern gab es Auseinandersetzungen zwischen freizügigen Menschen und Moralisten. Kaiser Augustus soll in seinen späteren Lebensjahren zu einem Moralisten verkommen sein. Dies obwohl er in jüngeren Jahren als Schürzenjäger aufgefallen sein soll. Ihm fiel der freizügige Dichter und Sexapostel Ovid zum Opfer. (Quelle) Andere Kaiser waren wieder freizügiger.

Die heute vorherrschenden Sitte- und Moralvorstellungen gehen auf das Judentum, das Christentum und den Islam zurück. Je stärker diese Religionen noch in den Völkern verankert sind und je fundamentalistischer sie interpretiert werden, desto strenger sind die Moral- und Sittevorstellungen in den Köpfen der Menschen.

Soll das Stillen eines Kindes etwa dem Kindswohl schaden? Denn immerhin sieht das Kind dabei ja die Brust einer Frau…

Die Moralisten haben ziemlich enge Ansichten, wenn es um Anstand, Moral und Sitte geht. Mit der Ehrlichkeit scheinen sie es jedoch nicht allzugenau zu nehmen. Anstatt Kinder für ihre Sache vorzuschieben sollten sie endlich zugeben weshalb sie ein Problem mit Nacktheit in der Öffentlichkeit haben.  Neben dem Vorwand mit den Kindern bringen sie oft noch Bedenken hinsichtlich Ästhetik und Hygiene aufs Tapet. Dem kann man jedoch entgegnen, dass auch nicht alle angezogenen Menschen ästhetischen Idealen bzw. den allgemeinen Mindestanforderungen für Hygiene genügen. Ich würde sogar meinen, dass Nackte eher ein Interesse daran haben gut auszusehen. Dies, da sie ihre Makel nicht verstecken können.

In katholischen Gegenden darf man ja nicht mal mit einer kurzen Hose in eine Kirche. Angeblich, weil dies gegenüber der christlichen Gottheit respektlos wäre. Wer nun aber das Evangelium des Jesus Christus verstanden hat (weil er z.B. die deutsche Übersetzung von Zwingli gelesen hat), der weiss, dass es wohl eher um die Befindlichkeit der menschlichen Gottesdiener geht als um die Gottheit. Denn es sind vorwiegend die menschlichen Gottesdiener, die sich an kurzen Hosen stören. Von Jesus ist jedenfalls nicht bekannt, dass er jemanden zurückgewiesen hat, weil er eine „unpassende“ Kleidung angehabt haben soll. 😉